Zwischen all den Hercule-Poirot-Verfilmungen der 70er und 80er, dachten sich die Produzenten, müßte doch auch die Variante Miss Marple ihren Platz haben.
Deswegen holte man sich noch ein paar namhafte Altstars zusammen und setzte mit ihnen „The Mirror crack’d from Side to Side“ aka „Mord im Spiegel“ um.
Leider funktioniert das überhaupt nicht gut und das aus mehreren Gründen:
Zunächst einmal die Rolle der Miss Marple. Oh, Angela Lansbury ist eine hervorragende Wahl, wenn auch noch etwas agiler als die Roman-Marple und weniger agil als die Rutherford. Nur wandte man sich hier einer Originalumsetzung zu, was bedeutet, daß Marple als aktiver Charakter aus der Handlung herausfällt. In den Christie-Romanen setzt die alte Dame nämlich die Lösungen der Fälle puzzleartig in ihrem Ohrensessel oder im Hintergrund sitzend zusammen, während ihr irgendwelche Verwandten, Bekannten, Freunde, Dienstmädchen oder andere Angestellte die nötigen Details stecken, die wir alle wie sie selbst nicht verstehen.
Mag das im Roman funktionieren, im Film funktioniert es kaum. Lansbury hat nur zwei, drei Szenen bis zur Auflösung, wo sie den berühmten Hollywoodstars dann befremdlich unbekannt vorkommen muss.
Das führt das dazu, dass die Dramaturgie immer wieder ins Stottern kommt. Edward Fox ist als Craddock (der inzwischen Marples Neffe ist) einfach nicht einprägsam genug, um mehr als ein Sprachrohr für die Einflüsterungen seiner Tante zu sein und glänzt mehr mit kaum kaschierten Filmwissen denn mit deduktiven Glanzleistungen.
Dann wären da die Stars an sich: hatte „Tod auf dem Nil“ noch ein lustvolles Ensemble, hat man hier das Gefühl, die ständigen hölzernen Rivalitäten zwischen Elizabeth Taylor, Kim Novak und Tony Curtis hätten tatsächlich so stattgefunden.
Während Novak furchtbar übertreibt (aber im Gegensatz zu der Tayler mit fast 50 immer noch verdammt gut aussieht), versucht es Rock Hudson mit Würde und produziert debei nur Langeweile. Curtis spielt eine Variante seiner Danny-Wilde-Rolle aus „Die Zwei“, hat aber die falsche Synchronstimme. Am schlimmsten jedoch die Taylor: die meiste Zeit trägt sie etwas, das wie eine halb implodierte, halb verblühte Plastikbadekappe aussieht, ist in Rettungsringe kaschierende Walle-Walle-Kaftane gewickelt, agiert hölzern, lächelt abwesend, als sei sie unter Drogen und gestaltet ihre Stimmungswechsel so ruckhaft, als würde sie das alles anöden.
Zum dritten funktioniert die Kleinstadtöde St.Mary Mead (oder wo auch immer) gar nicht als filmreife Location für einen 50er-Historienfilm, die Gegensätze zwischen dem Gewollten (große Stars in Krimi-Drama) und dem Erreichten (ein Look wie ein billiger englischer Fernsehfilm) klaffen weit auseinander.
Dazu kommt noch, dass die hier ausgebreitete Postkartenidylle sogar "Downton Abbey" plus "Inspektor Barnaby" an gewollter Niedlichkeit mit der groben Keule übertrifft, als sei das ländliche Nachkriegsengland ein Hort von Milch und Honig gewesen.
Auch dramaturgisch ist hier wenig zu holen, der Fall ist weder besonders raffiniert, noch kompliziert und die Auflösung basiert auf einem Detail, das dem Zuschauer vorher nie zugänglich gemacht wird, sondern das erst in der Auflösung auftaucht.
Ein überdramatisches visualisiertes Tragikende kann die allgmeine Biederkeit aber nicht vertreiben, es überspitzt sie nur.
Und ein weiterer in die Handlung gepresster Mord scheint gar nicht dazu zu passen, sollte aber wohl die Zuschauer wach halten.
Heißt effektiv, dass sich auch nicht jede Vorlage der Autorin für eine prachtgesättigte Verfilmung eignet, zumeist schrieb sie ja auch so manches Kammerspiel. Aber nachdem Starversammlungen ja schon zweimal geklappt hatten, verfiel man auf die bewährte Formel, die bei dem "back-to-back" produzierten "Evil under the Sun" wesentlich besser funktionierte. Auch in Sachen überzeichnetes Rumgezicke.
Selbst wenn Mrs.Christie da ihren Segen gegeben hat, dieses dürftige Kesseltreiben für gemütliche Oldies hatte auch wirklich keinen Nachfolger verdient. (4/10)