Das Cover macht bereits Lust auf ein stürmisches Abenteuer auf hoher See und tatsächlich herrscht ein temporeiches Treiben an Bord dieses spanischen Thrillers, der noch besser ausgefallen wäre, wenn die Story nicht streckenweise arg konstruiert daherkäme.
Senegal, am Atlantik: Eine Gruppe von fünf Touristen begibt sich für einen Tauchgang in ein kleines Motorboot. An Bord: Fotografin Sara, Rastamann Edgar und Kumpel Ivan, sowie die schwangere Thais und ihr überbesorgter Mann Viktor, zudem der junge einheimische Führer Drui. Durch ein dummes Unglück explodiert ihr Boot, aber es wird niemand verletzt. So treibt die Gruppe einige Zeit im Wasser, bis ein altes Frachtschiff auftaucht. Hier wird just ein Mann abgestochen und ins Wasser geworfen, was die Gruppe aber nicht daran hindert, unbemerkt an Bord zu gehen und sich zunächst einmal zu verstecken. Doch ihr Aufenthalt bleibt nicht lange unentdeckt.
Gar nicht mal so übel, was Pau Freixas mit seinem Debüt hingelegt hat, denn an Bord ist immer was los. Leider werden die blinden Passagiere sehr oberflächlich charakterisiert: Bootsjunge Drui sagt schon mal gar nichts, von den Freunden Edgar und Ivan erfahren wir nur, dass sie sich ganz doll lieb haben, aber nicht gay sind, Thais ist halt im sechsten Monat schwanger und Mann Viktor überaus besorgt um das Ungeborene, was sich aber so negativ auf den Zuschauer auswirkt, dass man ihn am liebsten gleich wieder über Bord werfen würde, er ist auch schuld daran, dass das kleine Motorboot explodiert. Dann gibt es noch Fotografin Sara, von der man recht früh erfährt, wie ihre Kissen unter dem Taucheranzug aussehen und dass ihre Kamera von ihrem toten Vater ist - reicht aber alles nicht aus, um jemanden gleich ins Herz zu schließen.
Doch nicht nur die äußerst oberflächliche Charakterzeichnung der Protagonisten stößt etwas bitter auf, denn ärgerlicher sind ihre fast durch und durch unüberlegten Handlungen an Bord des Frachters, auf dem sich mindestens ein Mörder aufhält. Da verlässt der schusselige Ehemann das Versteck der Gruppe, um seiner Frau Desinfektionsmittel zu besorgen, weil die soeben von einer Ratte leicht angeknabbert wurde (Als wenn man sich dafür in Lebensgefahr begäbe).
Noch unlogischer wird es, als derselbe Idiot ein Walkie Talkie mitnimmt, um sich beim Kapitän als EINZIGER blinder Passagier vorzustellen, (klar, der Mann führt gern Selbstgespräche, oder wie?). Es folgen weitere unwahrscheinliche Handlungen, die bisweilen hart an die Schmerzgrenze gehen und die Logik über Bord werfen.
Immerhin herrscht Spannung auf dem Frachter, von den Versteckspielen über die dubiose Person des Kapitäns, bishin zu Giftschlangen und einem Tauchgang des auf dem Cover abgebildeten Käfigs. Sehr solide und vor allem schön flott inszeniert. Die Darsteller performen ganz brauchbar und Lluis Homar fällt in der Rolle des Kapitäns sogar recht positiv auf, er hat eine ungeheure Präsenz in seinen nicht allzu langen Auftritten, bei denen der Zuschauer nie weiß, ob er nun der Gute oder der Böse ist.
Wem das sprichwörtliche Treiben bei „Open Water“ zu einseitig war und sich bei älteren Beiträgen wie dem „Totenschiff“ nicht so recht wohl fühlt, sollte einen Blick riskieren.
Logikfehler und unwahrscheinliche Begebenheiten etwas ignorieren und sich einfach nur unterhalten lassen.
7 von 10 Punkten