Review

Zum Abschluss der legendären Film-Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ wartet Drehbuchautor Georg Laforet noch einmal mit einem Feuerwerk des deutschen 70er-Jahre-Quatschs und zugleich mit einigen überraschenden charakterlichen Entwicklungen auf…

Blaumeier (Balduin Baas) und Knörz (Rudolf Schündler) begehen die „Meuterei auf der Mommsen“: Nachdem Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen) immer häufiger bei den Streichen der 13a ein Auge zudrückt, machen die beiden beim Ministerium Meldung über die lasche Arbeitseinstellung Tafts. Und dieser bekommt postwendend die Ankündigung gemacht, dass er zum Schuljahresende seinen Platz als Direktor des Mommsen-Gymnasiums räumen muss. Als Pepe und seine Klassenkameraden Wind davon bekommen, stellen sie ihre Streiche unter das Motto „Rache für Taft“…

Nicht nur die beiden ehemals von mir als Sympathieträger gefeierten Blaumeier und Knörz begehen mit ihrer Meuterei eine enorme Charakterwandlung, sondern auch Oberstudiendirektor Taft zeigt in „Betragen ungenügend“ eine neue, ungeahnte Facette. Der heute so seriöse Direktor war früher selbst ein Lausbub der allerhöchsten Kategorie und das macht Lingen in seiner Rolle noch sympathischer als er ohnehin schon war. Den jungen Taft mimt in einem äußerst amüsanten Rückblick der junge Ilja Richter, der vor allen Dingen durch seine frappierende Ähnlichkeit zu Theo Lingen überzeugen kann. Dieser Rückblick in die Schulzeit Tafts liefert dann auch die Erklärung für das sanftmütige Verhalten des Direktors gegenüber der 13a und bildet zugleich den Auftakt für das Wiederaufleben des Lümmels in Taft. Und schon jagt ein Streich den anderen, immer mit der freundlichen Unterstützung des Direktors, denn schließlich geht es darum, den intriganten Kollegen das Handwerk zu legen.

Man merkt von Beginn an, dass in diese finale Episode der kurz vor dem Abitur stehenden Lümmel von der ersten Bank viel Herz und Leidenschaft gesteckt wurde, die Streiche überbieten sich in ihrer Originalität immer wieder aufs Neue und auch der gesamten Besetzung merkt man an, dass man bei „Betragen ungenügend“ wieder mit viel Spaß bei der Sache war.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob „Betragen ungenügend“ von vornherein als Abschluss der Reihe vorgesehen war. Das doch recht offene Ende lässt jedenfalls vermuten, dass man sich die Option auf einen achten Teil jederzeit offen halten wollte. Glücklicherweise wurde die Option auf einen achten Teil nie gezogen, denn der 7. und somit tatsächlich letzte Teil der „Lümmel von der ersten Bank“ stellt einen schönen, runden Abschluss dar, der noch einmal nahezu an die Qualitäten des ersten Teils heranreichen konnte.

Frisch, fromm, fröhlich, frei,

aber auch mit ein wenig Wehmut verabschiede ich mich nun von einer der amüsantesten Film-Reihen der deutschen Filmgeschichte. Schön war’s und es wird auch immer wieder schön sein, wenn ich dann mal wieder an einem herbstlichen Sonntagnachmittag im Kreise meiner Liebsten auf der Couch liegen, Hansi Kraus als Pepe Nietnagel und Theo Lingen als Oberstudiendirektor Taft anschauen und in Erinnerungen schwelgen darf… 6,5/10

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