Mit dem dritten Abenteuer aus der Rathbone/Bruce-Reihe wurde für etliche Holmes-Anhänger ein eher dunkles Kapitel aufgeschlagen. Nachdem 20th Century-Fox keine weiteren Holmes-Filme mehr drehen wollte, griff Universal zu und filmte weiter. Und man schrieb das Jahr 1942...
Ich will gar nicht groß zu dem propagandistischen Hintergrund dieses Werkes - und auch der folgenden Filme - Stellung beziehen. Man muss einfach auch akzeptieren, dass solche Filme in der damaligen Zeit nicht unüblich waren und dem ideologischen Zeitgeist entsprangen. Es war Krieg, und Propaganda gegen das Naziregime vermag ich nicht völlig abzuurteilen, auch wenn dies im Spielfilmformat von künstlerischer Zweifelhaftigkeit bleibt. Wobei der politische Hintergrund so abwegig für eine Holmes-Geschichte auch wieder nicht ist, denn in der Kurzgeschichte „Sein letzter Streich" macht Holmes am Vorabend des ersten Weltkrieges deutsche Spione unschädlich. Der berühmte Ausspruch: „Wind kommt von Osten auf, Watson...!" wurde hier im Finale mit eingeflochten und schlägt so einen Bogen zu dem Original.
Man bemüht sich sogar redlich, Holmes mit ein wenig Augenzwinkern eine modernere Note zu verleihen. Als unseren beiden Freunde das Haus verlassen, greift Holmes - scheinbar gedankenverloren - zu seiner bekannten Schirmmütze. Daraufhin von Watson angezählt, wechselt er schnell zum moderneren Schlapphut. Für den Plot ist dies allerdings nur randbedeutend, zeigt aber, dass man sich schon ernsthaft Gedanken machte über den unverständlichen Zeitsprung unseres Lieblingsdetektivs.
Die Story ist übrigens schnell abgehandelt. Ein offenbar deutscher Terrorist verübt Anschläge auf englische Einrichtungen und kündigt dies vorher großspurig über einen Hetzsender gegenüber der britischen Bevölkerung an. Das füllt mit schöner Regelmäßigkeit schon mal die erste Hälfte des Filmes mit dem Resultat, dass der Zuschauer Nerven lässt. Wenn dies Absicht war, Hut ab.
In Regierungskreisen ist man kaum begeistert und so wird Holmes zum Nazijäger mit Persilschein von ganz oben. Das folgende Detektivspiel wird allerdings schnell zu einem Kriegsspiel, doch der Zuschauer bleibt dabei seltsam auf Distanz. Ein großes Plus war in den Holmes-Geschichten eigentlich die zumeist gleiche Informationsbasis für den Betrachter: Fast alles, was Holmes kombiniert, hätte man auch selbst raus finden können, doch hier wird der Fall lieblos runtergespult, um in einem letzten Akt die Auflösung zu präsentieren, deren Lösungspunkte dem Zuschauer fast vollständig vorenthalten wurden, ein in meinen Augen ärgerliches Unding.
Dazu kommen auch handwerkliche Defizite bei den Dreharbeiten. So werden bei den Terroranschlägen wohl Dokumentarszenen eingesetzt, und bei einem abstürzenden Zug greift man lieber mittels Stock Footage auf Szenen aus einem anderen Film zurück. Diese ganze Melange liegt wie ein Schleier über den ganzen Film und lässt „Voice Of Terror" zu Stückwerk erstarren.
Fazit: Holmes-Puristen werden sich mit Grausen abwenden, wobei die Nazi-Ära nicht zwingend gegen Holmes sprechen musste. Man hätte die Story nur spannender erzählen müssen, dann hätte es auch ein guter Film werden können. Wirkt auf mich alles irgendwie lieblos, aber es waren ja auch harte Zeiten...