Von manchen Lücken kann man ja kaum noch glauben, dass man sie im Filmkanon noch hat.
Manche Lücken sollten aber besser gar nicht geschlossen werden, stellt man manchmal hinterher fest, aber dann ist es zu spät, die Lebenszeit ist flöten und irgendwo im Schrank weint ein qualitativ hochwertiger Film, weil er seit Jahren vernachlässigt wird.
Bestes Beispiel zuletzt bei mir: „Silence of the Hams“ aka „Das Schweigen der Hammel“!
Generell tragen immer noch diverse Filmschauer (ich will nicht von Filmkennern reden, denn das qualitative Untertöne) diesen Film wie eine güldene Lade vor sich her, weil sie damit glücklich 79 Minuten ihrer Kindheit in den 90er Jahren verbinden. Stichwort: „total witzig“, „voll der Burner“ und „Hammer!“, wie so einschlägige Rezensionen auf Facebook ja inzwischen detailliert ausführen.
In Wahrheit hat man da offenbar eine Reihe Achtjähriger mangels Fips-Asmussen-Kassetten mit so etwas wie Humor beschäftigen wollen, weil es draußen mal wieder regnete, denn anders ist diese Euphorie nicht zu erklären.
Ich kann nun wirklich nicht von mir behaupten, Deadpan-Parodien von Filmen und Filmgenres nicht zu Dutzenden eingepfiffen zu haben und so einige davon haben wirklich absurde Qualitäten (und ich spreche nicht nur von ZAZ), aber „Schweigen der Hammel“ ist nun wirklich ein einfallsloser Bodensatz unwirksamer Sparwitze aus der untersten Schublade.
Es beginnt schon mit dem enorm unlustigen Casting von „bad guy face“ Billy Zane als Agent „Jo Dee Fostar“, der in einem Serienkillerfall ermitteln soll, der sich an „Schweigen der Lämmer“ anlehnt. Oder sich auf ihn übergibt, je nach Niveauerwartung. Dazu besucht besagter Agent nach allerlei zahmen Pupswitzen den noch viel unlustigeren Dom De Luise, der hier den Dr.Animal aka Dr.Cannibal aka Dr.Sabbelviel gibt, was aber alles absolut keinen Sinn macht.
Parodieren kann man ja vieles, aber dazu muss erst einmal das Potential da sein, nämlich die grimmige Ernsthaftigkeit solcher Thriller in Gagmaterial umzubauen.
Weil da jedoch nicht viel ist, kippt der Film dann mehr und mehr in die flacheste Psycho-Parodie über, die die Welt je gesehen hat, mal abgesehen von solch abgrundtief unlustigen Filmen wie „Superhero Movie“ oder „Epic Movie“.
Die Ansätze dazu sind hier schon deutlich erkennbar, denn Dallas-Gschpusi Charlene Tilton darf ihre Möpse samt scharfer Unterwäsche hier permanent präsentieren, bis sie zum Duschopfer wird. Bis dahin umschwirrt sie eine tatsächlich noch witzlosere Norman-Bates-Parodie namens Ezio Greggio, von dem man mit Fug und Recht behaupten darf, dass man nichts versäumt hat, wenn man den Typen nicht kennt, außer durch ähnlich unlustige Würste wie „Dracula-Tot aber Glücklich“ und „2002 – Durchgeknallt im All“.
Wahrhaftig beschreiben kann man das pointenfreie Dahinlabern kaum, aber der Witzgehalt bewegt sich etwa auf folgendem Niveau: Frau in blauem Kleid tritt durch die Tür ein und auf der Tonspur hört man den Erzähler: „Da war sie, die Frau im roten Kleid!“
Das ist dann auch schon der beste schlechte Witz, mehr passiert da auch kaum. Mein besonderes Highlight war noch der Lector-Wärter, der sich immer ein Metallstück mit Schiebefenster vor die Augen hält, während er Zane herumführt.
Traurig auch der witzfreie Auftritt von Martin Balsam, der seinen Tod in „Psycho“ hier noch einmal bar jeder Pointe durchleben muss. Es treten dann noch ein paar Regisseur als Cameo auf, was aber unwichtig ist, weil man sie ohne imdb nicht erkennt und Mel Brooks liefert noch einen unheimlich überflüssigen Gastauftritt ab.
Wer etwas wirklich Gelungenes aus dem Thriller-Noir-Bereich in diesem Humorbereich sehen will, mache sich an „Fatal Instinct“ (oder „Crazy Instinct“) mit Armand Assante, der im besten Airplane-Stil den Joke noch durchzog.
„Hammel“ ist wirklich nur unlustiges Kasperletheater, das beweist, wie schwer es ist, wirklich einen guten Witz zu produzieren. (2/10)