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Nachdem der Skinhead Danny in der Schule einen Aufsatz über Hitlers "Mein Kampf" abgeliefert hat, in dem er die Inhalte dieses Buches unkritisch übernommen hat, gibt ihm der Schuldirektor eine letzte Chance, um nicht von der Highschool zu fliegen: er muß einen ganz persönlichen Kurs mit dem Titel "American History X" belegen, und als erste Aufgabe einen Aufsatz über seinen Bruder Derek schreiben, der wegen Totschlag an zwei Schwarzen drei Jahre im Gefängnis verbrachte und heute wieder frei kommt. Bevor Derek verurteilt wurde, war er der Anführer einer Skinhead-Gang.

Eines muß man American Hitsory X zweifellos zugestehen, er bleibt lange in Erinnerung und regt zum Nachdenken an. Der Film schildert das Leben einer Familie deren Söhne entweder der Nazi Ideologie bereits verfallen oder auf dem besten Weg dahin sind. Stilistisch fährt der Film auf zwei gleichberechtigten Ebenen. Dereks Zeit vor und während seiner Inhaftierung wird konsequent in schwarz/weiß gezeigt, während in der Jetztzeit Farbe angesagt ist. Mit diesem Mittel kann man auch gut Dereks Gesinnung symbolisieren schwarz/weiß repräsentiert sein altes Denken "White Power gut, alle anderen schlecht", nach seiner Entlassung ist er geläutert und die Welt erstrahlt plötzlich voller Farben und neuen Möglichkeiten.
Die Geschichte wird dabei sehr eindringlich erzählt, sei es der Mord an den Schwarzen die das Familienauto klauen wollen, der Überfall der White Powers auf ein von "Fremdelementen" geführten Supermarkt, bis hin zum Erkennen der heuchlerischen Ideologie im Knast die zusammen mit seinem schwarzen Kollegen in der Wäscherei das Umdenken einleiten. Nach drei Jahren Gefängnis fällt der Ausstieg aus der Szene aber entsprechend schwer. Die ehemaligen Freunde entpuppen sich ebenso als falsche Fuffziger, wie seine Freundin. Letzten Endes soll eigentlich nur noch der kleine Bruder von seinem imprägnierten braunen Gedankengut befreit werden. Das bitterböse Ende der Geschichte läßt sich bereits erahnen, ist aber nur folgerichtig.
Der Film packt dabei aktuelle Rassenprobleme von einer anderen Seite an und ist gleichzeitig erfreulich unmoralisierend. Die Darsteller verkaufen das Aussteigerdrama wirklich toll und man kann Edward Norton nicht genug loben für seine realitätsnahe und glaubwürdige Schauspielkunst. Auch die nichtlineare Erzählstruktur wirkt hier sinnvoll und nicht nur stylisch aufgesetzt. Zwei Szenen wird jeder Zuschauer lange im Gedächtnis mit sich tragen, neben dem Downerende bleibt die wirklich brutal zynische Bordsteinszene, bei der sich zumindest bei mir sofortige Phantomschmerzen einstellten. American History X erzählt seine Geschichte wirklich toll. Es sind zwar kleinere Schwächen in der Handlung und der Figuren da, aber alles in allem sollte man den Film zumindest mal antesten, zumal die zentrale Problematik in Deutschland ja alles andere als unbekannt ist.
8/10

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