Review

Mit "Gefährliche Mission/ Pursuit to Algiers" war das Dutzend voll.
Der zehnte Holmes-Fall bei Universal (plus die Fox-Filme) hatte die Serie zuletzt an einen toten Punkt gebracht, die alten Pfade der Gothic- und London Mysteries wirkten ausgetreten - also griff man auf ein bewährtes Rezept zurück und versetzte die Figuren in eine fremde Umgebung. In diesem Fall auf ein Kreuzfahrtschiff.
Das Ergebnis war allerdings in diesem Fall erneut "sub par", tatsächlich ist "Pursuit to Algiers" die perfekte Möglichkeit, endgültig holmes-müde zu werden, selbst was treue Fans betrifft.

Der Beginn klingt noch vielversprechend, als Holmes und Watson eine Reihe seltsamer Begegnungen auf den nebligen Straßen Londons haben, die nach allerlei übersteigerter Deduktion in die Höhle des Löwen führen. Allerdings nicht zu einer Gruppe von Verbrechern, sondern zu einer Gruppe besorgter Angehöriger eines obskuren Kleinstaats, dessen jugendliches Oberhaupt ermordet werden soll. Holmes soll ihn zu seinem Schutz in das Heimatland eskortieren. (Wem das nach Ansicht etwas seltsam vorkommt: die deutsche Synchronfassung machte ohne wesentlichen Grund aus dem jungen Prinzen einen Ingenieur und löschte alle Hinweise an den unbekannten Staat aus, um das Ziel einfach nach Algerien zu verlegen.)

Holmes schickt Watson mit dem Schiff, um selbst per Flugzeug den Auftrag auszuführen, doch der Flieger stürzt ab und gleichzeitig Watson in tiefste Trauer. An diesem Punkt läßt den Fan die Diskontinuität der Filme schon einschlummern, denn natürlich ist das a) Holmes Plan gewesen, da der Hauptdarsteller gewiß nicht ums Leben kommt und b) zeitigt Watson wieder einmal absolute Lernresistenz, nachdem Holmes schon einmal in Schottland praktisch an seiner Seite seinen Tod vorgetäuscht hatte. Den Prinzen versteckt Holmes in der Kabine, löst in der Folge einen wenig interessanten Diamantenschmuggel auf und sieht sich dann der Beinahe-Gefahr durch drei sinistre Gestalten ausgesetzt, denen das Schildchen "Killer-Kommado" schon auf drei Meilen um den Hals baumelt. Bestehend aus einem muskulösen Kraftprotz ohne Text, einem sinstren Messerwerfer un dem beherrscht wirkenden "Gehirn" der Drei, dem öligen und pomadig auftretenden Gregor, sind die drei weder interessant noch clever genug, um die Mission wirklich in Gefahr zu bringen und wirken zumeist eher langweilig, denn angsteinflößend.
Dazu paßt es dann unerfreulich gut, daß das Finale mehr oder minder off-screen stattfindet, denn obwohl die drei als gedungene Mörder apostrophiert werden, begnügen sie sich zum Finale mit einer simplen Entführung und fesseln den überwältigten Detektiv, worauf ein ebenso bemühter Plot-Twist folgt, der zwar eher unerwartet kommt, aber nicht wenig unspektakulär ist - von ein paar offenen Fragen bezüglich der Tat und des Opfers mal ganz abgesehen, die man mit einer kurzen und flüchtigen Bemerkung abspeist, was wiederum offen läßt, warum man diese komplizierte Konstruktion überhaupt anwendet, wenn die Tat so einfach abzuwenden ist.

"Pursuit to Algiers" ist entspannt, gemächlich und letztendlich so unendlich harmlos, daß das Interesse nur schwerlich stabil zu halten ist. Es mangelt so sehr an einem guten Schurken, daß sogar die "roten Heringe", natürlich sich verdächtig machende Passagiere gleich als eben solche zu erkennen sind. Anzumerken wäre allerhöchstens noch, daß Watson diesmal nicht der typische Trottel (abgesehen davon, daß er auf den Flugzeugtrick mal wieder vollständig reinfällt) ist, sondern ein paar gute und sympathische Szenen inclusive einer netten Gesangsnummer hat.
Aber das eher mäßig zusammengestückelte Drehbuch zieht der Produktion dann doch jeden qualitativen Zahn, es ist nicht wirklich schlecht, aber es hat fast keine echten Höhepunkte, die den Film unvergeßlich machen sollten.
Um so überraschender, daß der nächste und vorletzte Film der Serie, "Terror by night" letztendlich eine Art Remake dieses Films werden sollte - diesmal anstelle eines Schiffs an Bord eines Zugs, doch um einiges besser und atmosphärischer umgesetzt. Das Schiff hier hat Schlagseite, bieder und vergessenswert. (4/10)

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