Was „Lord of War“ für den Waffenhandel ist, ist „Thank You for Smoking“ für die Zigarettenindustrie: Eine treffsichere Satire mit einer moralisch indifferenten, aber doch äußerst sympathischen Hauptfigur.
Hierbei handelt es sich um Nick Naylor (Aaron Eckhart), den Pressesprecher eines Tabakkonzerns. Seine Firma betreibt in einem Scheininstitut Forschungen, ob Zigaretten wirklich schädlich sind und drückt sich schon seit 30 Jahren dabei um ein Ergebnis. Nick muss in der Öffentlichkeit immer wieder dafür eintreten, obwohl ihm bewusst ist, dass Zigaretten schädlich sind. Nick begleitet den Film mit einem Off-Kommentar und gibt dem Zuschauer so Einblick in seine Gedankengänge.
Jedoch ist das Geschäft zermürbend: Die Öffentlichkeit hasst ihn, seine Ehe ist auch in die Brüche gegangen, sogar mit Mord wird ihm von Zigarettengegnern gedroht. Einzig und allein die Anerkennung seines Sohnes Joey (Cameron Bright) ist Nick wirklich wichtig...
„Thank You for Smoking“ präsentiert einen herrlich amoralischen Hauptcharakter, der aber auch brutal ehrlich ist und sogar selbst raucht, obwohl er die Gefahren kennt. So bezieht „Thank You for Smoking“ auch keine große moralische Stellung, sondern präsentiert das berufliche wie private Auf und Ab Nicks auf amüsante Weise, damit der Zuschauer seine eigenen Schlüsse ziehen kann.
Dramaturgisch erinnert „Thank You for Smoking“ an den artverwandten „Lord of War“: Nach einer Periode, die Nick bei der Arbeit zeigt und wie gut er darin ist, häufen sich die Rückschläge und nun ist die Frage wer siegt, Gerechtigkeit oder die sehr sympathische Hauptfigur. Bei der Beantwortung dieser Frage ist „Thank You for Smoking“ nicht ganz so böse wie „Lord of War“, doch ein nur geringfügig moralisches und gleichzeitig realistisches Ende kann auch die Zigarettensatire vorweisen.
Der Witz entsteht dabei aus Nicks tollen Off-Kommentaren und dem Zusammenspiel der leicht skurrilen Figuren: Der ehemalige Marlboro-Mann Lorne Lutch (Sam Elliot), der durchgeknallte Hollywood PR-Manager Jeff Megal (Rob Lowe) oder Nicks Tischgesellschaft mit den Pressesprechern der Alkohol- und Waffenindustrie – lustiger Fakt: Gegen Verbrechen in diesen drei Kontexten geht das ATF (Alcohol, Tobacco & Firearms) in den USA vor. Unterstützt wird das satirische Treiben noch durch optische Spielereien (Bild einfrieren, Symbole einblenden usw.), was „Thank You for Smoking“ noch spritziger wirken lässt.
Doch bei allem Witz ist „Thank You for Smoking“ doch lebensnah, was gerade durch Nicks familiäre Situation erreicht wird. Das Zusammenspiel mit seinem Sohn zeigt seine menschliche Seite, auch die Schwächen in seiner sonst so unangreifbaren Art. Gerade durch seine wunderbar geschriebene Hauptfigur ist „Thank You for Smoking“ durchweg packend, wenngleich viele Nebencharaktere dabei leider sehr kurz kommen.
Aaron Eckhart liefert in der Hauptrolle eine wirklich großartige Leistung ab und ist ganz klar das Glanzlicht des Films, jedoch auch die Nebendarsteller müssen sich nicht verstecken. Die kleinen Auftritte von Rob Lowe und Sam Elliot sind große Klasse, William H. Macy macht das Beste aus seiner zu kleinen Rolle als Senator, der einen Kreuzzug gegen die Tabakindustrie führt. Wie schon in „Running Scared“ beweist Cameron Bright, dass er ein Kinderstar mit Talent ist, Katie Holmes macht als Reporterin ebenfalls einen überzeugenden Job. Vom Drehbuch etwas im Stich gelassen wird Kim Dickens als Ex-Frau, da sie leider nur eine bessere Stichwortgeberin bleibt.
„Thank You for Smoking“ ist eine kurzweilig, treffende Satire, die nur geringfügig schwächer als „Lord of War“ ist. Ähnlich wie dieser sehr auf die Hauptfigur zugeschnitten, wodurch die anderen Charaktere leider etwas zu kurz kommen, doch bissig, gut inszeniert und klasse gespielt.