Review

---Achtung, dieses Review enthält Spoiler über den Täter in diesem Slasher. Wer es nicht wissen will, bitte nicht lesen.---

Am Anfang einer großen Hollywood-Karriere steht meistens eine totale Gurke und da ist Brad Pitt keine Ausnahme. Zwar haben so einige heutige Größen mit einer lieben Opferrolle in einem billigen Slasher die ersten Scheine verdient, doch Pitt gebührt die Ehre in einem der vielleicht schlechtesten dieser kaum beachtenswerten Billigprodukte seine erste Hauptrolle abgefegt zu haben.

Aber wir wollen ihm nicht die gesamte Schuld geben, er ist nur eine von vielen geschmacklosen Entgleisungen in diesem filmischen Genickschuß. Grundsätzlich braucht man ja keine geistigen Voraussetzungen, um einem Slasher zu folgen, aber "Cutting Class" beleidigt sogar einfachste Gemüter.

Da gönnt man dem gemeinen Zuschauer gerade mal fünf handelnde Teenager, von denen zwei rollentechnisch so unterentwickelt sind, daß sie nur als Hackfleisch taugen. Von den übrigen drei ist eine noch weiblich und lächelt immer so porentiefrein häschenhaft, daß man ihr problemlos abnimmt, daß sie die Produktion für einen Liebesfilm hält. Der Rest wird gebildet aus unserem Ex-Psychopathen und seinem Kumpel Pitt, die sich schön ordentlich gegenseitig verdächtig machen. Wer aufpaßt, merkt aber, daß es Pitt wohl kaum sein kann, allerdings sind die Szenenanschlüsse so stümperhaft und unpassend, daß man darüber hinwegsehen kann wenn man will.

Wenn denn schon kaum Teenager dahingemeuchelt werden, müssen halt mißgünstige Lehrer dran glauben und davon gibt es hier reichlich: eine Rektorin, die zweifelsohne ein Mann gewesen sein muß; ihr Vize (Roddy McDowell ist hiermit am Boden seiner Karriere angekommen), der den Mädchen gerne unter den Rock guckt; ein schwuler Kunstlehrer, ein harter Mathelehrer, ein fieser Sportlehrer. Da muß man sich glatt Sorgen um das US-Bildungssystem machen, wenn solche Monster durch die Flure schleichen. Aber weil des Autors Intelligenz beschränkt war und angenommen wurde, daß jede Menge Teenager das freut, müssen halt die Leerkörper dran glauben.

Um es noch ein wenig komplizierter zu machen, wischt sich dann noch ein Hausmeister durch die Gänge, der dem Thema Vietnamtrauma neue Dimensionen verleiht. Lauthals nach dem nächsten Joint hechelnd, fuchtelt er immer wieder außerhalb des Zusammenhangs mit seinem Wileda-Wischmop vor Brad Pitt herum, stößt wirre Drohungen aus, die er dann doch nicht wahrmacht und ist darüber hinaus dermaßen dreckig und abgewichst, daß den kein Rektor in seine Schule lassen würde, wäre er nicht vorher chemisch gereinigt worden.

Damit - Achtung, kein echter überraschender Spoiler - kann ich wohl auch getrost verraten, daß Madman Brian am Ende doch der Täter ist. Seine Erklärung ist nicht nur komplett sinn- und zusammenhangslos (immerhin nimmt er Scream die Idee mit den kreativen Morden vorweg), aber dafür stellt er sich dann auch besonders bescheuert an, als es darum geht, von dieser Welt in die nächste befördert werden.

Immerhin ist man um ein paar gute Gore-Szenen bemüht, doch das hat man auch schon des öfteren besser gesehen, wobei einige Mordszenen sehr rätselhaft sind (Tod auf dem Kopierer) und andere schlicht unmöglich (Tod auf dem Trampolin).

Der Knüller an dieser Bombe sind jedoch sämtliche Schauspieler, die agieren als ginge es um den Soap-Opera-Gedächtnis-Preis. Hemmlungslos chargierend und total übertrieben in allen Gefühlsregungen und Situationen. Besonders die Jungdarsteller bieten in ihren Handlungsfüllseln zwischen den Mordszenen nur dämliche Labereien, etwa daß sie noch lernen müßten, was sie dann aber eh nicht tun. Stattdessen tun sie was anderes, aber das ist dann auch nicht interessanter. Da wünscht man sich selige Friday-Zeiten zurück, als vor dem Schlachten wenigstens noch gefickt wurde.

Mein persönlicher Favorit sind das Basketballspiel, wo Pitt jedes nur erdenkliche Young-Rebell-Klischee noch unterbietet und die Protestaktion nach dem Rektorinnentod, wenn sämtliche erschienen Eltern eine Kopie vom toten Gesicht der Dame in den Händen halten. Offensichtlich wurden die Dinger vor der Veranstaltung verteilt.

Schauspielerisch also ein Offenbarungseid an Übertriebenheit, herrscht sonst formvollendet Dämlichkeit im Drehbuch, so kreuzdoof, daß es sich kaum beschreiben läßt. Pitt soll wohl auf James Dean machen (oder versucht es wenigstens), hampelt aber im Sekundentakt zwischen diametral gegenüberliegenden Stimmungen hin und her und wirkt auch sonst wie ein Milchbrötchenbubi erster Kajüte. Ofenknuspie Paula wurde ja schon gewürdigt, ihr Lolita-Augenniederschlag nähert den nötigen IQ an einstellige Nummern an. Und Donovan Leitch rennt wie Karl, der Zombie mit stierem Blick durch die Gegend und wundert sich, daß alle so gemein sind, wo er seine geistige Gesundheit doch schriftlich hat.

Alles in allem als der Hirnie-Film des Monats, den das deutsche Fernsehen so oft wieder erbricht, daß inzwischen alle gewarnt sein sollten. Trotzdem kann man über soviel kreatives Unvermögen in der richtigen Gesellschaft herzlich lachen. Allerdings gibt es filmgeschichtlich für so einen Spaß keine Gnade: 1/10.

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