Review

„Das Böse in der Welt lebt nicht durch die, die Böses tun, sondern durch die, die Böses dulden.“ (General Harras)


Harras ist General der deutschen Luftwaffe. 1941 soll er einen neuen Bomber für die Ostfront einführen, doch bei Testflügen stürzen die Maschinen immer wieder ab. Sind technische Fehler oder Sabotage verantwortlich? Gleichzeitig versucht ein Gruppenführer der SS General Harras und damit die Heeresgruppe Luftwaffe zur SS hinzuziehen. Da wird Harras plötzlich verhaftet.


Ein Unrecht wahrzunehmen und etwas dagegen zu unternehmen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Des Teufels General zeigt anschaulich, wie gute Menschen im Nazi-Deutschland ohnmächtig zusahen, nichts oder wenig tun konnten, denn zunächst will man mal die eigene Haut retten, wie Harras im Film feststellt. Oder eben wie Harras, der vordergründig standhaft und ohne Furcht ist, seine Meinung frei heraussagt, letztlich aber doch nur Soldat und Flieger ist und für die ihm zuteil werdende Macht die Augen verschließt und vielleicht nicht persönlich Böses tut, doch durch sein Handeln den Machtapparat unterstützt. Erst das Handeln eines Freundes weckt ihn auf, zu spät, um in größerem Rahmen einzuschreiten, rechtzeitig genug, um zumindest einem das Leben zu retten. Dennoch bleibt das weit unter seinen Möglichkeiten, denn zuhören wollte er auch nie.


Des Teufels General ist eine Charakterstudie, zeigt den Werdegang eines Mannes, der nicht zuhört, nicht hinsieht, dies unbewusst gar nicht will, der viel zu sehr von sich selbst überzeugt ist. Die Figurenzeichnung ist großartig, die Dialoge scharf. Der Film entstand frei nach dem gleichnamigen Bühnenstück, das Carl Zuckmayer während des Krieges im Exil schrieb. Die Figur des General Harras ist dabei inspieriert von seinem Freund Ernst Udet, der sich im November 1941 das Leben nahm.
Curd Jürgens spielt den Harras, den General des Teufels, mit Bravour. Mit seiner Präsenz, seinem Charme, der Energie und dem Können eines großen Schauspielers trägt er den Film mit Leichtigkeit allein. Es ist eine Freude, ihm bei seinem Spiel zuzusehen. Dabei spielt der restliche Cast keineswegs schlecht, vor allem Viktor de Kowa als SS-Gruppenführer Schmidt-Lausitz ist wunderbar fies.

Auch technisch wird hier gute Arbeit geleistet. Die Miniatur-Effekte im Finale sind zwar recht leicht zu durchschauen, für einen deutschen Film von 1955 empfinde ich die aber für deutlich mehr als nur zweckdienlich gelungen. Kamera und Regie leisten saubere Arbeit. Trotz 2h Laufzeit nie zu lang oder langatmig.


Großartiger deutscher Nachkriegsfilm, klasse gefilmt, klasse gespielt, spannend. Auch heute noch sehenswert und in der Kernaussage wieder umso relevanter.

Details
Ähnliche Filme