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"Ihr habt wohl einen Märchenprinzen erwartet."

Durch seine furchteinflößende Wirkung auf Andere bevorzugt der Oger Shrek ein zurückgezogenes Leben im Sumpf. Diese Ruhe ist aber vorbei, als Lord Farquaad sämtliche Märchengestalten in den Sumpf umsiedeln lässt. Gemeinsam mit einem sprechenden Esel, der Shrek mit seiner großen Klappe nervt, läuft er zu Lord Farquaad's Königreich, um eine Räumung zu erwirken. Lord Farquaad willigt allerdings nur ein, wenn Shrek Prinzessin Fiona aus einem von einem Drachen bewachten Turm rettet und zu ihm geleitet. Denn nur durch eine Heirat mit einer Prinzessin kann er König werden. So ziehen Shrek und Esel zum Turm aus.

Märchen passen sich üblicherweise einem kindergerechten Standard an. Der Held ist somit eine schillernde Figur mit gutmütigen Absichten und einem entsprechenden Anstand. DreamWorks Animation geht mit "Shrek - Der tollkühne Held" allerdings vollkommen andere Wege. Zwar ist dessen Protagonist nach wie vor gutmütiger Natur und die Geschichte enthält die üblichen Klischees, dennoch ist Shrek selbst kein strahlender Held. Stattdessen eine in Märchen als Antagonist verwendete Figur, die rülpst, furzt und vor zynischen Kommentaren nur so strotzt.

"Shrek - Der tollkühne Held" macht gleich von Anfang an klar, dass er ganz anders ist als vergleichbare Animationsfilme. Der rüpelhafte Oger stellt sich sogleich als eine Figur vor, die nicht in das bekannte Heldenschema passen will, über die man aber dennoch herzhaft lachen kann. Ähnliches geschieht auch mit den anderen Figuren. So benimmt sich Prinzessin Fiona auch nicht sonderlich prinzessinnenhaft und ebenso weitere gängige Märchengestalten, die man aus Schneewittchen, Aschenputtel und Rotkäppchen kennt.

Der rustikale Humor, der angeschlagen wird, ist absolut einmalig. Die Anspielungen auf klassische Märchen ermuntern Jung und Alt zum schmunzeln, Persiflagen zu Filmen wie "Matrix", der "Indiana Jones"-Reihe und weiteren eher das erwachsene Publikum. Neben etwas Brachialhumor bestehen die Gags auch aus komischen Wortgefechten und situativer Komik. Das Spektrum ist breit gefächert, die Gagdichte hoch. Und dennoch ist der Humor nicht das einzige, was der Animationsfilm zu bieten hat.
Anspruch bekommt "Shrek - Der tollkühne Held" durch seine Themen über visuelle Oberflächlichkeiten und Intoleranz gegenüber Andersartigkeit. Wenige enorm atmosphärische Actionsequenzen peppen das Tempo ein wenig auf.

Trotz vieler Einfälle und origineller Ideen flacht die zweite Hälfte des Films erzählerisch ein wenig ab. Hier bringt nicht nur eine obligatorische Romanze ordentlich Kitsch ins Spiel, auch das Tempo wird spürbar gedrosselt. Der moderne Stil sowie die orchestrale Musik mit poppigen Songs halten aber auch über diese Durststrecke über Wasser.

Mit den Jahren hat "Shrek - Der tollkühne Held" in technischer Sicht etwas Staub angesetzt. Die Animation wirkt nach über 10 Jahren gegenüber aktueller Konkurrenz nicht mehr so flüssig. Trotzdem bleibt der Animationsfilm ansehlich. Die Figuren sehen abgesehen ihrer comichaften Züge lebensecht aus, Fell und Gras ist schön animiert. Den Hintergründen fehlt es etwas an Leben und Details, Licht- und Partikeleffekte sind dafür stimmungsvoll.

"Shrek - Der tollkühne Held" kann sowohl Erwachsene als auch Kinder begeistern. Für beide Zielgruppen enthält der Animationsfilm reichlich Humor in den verschiedensten Kategorien. Erzählerisch gibt es zwar nichts wirklich Neues, dafür fallen die Figuren mit ihren Eigenarten angenehm aus jedem bekannten Rahmen. Der Soundtrack und der moderne Stil bestechen ganz besonders.

9 / 10

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