Review

Meisterdetektiv Hercule Poirot reist mit dem Orient Express. Der Zug ist komplett ausgebucht, als er im Schneetreiben steckenbleibt. Dann wird auch noch einer der Fahrgäste ermordet. Poirot nimmt sich des Falles an. Viel Zeit bleibt dem Belgier allerdings nicht, bis der Zug seine Fahrt zum nächsten Bahnhof fortsetzen kann ...

Produzent John Brabourne schickte mit "Mord im Orient Express" die erste von vier hochkarätig besetzten Agatha-Christie-Verfilmungen ins Rennen. Sidney Lumet ("Die zwölf Geschworenen", "Serpico") übernahm die Regie und Albert Finney den Part des Meisterdetektivs.

Schicke Kostüme, tolle Austatttung und ein Weltstarensemble können nicht über die offensichtlichen Schwächen des Films hinwegtäuschen. Noch bevor Poirot so richtig mit seinen Ermittlungen beginnt, hat das Ratespiel um die Identität des Mörders bereits sein Pulver verschossen. Selbst die, die den Roman zum Film nicht kennen, dürften jetzt schon über den Tathergang im Bilde sein.
Was folgt sind spannungslose Interviews mit den Verdächtigen, gespielt von Sean Connery, Lauren Bacall oder Ingrid Bergman (Oscar!). Wären nicht die vielen bekannten Gesichter, wäre man an dieser Stelle garantiert schon eingeschlafen.
Wenn Poirot letztendlich zur 30minütigen Auflösung des Rätsels schreitet, wird die Theorie des Zuschauers bestätigt. Die Pointe überrascht somit kein bisschen. Lediglich die Konstellation der Figuren untereinander und ihre tatsächliche Verbindung zum Mordopfer sind halbwegs interessant, wenn auch hoffnungslos konstruiert.

Das Highlight im Film ist eine winzige Szene: Poirot macht sich bettfein. Dabei legt er 2(!) Haarnetze an; eines für den Kopf und ein zweites für den Schnauzer. Schließlich cremt er sich noch die Hände ein und zieht sich Handschuhe an, während er mit den Fingerspitzen eine Zeitung umblättert. Mehr braucht es nicht, um den Meisterdetektiv treffsicher zu charakterisieren.
Überhaupt ist Albert Finney große Klasse und kommt der Romanfigur näher als sein Nachfolger Peter Ustinov. Der hat mit "Tod auf dem Nil" und "Das Böse unter der Sonne" allerdings die deutlich besseren Agatha-Christie-Verfilmungen zu verbuchen! 6/10 Punkten.

Details
Ähnliche Filme