Nachfolgerin zu Tante Trude aus Buxtehude und damit Abschluss der Tolle Tanten - Trilogie von Spiehs, Gottlieb, Carrell und Richter, in wirklich schneller Produktion gewerkelt und für das damals dafür in zahlreicher Weise zahlenden und (mit Leib und Leben bezahlenden) Publikum geliefert. Der Vorgänger ist erst Mitte April gelaufen, der hier wird im September und das nach Dreharbeiten im Frühsommer in die Kinos gehievt, die filmische Kuh und ihre Milch also schnell und ergiebig gemolken, was sich auf die von vornherein absehbare Qualität des Endergebnis aber natürlich nicht auswirkt:
Aufgrund mehrerer Missverständnisse landet der eigentlich als Koch im Hotel Eschenhof am Wörthersee anfangen sollende Andy Braus [ Ilja Richter ] als 'Eva Wiedermann' im nahe gelegenen Mädcheninternat, was auch nur vorübergehend in Vertretung von Dr. Theo Schatz [ Theo Lingen ] geleitet wird. Die wahre Eva Wiedermann [ Mascha Gonska ] vertritt heimlich ihre abwesende Schwester als Direktrice im Hotel Eschenhof, während Andys Freund Rudi Carnera [ Rudi Carrell ] dort für den Koch gehalten und auch mehr oder minder zwangsweise rekrutiert wird. Dass die beiden unfähig sind und den Beruf nicht ausüben können, sondern die Gäste nur vergrollen, merkt als Erste vor allem die Hotelleiterin Trude Moll [ Trude Herr ], die darüber aber nicht traurig ist. Moll will das Hotel gegen den Willen des eigentlichen Besitzers und nahen Verwandten Eddy Stubenrauch [ Jaques Herlin ] nämlich an den Texas-Millionär Bruno Kargel [ Gunter Philipp ] verkaufen, eine Pleite käme ihr gerade recht.
In der Besetzung wie bei Lisa Film GmbH wie immer, mit allen Vor- und Nachteilen, teilweise erstaunlich modern und aktuell gehalten, teilweise auch Leute, die schon in den Dreißiger und Vierziger ihr Unwesen im deutschen (oder österreichischen) Lustspiel getrieben haben und die Rolle und vor allem die Funktion schon verinnerlicht. Besser als üblich und damit auch gern gesehen sind bspw. Kraus und Gonska, die auch mehrfach zusammengespielt haben – keine Kunst, bei dem Fundus an Stammakteuren –, aber auch erstaunlich Spielfreude, Natürlichkeit und auch Würde hineingeben; angefangen von einer fast surrealen Szene bei der Anreise in das Naherholungsgebiet, indem die junge Frau auf der Suche nach Wechselgeld und der 'Flucht' vor dem aufdringlichen Galan an jeder Ecke und immer wieder auf diesen in wechselnder Verkleidung trifft.
Intoniert wird dazu ein Schlager, "Ein Mädchen für immer" von Peter Orloff nämlich, bietet Handlung und Inszenierung auch Raum und Gelegenheit für ein musikalisches Intermezzo und Stelldichein der Sangesfuzzis, meist (nicht immer) One-Hit-Wonder, die jetzt in diesem Frühsommer ihre fünf Minuten Ruhm hatten und vorher und nachher nie wieder von ihnen gehört. Umso fester in der Belastung und der Nachhaltigkeit sind dafür die Methoden derlei Filme, in denen es zumeist um eine Verwechslung (oder mehrere, wie hier) geht und folgend zu Verwicklung unterschiedlicher Personen mit echten oder falschen Identitäten und zum Versteckspiel bald aller Beteiligten führt. Angeleiert wird dies Szenario hier über Umwege und verbaler Wiederholung und sowohl hintereinander als auch im Parallelgeschehen, ein weitverzweigtes humoristisches Komplott quasi, an dessen Ende die Männer in Frauenkleidern herumlaufen und Ilja Richter vorher noch den 'Gruß' eines grasenden Rindviehs aus deren Hintertürchen direkt ins Gesicht abkriegt.
Das Niveau ist demnach deutlich, dafür gibt's hier eine frühe Verballhornung vom Welthit Dallas und dessen J. R. Ewing, durch Gunter Philipp und noch vor der Existenz der Serie überhaupt nämlich, selbst eine Vorwegnahme vom Fawlty Towers und dessen spanischen Kellner Manuel (hier als Kochgehilfe Bueno) existiert, was dann auch wirklich unglaublich in der Vorausschau und der Wegweisung ist. Es gibt auch wieder die Naturkulisse vom Wörthersee, was den reiselustigen Zuschauer freut und gleich drei Extrapunkte bringt. Es gibt Frühsport des Mädcheninternats im kurzen Trainingsdress. Plus final noch eine Prügelei im Stil von Spencer/Hill. Es wird viel gerannt und noch mehr gestolpert, das Essen verpanscht und damit gespielt, zwischendurch gibt's auch wieder einen 08/15 Schlager, von dem man vorher nie etwas gehört und hinterher auch nimmer.