Review

So, das ist nun mal eine Rezension, die es schwer zu schreiben fällt. Denn es handelt sich hier um ein zweischneidiges Schwert.

Handelt es sich anfangs um eine leicht beschwingte Liebeskomödie, so wandelt es sich in der zweiten Hälfte in ein Film über den Holocaust, der mit beeindruckender Wucht über das Publikum herniederfegt und bis zum bitteren Ende nichts an seiner Leichtigkeit verliert.
Und um aufrichtig zu sein, so bitter ist das Ende irgendwie dann doch nicht.

Dass ausgerechnet der Clown Benigni dieses Kunststück vollbringt und dabei wirklich die schmale Gratwanderung meistert, dass sein Film nie nur Mittel zum Zweck ist , sondern auch eine Message vermittelt, grenzt an ein Wunder.
Man mag fast meinen, er würde unbedarft an dieses Thema herangehen und das wäre der Pluspunkt, doch ich persönlich habe das Gefühl, dass er sehr wohl die Konsequenzen seiner Herangehensweise erfassen konnte.

Zum ersten Mal wird mit Das Leben ist Schön ein komödiantischer Film über das Leben und Sterben in Konzentrationslagern gedreht, was dem Film etwas wieder gibt, was den meisten Filmen zu diesem Thema abgeht: Die Menschlichkeit und damit verbunden - so pervers es klingen mag - die Massentauglichkeit.
Denn Kino soll Unterhaltung sein, das ist Sinn und Zweck der bloßen Existenz des Mediums, alles andere wäre gelogen und geheuchelt. Klar, manchmal will man auch zum Nachdenken angeregt werden, aber wer geht schon gerne zwei- oder mehrmals in einen derart depressiven Film hinein, der einen fast dazu anstiftet, Selbstmord zu begehen?
Nun mag man diesem entgegenstellen, dass dieses Thema nicht unterhalten sollte, sondern den Leuten immer vorhalten sollte, was sich niemals wieder wiederholen darf. Ja, das ist absolut richtig, das darf sich nicht wiederholen, ein solches Thema darf - nicht einmal im Film - dem Zuschauer als ein Wohlfühlfilm präsentiert werden, er muß das Kino mit einem Grübeln oder mulmigen Gefühl im Magen verlassen, mindestens. Am besten wäre es, wenn die Leute richtig schlecht gelaunt und am Boden zerstört das Kino verlassen. Und richtig gut ist so ein Film erst dann, wenn das Publikum trotzdem nicht ausbleibt.

Darf man also eine Komödie über dieses Thema drehen? Ja.
Denn genau diese Gefühle vermittelt dieser Film, und dennoch gelingt es ihm, locker und leicht zu bleiben.

Dennoch, vollends überzeugen kann dieser Film nicht. So ist der komödiantische Teil am Anfang nicht wirklich superlustig oder hat man schon öfter und besser in anderen Benigni-Filmen (teils auch nur als Darsteller) gesehen. Zugegebenermaßen sind die angedeuteten bevorstehenden schlimmen Zeiten und der Faschismus sehr bedrohlich und spürbar, doch sie werden als Nichtigkeit von Benignis Charakter abgetan. Das wiederum ist wieder ein Pluspunkt, da es zeigt, wie die Leute damals zu Opfern werden konnten.
Auch der dramatische Teil im Konzentrationslager bleibt für mein Gefühl zu harmlos, es gibt wirklich überragende Szenen des unfaßbaren Grauens, aber ist es nicht drastisch genug, dass es diesem Thema adäquat entgegenkommt.

Alles in allem ist dies der erste massentaugliche Film zu diesem Thema, der mutig genug war, anderes Terrain zu betreten, aber nicht konsequent genug auf diesem Gebiet wandert. Er ist nicht der todtraurige Gänsehautfilm, sondern vermittelt erstmals eine durchdachte schlaue Herangehensweise, doch in letzter Konsequenz fehlt es ihm an genau jener.
Das würde ich mir für die Zukunft wünschen

Dennoch, dies mit einer der besten Filme zu diesem Thema, und jeder andere würde bei so einer Rezension vielleicht mehr Punkte verteilen, aber nur weil das Thema so delikat ist, sollte man nicht mehr Punkte verteilen, als es die Umsetzung eigentlich verdient.

7 Punkte

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