Durch eine neu entwickelte, radioaktive Nährflüssigkeit wird das Wachstum von Labortieren um ein vielfaches beschleunigt. Nebenwirkung: Die Probanden werden im Endstadium auch wesentlich größer als von der Natur vorgesehen. Nach einem Selbstversuch stirbt der verantwortliche Wissenschaftler unter mysteriösen Umständen, was den jungen Arzt Matt Hastings auf den Plan ruft, der die Gefahr hinter den Experimenten bereits vorausahnt. Erst als eine übergroße Tarantel aus dem Labor entkommen kann und in der Wüste zu einem hausgroßen Ungetüm heranwächst, wird ihm Glauben geschenkt.
Die Geschichte des 50er-Jahre Monsterfilmklassikers ist hinlänglich bekannt, wurde in den Folgejahren dutzendfach kopiert und bis heute in diversen B-Filmen mit unterschiedlichen Spezies und Größen variiert. Die Vorreiterrolle des Subgenres ist dem Werk von Jack Arnold also auf jeden Fall sicher.
In der Geschichte steckt der Zeitgeist jener Epoche, die Angst vor dem Atomkrieg und vor dem unbekannten an sich, das seit jeher die Menschen der modernen, westlichen Welt zu ängstigen wusste. Wenn am Ende der dunklen Bedrohung durch militärisches Gerät der Garaus gemacht wird, so appelliert Hollywood einmal mehr an das Bedürfnis der Menschen nach Schutz und Geborgenheit in ihrem eigenen Land. Der finale Sieg über die Riesenspinne, der hier bewusst unkommentiert bleibt, unterstreicht diese Absicht, hinterlässt aber damals wie heute sehr nachdenkliche Zuschauer. Die Frage lautet: Was dürfen sich Menschen erlauben, wie weit dürfen sie gehen, die Natur zu manipulieren? War es damals noch die Atomenergie, so ist es heute die Gentechnik, die dieselben Fragen aufwirft. Man sieht also, dass die Grundzüge der Filmthematik auch heute noch zutreffen.
Die Schauspieler bekommen in dieser kurz und bündig erzählten Geschichte mehr Screentime, als man vielleicht erwarten würde. Der Einführung der Charaktere und den wissenschaftlichen Erläuterungen wird gemessen an der kurzen Spieldauer von 80 Minuten recht viel Zeit gewährt und so schleicht sich von Zeit zu Zeit schon mal die eine oder andere Länge ein, die von den weitesgehend überzeugenden, manchmal etwas steif wirkenden Darstellern, aber souverän gemeistert werden. Die wahren Hauptdarsteller sind ohnehin die übergroßen Versuchstiere und natürlich die Riesenspinne – Aufnahmen einer gewöhnlichen Tarantel, hineinkopiert in die fertigen Filmbilder kombiniert mit einem riesigen „Spinnengesicht“ und riesigen Kiefern für Nahaufnahmen. Eine veraltete Technik, die aber selbst im CGI-Zeitalter noch einen beachtlichen Schauwert darstellt, auch wenn ihr ein gewissen Trash-Charme nicht absprechen kann. Dieser kommt besonders dann zu Geltung, wenn die Spinne zum Angriff auf Menschen übergeht und es technisch nicht möglich war, den Vorgang des „Schnappens“ visuell umzusetzen. So begnügte man sich damit, aus der Frontperspektive an die schreienden Opfer heranzufahren und den grausigen Rest der Fantasie des Zuschauers zu überlassen. In der heutigen Zeit, die in Sachen „perfekte Illusion“ kaum noch Wünsche offen lässt, ein wahrhaft erfrischendes Erlebnis.
„Tarantula“ ist ein unbestrittener Klassiker des Horrorfilms, dessen zeitgenössischer Hintergrund die Mentalität der Menschen der damaligen Zeit wunderbar widerspiegelt und den Zuschauer am Ende auch (oder besonders) heute noch mit nachdenklicher Miene zurücklässt.