Wirklich beeindruckend, wie Regisseur Jason Reitman mit Christopher Buckleys Bestseller „Thank You For Smoking“ zum großen Rundumschlag ausholt und sich dabei der Unterstützung einer ganzen Riege namhafter Hollywood-Star gewiss sein kann. Kurz und knackig in gut 80 Minuten mit sehr viel Biss und immer am Ball bleibend, inszeniert Reitman hier eine herrliche Satire, die allen Seiten den Spiegel vorhält anstatt Partei zu ergreifen.
Sein Protagonist heißt Nick Naylor (Aaron Eckhart, „The Core“, „Suspect Zero“) und ist Tabak-Lobbyist. Er ist immer dann zur Stelle, wenn das Image der Tabakindustrie Schaden zu nehmen droht oder die tödlichen Folgen des Rauchens debattiert werden. Denn Nick kann argumentieren wie kein anderer. Er hat das nicht gelernt. Er kann es einfach ziemlich gut und weil er keine Gewissensbisse kennt, ist er der Größte in seinem Fach. Dabei verleugnet er gar nicht einmal, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, sondern versteht es überaus geschickt Diskussionen so zu lenken, dass die Tabakindustrie in ein positives Licht gerückt wird. Für seinen Sohn Joey (Cameron Bright, „Running Scared“, „Ultraviolet“) ist das in Scheidung lebende PR-Genie deswegen ein Held.
Ich möchte an dieser Stelle nicht nur mit Superlativen um mich werfen, aber wie „Thank You For Smoking“ die Tabakindustrie genauso wie deren Gegner aufs Korn nimmt, das hat sehr viel Klasse und entspricht leider wohl auch größtenteils der Wahrheit. Ob die skrupellosen Tabakbosse sich an Hollywoods exzentrischen Product Placement – Guru Jeff Megall (ausgerechnet: Rob Lowe, „Under Pressure, „Proximity“) wenden, um im nächsten Blockbuster die Hauptdarsteller Zigaretten rauchen zu lassen, oder Nick während einer Anhörung Senator Ortolan K. Finistirre (William H. Macy, „Jurassic Park III“, „Cellular“), ein absoluter Feind der Zigarettenwirtschaft, locker auskontert und seinerseits Vergleiche heranzieht, die gar nicht mal so abwegig sind, die Treffer sitzen. Auch Sam Elliott („We were soldiers“, „Hulk“) als krebskranker Marlboro-Cowboy, der längst die unbequeme Wahrheit ausspricht und mittels eines Batzen Geldes doch noch, ob er will oder nicht, für die Interessen der Tabakindustrie einsteht, hat einen großen Auftritt.
Dank der Kommentare Nick Naylors behält sich „Thank You For Smoking“ immer ein Augenzwinkern vor, bleibt dabei aber eine bittere Pille, die treffend die Strategien beider Seiten unter die Lupe nimmt. So uneigennützig und nur um das Wohl der Menschen besorgt, sind nämlich beide Parteien freilich nicht. Egal, ob die Politiker oder die Vertreter der Tabakindustrie beziehungsweise des Gesundheitswesens, dahinter steckt meistens berechnender Eigennutz, denn alle haben ihre Leichen im Schrank und tun nur fadenscheinig so als ob. Genügend Seitenhiebe gibt es nebenher noch auf die Waffen- und Alkoholindustrie (das MOD-Squad), die eigentlich auf die gleichen Mechanismen zurückgreifen und genauso zum Thema gemacht werden hätten können.
Fazit:
Angenehm zynische Satire von hohem Tempo, die ihr Anliegen hervorragend transportiert. Jason Reitman schuf dank einer tollen Vorlage und einer massiven Auswahl blendend aufgelegter Hollywoodstars einen intelligenten Film, der sich nah an der Realität bewegt und daraus seinen kuriosen Humor bezieht.
Nach „Lord of War“ also endlich mal wieder eine ambitionierte Duftmarke aus Hollywood. Von diesen Kalibern darf gern noch mehr folgen.