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Keine Bange, das typische, zeitgemäß grottige Kinoplakat wird dem Spinnenhorror Tarantula von Genreexperte Jack Arnold keineswegs gerecht. So trashig wie es auf diesem den Anschein hat ist der Film bei weitem nicht. Tarantula bildete so ziemlich den Urknall des Rieseninsekten Genres und dient auch heute noch Filmemachern als Inspirationsquelle, wie man zum Beispiel bei Eight Legged Freaks feststellen kann.

Irgendwo in der texanischen Wüste forscht Dr. Gerald Deemer an Wachstumshormonen zur Krebsheilung unter anderem auch mit heimischen Taranteln, aber auch mit Menschen. Als eines seiner Versuchskaninchen das Labor verwüstet, entkommt eine der Spinnen, endlicht in Freiheit beginnt sie zu wachsen und hört einfach nicht mehr damit auf. Zeitgleich kommt der junge Arzt Matt Hastings im nahe gelegenen Kaff an und verguckt sich erst mal in die hübsche Assistentin von Dr. Deemer. Dafür bleibt nur wenig Zeit, denn schon bald muss er mysteriöse Todesfälle an Tier und Mensch aufklären in die immer eine beträchtliche Menge Spinnengift involviert ist. Wo da wohl der Zusammenhang besteht?

Da kann sich die aktuelle Technik noch so sehr anstrengen, auch wenn man inzwischen verdammt furchteinflößendes Spinnengetier aus dem Rechner zaubern kann, wie zum Beispiel die gute Kankra in der Rückkehr des Königs, sind diese aber immer noch als unecht zu identifizieren. 1955 musste man sich da was anderes einfallen lassen, denn die Digitaltechnik existierte noch nicht einmal, also griffen die Macher ins Terrarium und nutzten echte Spinnen. Diese krabbeln nicht ausschließlich über Miniatursets (und wenn fällt es kaum auf) sondern auch durch echte Landschafsaufnahmen. Frame für Frame wurden die Großaufnahmen der echten Spinnen ausgeschnitten und in die Szenerie eingefügt. Klar, die Spinne macht im Prinzip nichts als einfach vor sich hin zu krabbeln und für Nahaufnahmen muss ein extrem thrashiges Modell herhalten, aber der Effekt hat mich schon vor Jahren beeindruckt und das tut er noch immer. Neulich hatte ich den Film nach einer nervenaufreibenden Konfrontation, Mann mit Staubsauger gegen arachnoides Fabelwesen mit kalten toten Augen, wieder aus dem Videoregal geborgen und er hat mich immer noch so sehr begeistert wie er das tat bei der ersten Fernsehausstrahlung die ich in jungen Jahren bestaunen durfte.

Neben den großartigen Effekten hat der Film aber auch eine passable Geschichte zu bieten, welche zudem von überzeugenden Darstellern glaubhaft vermittelt wird. Der Film bewegt sich in allen Aspekten weit über dem Niveau anderer 50er Jahre Horror-Trash-Bomben. Natürlich finden sich auch einige Logiklöcher im Film, allein die Tatsache, dass die Spinne so lange unentdeckt bleibt. Aber im Großen und Ganzen versucht Tarantula die Geschichte ernsthaft und glaubwürdig zu erzählen, was auch gelingt, da die Effekte mithalten können und das ganze im Gegensatz zu den meisten anderen Horrorfilmen aus dieser Epoche nicht ins Lächerliche gezogen wird. Es gibt einige interessante Diskussionen über die Rolle und die Grenzen der Wissenschaft und einige Gruseleinlagen für welche die entstellten Opfer der Experimente des Professors sorgen. Besonders positiv im Gedächtnis bleibt auch die tolle Musik, die erstklassige Ohrwurmqualitäten hat. Als Gesamtpaket ergibt sich somit einer der besten Horrorfilme mit Tierthematik, ein echter Klassiker dem der Zahn der Zeit wenig anhaben konnte.

Fazit: Jack Arnolds Tarantula darf für sich beanspruchen nun schon für 50 Jahre den Genretron im Tierhorror Subgenre Spinnenfilme in Beschlag zu haben. Auch heute noch überzeugen sowohl Effekte als auch Spannungsbogen, da nimmt man auch gerne den etwas langatmigen Auftakt in Kauf. Tarantula ist ein Klassiker, den jeder Effektfetischist oder Horrorfan mindestens einmal gesehen haben sollte. Gut gespielt, interessant erzählt und recht glaubwürdig. Kurz: Best-Giant-Spider-Movie ever!

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