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Der jüdische Lebenskünstler Guido gelangt in den 30er Jahren mit seinem Freund Ferruccio nach Arezzo, um dort einen Buchladen zu eröffnen. Dort lernt er die kurz vor der Verlobung stehende Dora kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Dora erwidert seine Liebe und gründet mit ihm eine kleine Familie. Fünf Jahre später werden Guido und sein Sohn urplötzlich in ein Konzentrationslager deportiert. Um den kleinen Giosuè vor der grausamen Realität zu bewahren, greift Guido zu einer Notlüge: Alles sei bloß ein Spiel, und der Sieger gewänne einen echten Panzer...
„Das Leben ist schön“ ist eine liebevolle, ungemein zu Herzen gehende, rührende Tragikomödie des italienischen Starregisseurs Roberto Benigni. War der Film bereits in seinem Heimatland ein echter Kassenknüller, so stellte sich schnell auch international der große Erfolg ein: Drei Oscars (Bester nicht-englischsprachiger Film, Bester Hauptdarsteller, Beste Musik) und eine Auszeichnung in Cannes waren die hochverdiente Folge.
Bis heute sind zahlreiche Filme über den Zweiten Weltkrieg entstanden, welche dessen ganze Grausamkeit schonungslos reflektierten und den Zuschauer kräftig zum Nachdenken animierten. „Die Brücke“ ist zweifellos eines der wirkungsvollsten Antikriegsdramen. Benigni jedoch ging die ernste Thematik ganz anders an: So spielt die gesamte, beinahe märchenhaft anmutende Handlung zwar zur Zeit des Nationalsozialismus und in der zweiten Hälfte sogar im Konzentrationslager, doch es wird an keiner Stelle ein einziger Toter gezeigt. Einzig in einem surrealen Moment wird das Grauen in Form eines Leichenbergs vage angedeutet. Die Tatsache, daß Hauptfigur Guido (verkörpert von Benigni selbst) in dieser Geschichte den Krieg als harmloses Spiel darstellt, anstatt sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen, wie es sonst üblich ist, rief einige Kritiker auf den Plan. Benigni verharmlose die historischen Tatsachen und schildere sie in unzulässig humorvoller Weise. Die Deutschen werden als brüllende Witzfiguren abgestempelt - besonders deutlich in der Szene, in der Guido die ernsthaften Worte eines deutschen Offiziers seinen italienischen Leidgenossen in Gegenwart seines Sohnes vollkommen sinnentfremdet ins Italienische übersetzt, damit Giosuè der Illusion eines Spiels nicht beraubt wird -, was einigen Zuschauern sauer aufstieß. Dabei beabsichtigte der Regisseur gar nicht, den Holocaust authentisch darzustellen. Vielmehr zeigt er die Fantasie als Überlebensstrategie inmitten des unmenschlichen Naziregimes.
Die bewegendste Sequenz ist die, in der Guido selbst im Angesicht des sicheren Todes - von einem Deutschen mit einem Maschinengewehr verfolgt - vor den Augen seines Sohnes, der das Geschehnis aus seinem kleinen Versteck aus beobachtet, den Spaßvogel mimt, Giosuè dabei heimlich zublinzelt und mit übertriebenem Gang aus dessen Blickwinkel verschwindet, womit er seinem Sohn ein herzhaftes Lachen abgewinnt. Ein Lachen angesichts des Entsetzens.
Daß Benigni großartige selbstdarstellerische Fähigkeiten besitzt, konnte man bereits in anderen Machwerken („Das Monster“) erkennen - hier wäre kein anderer Darsteller denkbar gewesen als er mit seinem grandios komischen Gesichtsausdruck. Die Verkörperung Guidos ist die Rolle seines Lebens.
Nicoletta Braschi, die Dora spielt, ist übrigens auch im wirklichen Leben Benignis Ehefrau.
Neben den brillanten schauspielerischen Leistungen (Hut ab vor Giorgio Cantarini als Giosuè!) - auch der verstorbene Horst Buchholz spielt eine herrlich skurrile Nebenrolle als Arzt Dr. Lessing - und dem nicht nur ungewöhnlichen, meisterhaft erdachten, sondern auch bemerkenswert behutsamen Handlungsaufbau berührt die stets passend eingesetzte, oftmals schwermütige Filmmusik von Nicola Piovani ungemein. Es lohnt sich auf alle Fälle nach dem tragischen, aber zugleich nicht komplett hoffnungslosen Schluß, die Musik im Abspann noch einmal auf sich einwirken zu lassen.

Fazit: Ein wundervoller Familienfilm, der den Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln einlädt und doch in etlichen Passagen zum Nachdenken anregt. Keineswegs die Darstellung einer Verharmlosung des Krieges, wie einige Kritiker Benigni vorwerfen, sondern ein zutiefst anrührendes Märchen mit traurigem Ausgang. „Das Leben ist schön“ ist nicht nur Roberto Benignis erfolgreichster, sondern wohl auch sein bester Film. Ein Geheimtip!
GESAMT: 9/10 (Unterhaltungswert: 9 - Handlung: 9 - Schauspielerische Leistungen: 10 - Kameraführung/Atmosphäre: 8 - Musik: 10)

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