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"Die Geschichte der Medizin ist die Geschichte des Ungewöhnlichen."

Als im abgelegenen Wüstenstädchen Desert Rock ein Wissenschaftler völligst entstellt aufgefunden wird, gehen der Arzt Dr. Matt Hastings (John Agar) und Sheriff Jack Andrews (Nestor Paiva) den Umständen nach. Der Tote ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Professor Deemer (Leo G. Carroll), der in seinem Labor Tierversuche durchführt, um das zukünftige Problem des Nahrungsengpasses durch Überbevölkerung zu lösen. Bislang führen seine Experimente allerdings nur zu immensem Wuchs der Tiere.
Während eines Vorfalles brennt ein Großteil des Labors nieder und eine Tarantel entwischt. Professor Deemer füllt seine Verluste durch die Laborassistentin Stephanie Clayton (Mara Corday) auf, durch die auch Dr. Hastings von den Experimenten erfährt. Unbemerkt wächst die Tarantel in der Wüste zu einem Koloss heran und bedroht die Kleinstadt.

Regisseur Jack Arnold hatte sich durch diverse B-Movies einen gewissen Ruf erarbeitet und konnte unter anderem mit Science Fiction-Werken wie "Der Schrecken vom Amazonas“ Akzente setzen. Eines seiner bekanntesten Werke ist jedoch "Tarantula“, der in der Nachkriegszeit die Masse an Monster-Horrorfilmen dick unterstrich.

Klassisch, aber auch geradezu erschreckend naiv, baut sich der Plot um die Hauptpersonen auf. Im Schnelldurchgang werden die Personen eingeführt und auch behandelt. Somit ist nicht nachvollziehbar welche Motivation sie treibt. Schnell verfallen sie zu statischen Figuren, die scheinbar streng ihren Rollenvorgaben folgen. Eine Identifikation wird dadurch erschwert und die menschlichen Dramen aufgrund ihrer Eindimensionalität verpuffen im Nirvana.
Der eigentliche Star von "Tarantula“ ist aber ohnehin die groß angekündigte Riesenspinne. Nach ihrer kurzen Einführung dauert es allerdings sage und schreibe zwei Drittel des Films, bis sie relevant wird. Dies wäre kein Problem, würde der Film bis dahin in irgendeiner Weise sinnvoll unterhalten.

Die Handlung baut sich nur schleppend auf und weist einige Löcher auf, die später nur teilweise gefüllt werden.
Auffällig ist der Nachkriegspatriotismus, mit dem Jack Arnold das Militär und seine Gerätschaften als letzten Ausweg zeigt. Die wohlgezielten Napalmbomben zeugen von dem politischen Zeitgeist der 50er Jahre, und bereiten dem Film ein recht abruptes Ende.
Ebenso typisch für den Monsterfilm seiner Zeit ist die Reduzierung der einzigen weiblichen Rolle auf ihre Reize und das Brunftgeschrei bei Erscheinung der jeweils eingesetzten Kreatur. Dieses Phänomen ist bis heute äußerst populär und findet sich in so ziemlich jedem Horrorfilm mit klassischen Allüren.

Brillieren kann "Tarantula" am ehesten durch seine Effekte. Im 21. Jahrhundert mögen diese Effekte zwar ordentlich angestaubt sein, seinerzeit waren sie allerdings phänomenal. Durch den Einsatz einer echten Tarantel wurde nicht nur das Aussehen kopiert, sondern auch die Bewegungen realistisch imitiert. Die simple Technik der Rückprojektion, verbunden mit der Schwarz-Weiß-Fotografie und vielen Nachtszenen machen die Illusion geradezu perfekt. Gerade die charakteristischen Bewegungsmuster dürfte bei Arachnophobikern wohliges Unbehangen hervor rufen.

Der gestandene Mime John Agar ("Sands of Iwo Jima") kann keine wirklichen Akzente setzen, eine Folge seiner unglaubwürdig gezeichneten Figur. Überzeugender ist da Leo G. Carroll ("Der unsichtbare Dritte"), der trotz weniger Sichtbarkeit durchgehend eine Verbindung zum Publikum herstellen kann. Mara Corday's ("Angriff der Riesenkralle") Schwerpunkt ist einzig optischer Natur und für sie als Fotomodell und Pin-up-Girl eine Leichtigkeit.

"Tarantula" ist zweifelsohne ein Klassiker seines Genres, der Staub angesetzt hat. Die Effekte sind immer noch ansehbar und wohl das spektakulärste an dem Film. Daneben sieht es relativ mau aus. Vor allem, da die Charaktere nicht überzeugen und sich die Geschichte als recht löchrig und langwierig erweist.

4 / 10

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