Review
von Leimbacher-Mario
Die Schaumkrone der Kerlovation
Ridley Scott hatte schon immer ein Faible, Auge für große Bilder, ein Gefühl für warme Stimmungen. Mitte der 90er kam er nach seinem Columbus-Abenteuer mit Gerard Depardieu wohl zusätzlich noch auf den salzigen Schiffgeschmack. Denn mit „White Squall“ verfilmte er den wahren Fall einer zum Großteil (schwer erziehbaren?) jugendlichen Segelbootcrew in den frühen 60ern, die auf einem unvergesslichen Turn durch das Meer nicht nur für's Leben lernen, sondern vor allem, was es heißt zu seinen Entscheidungen zu stehen und an ihnen zu wachsen…
Coming-of-Age trifft Katastrophenfilm, „The Outsiders“ meets „The Perfect Storm“. „White Squall“ bietet paradiesische Bilder, einige berühmte Herrenköpfe, echtes Meerestosen und wurde gefühlt genau zur richtigen Zeit gemacht, als man solche Hochseeabenteuer noch vor Ort drehte und nicht mit Computereffekten unschön zukleisterte. Man fühlt jede maskuline Krise, den Wellengang und den Zusammenhalt unter den Jungs, man schätzt die Natur, die Echtheit, die Elemente und deren Kraft. Ein toller, heißer, sphärischer, L.A.-artiger Score dazu. Sonnenuntergänge und Clubparties, Erwachsenwerden und Machoismen, Opfer und Helden. „White Squall“ ist zurückhaltend, sanft wiegend und nie effekthaschend. Und gerade Letzteres dürfte (erst recht im Vergleich zu heutigen, alles heroisch aufbauschenden Katastrophenfilmen) ein Unikum und eine echte Genugtuung sein!
Fazit: wunderschöne, sommerliche und warme Bilder, bubenhafte Unschuld und angsteinflössende Naturgewalt - „White Squall“ ist trotz traurigem Anlass ein (etwas überlanger) schöner Sommerregen!