Review

Staffel 1 und 2

kurz angerissen*

Die seinerzeit teuerste Serie aller Zeiten hat einen enormen Anteil an der gegenwärtigen Entwicklung der Serien-Produktionsstandards genommen. Mit der damals konkurrenzlosen Ausstattung gelingt „Rom“ vor allem die perfekte Illusion einer längst vergangenen Zeit – die Kostüme, die Gebäude, ja bis hin zum Studium der prägnanten Gestik des Ausrufers auf dem Markt ist hier alles penibel arrangiert, und man könnte meinen, das Kamerateam habe ein längst vergessenes Fleckchen römischer Erde gefunden, auf dem die Zeit stehen geblieben ist. Statuen, Büsten, Münzportraits und Gemälde werden ohne jede Artifizierung zum Leben erweckt; der durch Sandalen aufgewirbelte Staub, die Zypressen am Wegesrand, der Wein, die Säulen und prunkvollen Fassaden, die Gewänder vom einfachen Fischhändler bis zur Zenturionenrüstung, wie sie vor allem Kevin McKidd als Lucius Vorenus in allen möglichen Varianten schauträgt, sind beeindruckend greifbar, und selbst die große Senatsszene um das Attentat auf Julius Cäsar (Ciarán Hinds) am Ende der ersten Staffel hat bei weitem nicht die Distanz der stilisierten Historiengemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sondern atmet die Nahbarkeit einer Mittendrin-Szene, wie Hitchcock sie vielleicht auch arrangiert hätte.

Obwohl mit dem Staffel-1-Finale das wohl bekannteste Historienereignis bereits behandelt ist, weiß sich die zweite Staffel sogar noch zu steigern, weil sie den verbliebenen Charakteren Unmengen an zusätzlichen Facetten verleiht, die man zu Anfang kaum zu erahnen vermag. Das Hauptdarstellergespann Kevin McKidd und Ray Stevenson führt als roter Faden durch die komplexe Zeitgeschichte, die grundsätzlich sämtliche Gesellschaftsebenen und deren Zusammenhänge beleuchtet, anstatt sich im Wesentlichen, wie später „Spartacus“, auf nur eine Perspektive zu beschränken. Gerade als die Freundschaftsgeschichte zur Mitte hin getrennte Pfade nimmt, ist der Zusammenschluss der Fäden am Ende von ganz besonderer Qualität, wie das gesamte Erzählen überhaupt. Es ist mehr als sichtbar, dass das Budget nicht bloß in Sets und Kostüme geflossen ist, sondern eben auch in qualitativ hochwertige Drehbücher, die sich vielleicht nicht immer historisch genau an die gängigen Überlieferungen halten und manchen Charakter aus dramaturgischen Gründen auch neu interpretieren, dafür aber ein packendes Epos über zwei Herrschaftsdekaden zu erzählen wissen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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