La vita è bella – das Leben ist schön. Diese Botschaft in einem Film zu übermitteln, der zur Zeit des Holocausts spielt, und dessen Szenenbilder durch die Fassaden eines Konzentrationslagers geprägt sind, erscheint auf den ersten Blick schwierig, ja sogar unmöglich. Doch auf eine bewundernswerte Art und Weise gelingt Roberto Benigni mit seinem 3fach Oscar-prämierten Meisterwerk „Das Leben ist schön“ das Unmögliche.
Guido (Roberto Benigni), lebensfroher Lebenskünstler, verliebt sich in die schöne Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi). Jahre später wird die Idylle der jungen Familie, die zwischenzeitlich durch den Sohn Giosué bereichert wurde, durch das Nazi-Regime zerstört. Vater und Sohn werden deportiert. Aus Liebe zu Guido und ihrem gemeinsamen Sohn folgt Dora, die nicht jüdisch ist, den beiden ins Konzentrationslager. Bereits während der Fahrt ins Konzentrationslager beschließt Guido, Giosué so lange wie möglich vor dem Schrecken des Holocausts zu bewahren. Giosué soll weiterhin an die Tatsache glauben: „Das Leben ist schön“.
„La vita è bella“ ist ein Film, den man in dieser Form einem Roberto Benigni niemals zugetraut hätte. Der Witzbold, der sich auch zu Beginn dieses Films durch Slapstick-Einlagen und romantische Blödeleien profiliert, beweist hier, dass er zu den ganz Großen des Geschäfts gehört.
Zunächst bringt Benigni eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art (zwischen Guido und Dora) auf die Leinwand, die genau so auch als eigenständiger Film funktioniert hätte. Erst nach dieser in sich geschlossenen Geschichte, die dem Zuschauer bereits eindrucksvoll zeigt, wie schön das Leben doch ist, wendet sich der Film in die Tragikomödie, die durch die Vater-Sohn-Beziehung getragen wird. Die Beziehung zu seiner Frau Dora reiht sich als Nebenhandlung in das Geschehen ein, und wird nur noch sporadisch angeschnitten, was jedoch dem weiteren Verlauf des Films nicht zum Nachteil gereicht.
Entgegen den ansonsten in der Regel hart gezeichneten Bildern, die man aus Holocaust-Filmen kennt, benutzt Benigni hier eher weiche Grautöne, um den Zuschauer nie zu weit von der Hauptbotschaft des Filmes abgleiten zu lassen. Episodisch eingespielte Passagen aus Werken von Jacques Offenbach, die in einem Moment traurig stimmen, im anderen Moment wiederum Fröhlichkeit übertragen, untermauern den Kontrast zwischen dem Schrecken des Holocaust und der Botschaft, die Guido seinem Sohn jeden Tag aufs Neue übermittelt.
Roberto Benigni ist hier als Regisseur und als Darsteller eine beachtenswerte Gratwanderung gelungen, die das Thema Holocaust dem Zuschauer auf eine völlig neue Art und Weise näher bringt. „Das Leben ist schön“ ist eine romantische, knallharte, traurige, fröhliche, epische, kurzweilige Erzählung. Der Film lebt von seinen Kontrasten in jeglicher Hinsicht und genau das ist es auch, was diesen Film so liebens- und sehenswert machen.
Das Leben ist schön… aber auch in einem Konzentrationslager? Ohne die Ernsthaftigkeit des Themas jemals aus den Augen zu verlieren, oder gar das Thema ins Lächerliche, Persiflierte zu ziehen, zeigt Benigni, dass das Leben immer schön sein kann. Es kommt halt nur darauf an, was man daraus macht… Und wenn es nur ein Gewinnspiel ist, bei dem man als Hauptgewinn einen Panzer bekommt… Und manchmal kann es auch sein, dass man Opfer bringen muss, um die Schönheit des Lebens zu wahren.
Nach diesem Film bin ich mehr denn je überzeugt, dass das Leben schön ist. Zum einen, weil die grausame Zeit des Holocausts nun schon Jahrzehnte hinter uns liegt, zum anderen aber auch, weil mir aufgezeigt wurde, dass selbst die schlimmste Lage noch seine guten Seiten haben kann. Es kommt immer nur darauf an, wie man die Situation betrachtet. „La vita è bella“ ist ein Film, der Freude, Trauer, Nachdenklichkeit und Begeisterung gleichermaßen hervorruft und vollkommen zu Recht von der Academy mit 3 Oscars bedacht wurde. 9/10 Punkte