Regisseur Curtis Hanson scheint ein Gespür für großes Kino zu haben. Hat er mit "L.A. Confidential" den Film Noir erfolgreich und stilsicher wiederbelebt, so ist auch "Wonder Boys" ein großartiger Film geworden, dem jedoch leider im Mittelteil etwas die Puste ausgeht.
Erzählt wird die Geschichte des Literatur-Professors Tripp (köstlich bekifft: Michael Douglas) dessen Buch "Die Tochter des Brandstifters" vor Jahren ein Bestseller war - doch mit dem Nachfolgeroman quält er sich seit langem. Als sein schwuler Lektor (Robert Downey Jr.) in die Stadt kommt, um ein Blick auf das Manuskript zu werfen, die Kanzlerin der Uni (Frances McDormand, "Fargo") - seine heimliche Geliebte - schwanger von ihm zu sein scheint und sein bester Student, der depressive, aber poetische James (Tobey Maguire) deren Hund erschießt, überschlagen sich die Ereignisse...
Das große Highlight ist neben den brillanten Darstellerleistungen von Douglas und Downey Jr. das pointierte Drehbuch, welche zahlreiche ironische bis sarkastische Seitenhiebe auf das Millieu der arroganten und intellektuellen Schreiberlinge abliefert. Die Story um die Selbstfindung zweier vom rechten weg abgekommener Menschen indes schleppt sich streckenweise trotz vieler witziger Situationen doch ein wenig. Doch spätestens wenn Douglas mit rosa Bademantel und Joint im Mund die Zeitung hereinträgt, hat er auch den letzten Kritiker in seinen Bann gezogen. Bob Dylans lakonischer, oscarprämierter Titelsong "Things have changed" sorgt auch bei Musikfans für Begeisterungsstürme.
Fazit: Brillantes Drehbuch in einem guten Film. "Wonder Boys" ist eine teils melancholische, zutiefst pragmatische sowie kurzweilige Satire auf den Universitäts- und Literaturbetrieb, der nur hin und wieder ein paar kleine Hänger aufweist. Doch die durch die Bank guten Schauspielerleistungen und leise Poesie gleichen das mehr als aus.