Drei Jahre waren seit dem letzten Sherlock-Holmes-Film vergangen, als Universal Pictures die Rechte von Fox übernahm und die langerwartete Fortsetzung der Reihe mit Basil Rathbone und Nigel Bruce voran trieb.
Inzwischen jedoch war der Krieg über Europa hereingebrochen und die viktorianischen Wurzeln des Detektivs wollte man zugunsten des momentan populären Massengeschmacks anpassen. Der Weltkrieg und die Nazis waren zentrale Themen, in Thrillern, Krimis und auch im Film noir und Holmes als patriotisches Element wirkte für die Produzenten äußerst anziehend.
Dennoch mußte man sich in einen erzählerischen Spagat begeben, da die Rechtinhaber, die Erben Conan Doyles darauf beharrten, daß die Filme zumindest auf Originalgeschichten des Autors basierten.
Also nahm man sich in den meisten Fällen eine der bekannten Kurzgeschichten (hier: "His Last Bow") und versetzte sie in die Zeit des zweiten Weltkriegs. London liegt unter Beschuß durch die Deutschen und wird von einer Welle von Sabotageakten erschüttert, die stets per Radiowellen durch die "Stimme des Terrors" angekündigt werden, die aus den Alpen versendet wird.
Das alles geschieht im Rahmen einer möglichen Invasion der britischen Inseln durch deutsche Truppen, weswegen die Abwehr von England den beratenden Detektiv zu Hilfe bittet.
Von der Geschichte blieb letztendlich nur der feindliche Spion, der verdeckt als Engländer seit Jahren angesehen ist, nur hatte man ihn aus dem ersten Weltkrieg in den zweiten versetzt.
Für Literaturfans ist diese Kröte dennoch nicht einfach zu schlucken, denn die behutsame Modernisierung ließ vieles offen. So blieb Baker Street 221B relativ unangetastet, während in der Kostümfrage Holmes berühmte Jagdkappe ausgetauscht wurde. Dies geschieht sogar im Film, als er zu Beginn danach greift, um von Watson darauf hingewiesen zu werden, daß er ihm versprochen habe, das Ding nicht mehr zu tragen und dafür zu einem Hut greift, der Rathbones neuer ständiger Begleiter werden sollte.
Die Geschichte, von nun an zumeist im Längenformat von einer runden Stunde (die Filme liefen zumeist als Teil einer Double Bill, einer Doppelvorstellung), ist eine klassische Spionagestory aus dem Krieg, blieb aber den deduktiven Gegebenheiten der klassischen Stories treu, denn Holmes muß sich das Vertrauen der Spionageabwehr erst durch die Demonstration seiner Fähigkeiten bei seiner Begrüßung erarbeiten, weiß die Leute jedoch schon bald zu überzeugen.
Allerdings rutscht die Geschichte dann sehr stark in die heute etwas angestaubt wirkenden patriotischen Gefilde ab, wenn die Ehefrau eines getöteten Informanten, eine Bardame, zum Instrument persönlichen Einsatzes (samt Aufopferung für die gute Sache) in Kriegsfragen wird. Evelyn Ankers, ihres Zeichens Scream-Queen-Heroine vieler Gruselfilme bietet eine gute Darstellung der Mittelklassefrau, die sich dem gegnerischen Spion an den Hals wirft, ihre aufmunternden Reden sind jedoch heutzutage starker Tobak.
Die weitere doppelbödige Entwicklung - neben dem bekannten deutschen Spion und ausführendem Arm der Sabotageakte gibt es natürlich noch einen Drahtzieher im Hintergrund, der sich in der Abwehr gut getarnt versteckt hält - ist dann eine solide konstruierte Angelegenheit, die nach komplettem Sehen rückblickend etwas reizvoller ausfällt, als währenddessen.
Nicht so angenehme Veränderungen sind die im Verhältnis von Holmes und Watson, der zunehmend tölpelhafter geriet, je länger die Serie dauerte und praktisch nicht lernfähig und/oder vertrauenswürdig wirkte, kaum die Figur, mit der ein Gehirnaktrobat wie Holmes es lange aushalten würde. Die Veränderungen waren hier noch mäßig, doch mit zunehmender Zeit sollte Watson immer stupider und Holmes immer boshafter werden, eine Schablone, die man nur selten durchbrechen konnte.
In Deutschland blieb dieser Film ausnahmsweise mal ungeschnitten, trotz der deutschen Bezüge (spätere Folgen sollten stark gekürzt bis sogar inhaltlich entstellt werden), so kann man auch bei TV-Ausstrahlungen den relativ frischen Start komplett genießen, wenn man sich daran gewöhnen kann, die zeitliche und thematische Verschiebung zu ertragen.(6/10)