Review

Da ich es mir zur lieben Gewohnheit gemacht habe, die Kino-Adaptionen der Werke von Agatha Christie zu möglichst alle zu studieren, war es unvermeidlich, auch irgendwann an „Tödliche Safari“ von 1989 heran zu treten, die vierte große bzw. größere Verfilmung ihres Buchs „Ten Little Indians“.

Nach einer meisterhaften Adaption in s/w von 1945, einer weiteren zahmeren britischen Produktion von 1965 im Kielwasser der Miss Marple Filme und der ersten Farbversion von 1973, ist auch dieser Film ein Ensemble-Pic, darauf abgestimmt, einen Gruppe von zehn potentiellen Opfern (oder Schuldigen) zu präsentieren und diese dann von einem Unbekannten (oder Beteiligten?) der Reihe nach dahin meucheln lassen, weil sie allesamt für den Tod Anderer verantwortlich waren.

Das ließ in allen Versionen Möglichkeiten beim Casting zu, konnte man doch bekannte und beliebte Gesichter präsentieren, die sich gegenseitig Verdächtigungen an den Kopf warfen. Waren es 1973 noch Oliver Reed, Elke Sommer, Gerd Fröbe und Adolfo Celi, ganz zu schweigen von Richard Attenborough, kommen in dieser Version eben Donald Pleasence, Herbert Lom, Brenda Vaccaro und dieser Stallone zum Einsatz. Na gut, es war nur Frank Stallone, aber es ist der Gedanke, der zählt.

Wem das jetzt von der Prominenz eher verdächtig vorkommt, dem sei gesagt, dass diese vierte Adaption eine Cannon-Produktion war, im Auftrag von Golan/Globus und da war nicht selten das Auge größer als der Mund bzw. das Budget, insofern soll man sich von einer krachigen B-Film-Firma jetzt nicht ähnlich Erhellendes erwarten, als das was Peter Ustinov und Albert Finney den Werken Christies zuteil werden ließen.

Also frei heraus: „Tödliche Safari“ ist nicht nur die schwächste Adaption des Romans, es ist auch eine recht kostensparende und wenig attraktive geworden. Behielt die erste Verfilmung den Ort der Isolation noch bei (eine Insel), verlegte die zweite sie auf den Gipfel eines Berges im Winter und der dritte in die Einsamkeit der persischen Wüste. Hier nun handelt es sich um ein angeblich isoliertes Hochplateau irgendwo in der afrikanischen Steppeneinsamkeit zu tun, in die die 10 Reisenden per Eisenbahn in den späten 30er Jahren einreisen.

Dass sich die 10 Personen dann aber für eine mysteriöse Einladung auf den Weg per Bahn, per Karren, per Träger und dann auch noch Fuß (samt einstürzender Brücke) machen, vor allem da es sehr neurotische Karikaturen sind, wirkt hier am wenigsten überzeugend.
Aber im Wesentlichen ließ man den Plot unangetastet, ließ auch die Figuren und Elemente relativ intakt, alles eben nur in der Wildnis Afrikas und in einem sehr ordentlichen Camp.

Die wesentlichen Schwächen liegen also nicht in der Vorlage, sondern in der Adaption. Keiner der beiden Autoren war ein besonders versierter Schreiber und es fehlt einfach an sprühenden Dialogzeilen, an verbalen Spitzen, an Kommentaren bezüglich Herkunft, Klassenbewusstsein und Kolonialismus. Der Film leistet sich zu Beginn ein paar fette Eingeborenenklischees von 1900, eiert dann später kurz um Krieg und Koloniales, traut sich aber nicht, dazu eine Position zu beziehen. Stattdessen hängen brav private Tragödien an den Todesurteilen dran. Teilweise wissen die Figuren, die zumeist leere Blätter bleiben, gar nichts zu ihrer Situation zu sagen, weder ernst noch bemüht komisch – es herrscht häufig ein ungewohntes Schweigen.

Litten Reed und Sommer in der 73er Verfilmung schon unter fehlender Chemie, konnten sie das aber mit Charisma ausgleichen – hier ist es nicht möglich. Sarah Maur Thorp ist als „female lead“ einfach nur ein laues Lüftchen (dessen Karriere dann auch schneller vorbei war, als man Löwenherde sagen kann) und Frank Stallone spielt so hölzern und eckig, dass das Skript tatsächlich alle anderen Teilnehmer vorzuziehen scheint. Erleichtert reißt also Pleasence den Film an sich, kann aber dem dürftigen Unterbau auch keinen Stempel mehr aufdrücken. Vaccaro hat leider nichts zu tun und Lom wird als halbseniler Tattergreis in Uniform verschenkt.

Am Ende einigte sich die Produktion auf den generellen Kinoschluss, der vom Ende des Romans abweicht, aber den Zuschauer immerhin mit dem Gefühl der Zufriedenheit entlässt. Leider genügt der Restfilm hier nicht für solche emotionalen Aufwallungen – „Death on Safari“ ist einfach schwerfällig und einfallslos und kann sich wie so viele vierte Adaptionen eigentlich gespart werden. (3/10)

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