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Ich bin immer wieder überrascht, was die wackeren Exhumierer in zahlreichen Youtube-Kanäle alles so ausbuddeln, wenn man sie lange genug in Ruhe lässt.

Wenn Sie also von „She’s dressed to kill“ noch nie gehört haben, dann ist das nicht wirklich schlimm, denn seit seiner Ausstrahlung im US-TV dürfte der Film keine großartigen Wellen geschlagen haben.

Was einigermaßen verwunderlich ist, denn er paart das erprobte „closed resort mystery“ à la Agatha Christies „Ten Little Indians“ mit Ansätzen aus dem Slasher- und Giallo-Subgenre, kann aber leider dank der TV-Wurzeln nie so ganz in die Vollen gehen, wenn es darum geht, einen Mord vielleicht auch mal richtig im Bild zu zeigen.

Connie Sellecca gibt eine angehende Modelaspirantin namens Alix, die für ihr Leben gern Americas Next Topmodel werden würde, sich aber vor der Kamera wie ein Stück Holz gebärdet. Was ein Wunder, wenn einen John Rubinstein (ja, der schusselige Sohnemann aus „Hardcastle und McCormick“) fotografiert, der hier den Starknipser gibt, dessen Linse und Hoseninhalt hier Karrieren machen kann. Klingt nicht so wahrscheinlich, sieht noch weniger so aus. Arbeiten tun sie beide für Irene Barton alias Jessica Walter (man merkt es schon, der Cast ist das Asset hier), die eine fesche Modelagentur an der Hand hat, aber ein wenig in Schwierigkeiten eiert. Während Alix dank ihrer Karatefähigkeiten endlich ordentliche Fotos liefert, die sie sogleich zu einer Top-Kandidatin machen (oha!), kommt ein Angebot zur Tür herein, die sich alle gierigen Agenturchefinnen nicht entgehen lassen können: Design-Altstar Regine Denton (die große Eleanor Parker in einer Rolle in etwa wohl so zurückgezogen wie Marlene Dietrich in ihren späten Jahren) hat nach Jahren und Jahrzehnten endlich eine neue Kollektion fertig und lädt ausgewählte Käufer (also so ca. 3) in ihr nur per Seilbahn erreichbares Gipfelresort ein.

Alix darf mit dabei sein, wenn sich Käufer, Kritiker, Models und Alt-Models also bergan einschiffen. Dumm nur, dass schon vorher ein geheimnisvoller Killer umgeht, der bei der Barton mögliche Kleidträgerinnen vergiftet und im Anschluss in der schönen Bergwelt damit weitermacht. Natürlich muss dazu die Seilbahn stillgelegt werden, so dass man nur unter Einsatz von Lebensgefahr und viel Wanderzeit zur Rettung loshumpeln kann. Derweil bitchen sich die Anwesenden zunehmend wegen ihrer bisherigen Verfehlungen an und werden nach und nach immer weniger, zumindest die Mode vortragenden Damen.

Der Wendepunkt kommt dann kurz vor der Stundenmarke, als eine Figur in die Handlung integriert wird, die einerseits der Urgroßvater aller Twists ist und andererseits so wenig überzeugend zurechtgemacht ist, dass man meint, das könne jetzt nicht die billige Auflösung bedeuten, doch leider ist dem so.

Der Rest vom Fest sitzt meistens nur ineffektiv rum und das betrifft immerhin so bekannte Namen wie Clive Revill, Peter Horton, Jonathan Banks und Joanna Cassidy.

Wie gesagt: hätte man etwas mehr auf Suspense, die Morde und die Gewalt fokussiert, hätte es wirklich spannend werden können, aber so zieht sich das Denver-Clan-ähnliche Gebilde nur ziemlich, auch wenn man ein paarmal auf POV-Kamera setzt. Die Entlarvung des Mörders ist dann leider uninteressanter als die Pointe rund um die neue Modekollektion, die man noch dranklebt.

Gus Trikonis ist ein passabler TV-Regisseur geworden, der u.a. auch „The Evil“ von 1978 drehte (und davor auch mal Softerotik zusammen kurbelte), aber hier hilft ihm das Skript einfach nicht ausreichend auf die Sprünge und der beste Cast kann nicht die Spannung bringen, wenn man die Kamera nicht lässt.

Dennoch kann man mal einen Blick riskieren, auch wenn der Film, der mehr Potential hätte, gerade dann ins biedere TV-Handwerk kippt, als er seine Stärken ausspielen müsste. (4/10)










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