David Lynch ist ja allgemein bekannt dafür, etwas andere Filme zu drehen. So z.B. „Eraserhead", „Lost Highway" oder „The Straight Story". Aber auch „Wild at Heart" ist total abgedreht, klingt die Story noch so kitschig und romantisch. Der Film beinhaltet manche Szenen, die wirklich überaus hart erscheinen und normalerweise keinesfalls zum Rest des Übrigen passen. Für David Lynch jedoch ist das Alltag, er paart romantische Momente mit expliziten Gewaltdarstellungen und vernachlässigt natürlich nie seinen Hang zum Bizarren. Schon allein die letzten 10 Minuten sind der beste Beweis dafür, als Nicolas Cage die gute Fee erscheint und er seine Lebenseinstellung auf einen Schlag über den Haufen wirft. Doch auch vorher bekommt der Zuschauer wieder brillante Einfälle in Sachen Optik geboten, also Fans von David Lynch werden sicher nicht enttäuscht. Zwar erreicht „Wild at Heart" sicher nicht die Klasse und die Düsternis eines Films wie „Lost Highway", aber dennoch überzeugt er auf ganzer Linie und ist nicht unbedingt für den Fan von Mainstream-Dramen geeignet.
Sailor und Lula sind unsterblich ineinander verliebt. Das kann auch ein Mord, den Sailor an einem Schwarzen begeht, nicht verhindern. Er wandert wegen Totschlags 2 Jahre in den Knast und obwohl Lulas Mutter strikt dagegen ist, dass sich ihre Tochter nach Ablauf der Haftstrafe wieder mit Sailor trifft, holt dieser Lula direkt nach seinem Gefängnisaufenthalt ab und fährt mit ihr in Richtung Kalifornien. Lulas Mutter hat jedoch nichts Besseres zu tun, als zuerst ihren Freund und danach noch einen Bekannten hinter dem durchgebrannten Paar hinterherzuschicken, um Lula aus den Händen des verbrecherischen Sailors zu befreien.
Wer jetzt meint, er könne ein ganz normales Roadmovie erwarten, hat sich wahrlich getäuscht, denn das flüchtende Paar erlebt allerlei abgedrehte Sachen und lernt total durchgeknallte Personen kennen, wodurch „Wild at Heart" sicherlich nicht zum leicht verdaulichen 08/15-Film wird, den man sich mal so zwischendurch anschauen kann. Wer vorher Nichts von Lynch und dessen Art, Filme zu drehen, gehört hat, wird beim Ansehen von „Wild at Heart" sein blaues Wunder erleben, so ungewöhnlich und abgedreht ist er.
Die Schauspieler brillieren auf voller Linie, man merkt ihnen richtig an, wie verliebt sie ineinander sind und wie ernst sie es meinen, dass sie nie mehr auseinandergehen und Nichts und niemand sie trennen werden kann. Lula mimt teilweise die etwas Naive, bleibt aber meistens schon ernst. Das paar erinnert ein wenig an Mickey und Mallory Knox aus Oliver Stones „Natural Born Killers". Denn bei Nicolas Cage alias Sailor kann man durchaus Parallelen zu Mickey Knox erkennen, beide geben sich ziemlich cool und hart. Willem Dafoe als abgedrehter Psychopat Bobby übertrifft jedoch sowohl Sailor und Lula in Sachen Ausdruckskraft, denn selten habe ich eine kränkere Mimik gesehen als sie Dafoe in „Wild at Heart" zum Vorschein bringt. Vor allem die Szene, in der er Lula minutenlang sexuell belästigt hat es in sich und ist garantiert Nichts für schwache Nerven.
Wer alle anderen Lynch-Filme mag, wird auch an „Wild at Heart" Gefallen finden. Ich kann mit vielen die Meinung, dass der Film weitaus schlechter als andere Werke Lynchs ist, nicht teilen. Er ist zwar nicht so düster und abgedreht wie noch „Eraserhead" und „Lost Highway" und regt zudem nicht so zum Diskutieren, Interpretieren und Nachdenken als eben genannte, aber als eigenständiger Film liegt „Wild at Heart" locker über dem Durchschnitt für irgendwelche Dramen. Unzugänglich, ordinär, schockierend und vor allem bizarr! 8,5/10 Punkte