Review

Hai! Mein Name ist Vince und ich möchte euch gerne vom Haimenschen Paul erzählen.

Paul war ein armer Mann. Er wurde todkrank. Hoffnung auf Rettung bestand eigentlich keine mehr. Aber am Ende war das Glück doch hold mit ihm. Welch glückliche Fügung des Schicksals, dass sein Vater ein Mad Scientist war! Dr. King plantschte gerne mit DNA herum und weil er herausgefunden hat, dass Haie doch nicht nur 10 Jahre leben, sondern mutmaßlich 200, schließt Maddie einfach mal auf Unsterblichkeit und macht seinen Sohn zum Haimann, um den Tod des geliebten Sohnemannes aufzuhalten. Und schon haben wir unser Monster, weder Fisch noch Fleisch, sondern von beidem etwas: Sharkman!

Es geht auch gleich gut los. "Der weiße Hai"-Perspektive, billige Mucke und angedeutete Fischflossen treffen auf albernde Kiddies im Wasser bei Discolicht. Yeeaaaaaoooooow - Schmerz, Pein, ein roter Fleck, der sich ausbreitet and the show goes on. As usual.

Alles ist da: William Forsythe (“The Devil’s Rejects”), weil man ihn kriegen konnte, ein Angelina Jolie-Plagiat, weil man Angelina nicht kriegen konnte, und gemeinsam ergibt das eines der unglaubwürdigsten Pärchen der Monstertrashgeschichte. Wenn Forsythe mit seinem Kugelbauch flüstert "Hey... ich liebe dich", und Schmollmund schmilzt dahin, dann freut sich der Romantiker. Überhaupt ist der Mann, der den Hinterwäldlern aus Rob Zombies Fantasie ganz schön den Marsch geblasen hat, einer der witzlosesten Helden überhaupt. Er beginnt als Shotgun-Motherfucker da, wo Seagal zuletzt aufhörte. Gegenspieler der Schönen und des Biests ist der wunderbare Jeffrey Combs, der den Horrorfilm der Dreißiger Jahre einst mit "Re-Animator" in die Neuzeit gerettet hat und in diesem Quatsch durch seine reine Präsenz der einzige Lichtblick ist. Oberlippenbart, weißer Kittel, zusammengekniffene Lippen und ein Gesichtsausdruck, als müsse er in der nächsten Drehpause scheißen - das reicht, um ihn zum besten Mann auf dem Set zu machen.

Und Michael Oblowitz' Inspiration scheint eine Anti-Muse gewesen zu sein, so vorhersehbar und obendrein grottenschlecht ackert er die Stellungen durch wie ein Mann, der jahrelang keine Arbeit mehr hatte. Wohlbemoppte Unterhemdenträgerinnen werden in Aufsicht gefilmt, der Moppenbereich unter dem Feingerippten klatschnass durch die aufschlackernde Gischt des tropischen Ambientes. Des Monsters Blickfeld erleben wir aus der Egoperspektive in MoVi (Monster Vision > Predators san’s in da Haus) und das Gelände ist so künstlich wie ein Gotcha-Park. Von der Kreatur gar nicht zu sprechen, die kommt in ihren animierten Momenten "Mortal Kombat 2"-Viechern gleich und ist wohl genau deswegen nie im Bild. Das reißerische Cover ist ein dufte Passfoto, aber die reale Erscheinung schmeichelt dem Herrn wenig - ein knautschiges, grauweißes Etwas ohne Form, eine Mischung aus Steiff-Plüsch, Gummipuppe und Sonic the Hedgehog, im steten Wechsel zwischen drittklassiger Computeranimation und Prothese. Und splattertechnisch beschränkt sich gleichwohl alles auf Unter-Wasser-Attacken (= nicht zu sehen) und abgerissene Armstümpfe. Die Originalität ist geradezu markerschütternd, die technische Umsetzung nicht in Worte zu fassen.

Da wage ich zu behaupten, dass der Spaß gerade für Genrefans allzu schnell auf der Strecke bleibt, denn wenn man zum x-ten Mal die gleichen Camshots, Effekte, Stories und Oneliner vorgesetzt bekommt, stellt sich irgendwann die Routine ein. Guter Trash lebt von seinem Innovationswert und seiner Selbstironie; von beidem hat Oblowitz praktisch nichts zu bieten.
Nur Jeffrey Combs und Forsythes Bäuchlein erfüllen die Anforderungen an einen Film seiner Kategorie. Ansonsten hatte selbst “Creature - Tod aus der Tiefe” mehr in petto, und wenn alle Dämme brechen, können wir immer noch Hai-Alarm in Mallorca ausrufen...

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