***Enthält Spoiler***
Es mutet zweifelsohne ein wenig seltsam an, wenn man von jemandem hört, dass er mit allen Mitteln versucht ins Gefängnis zu gelangen. Aber wie es im Leben nun einmal so spielt, bestimmen oftmals gerade die Ausnahmen eine Regel. Eine dieser „Ausnahmen" heißt Michael Scofield. Sein Motiv für das verwegene Vorhaben: sein Bruder Lincoln Burrows, der als augenscheinliches Opfer einer hochrangigen Politiker- Verschwörung im Knast auf den Tag seiner Hinrichtung wartet. Dies kann Scofield als liebendes Bruderherz selbstverständlich nicht zulassen und bringt sich selbst hinter Gitter, um so gemeinsam mit seinem Bruder den Ausbruch vorzubereiten.
Folge 1 (Pilot/ Der große Plan): Um seinen im Knast auf die Hinrichtung wartenden Bruder zu retten, wird Michael Scofield selbst zum Verbrecher. Er landet nach einem „missglückten" Banküberfall in Fox River, wo er wie erhofft auf seinen Bruder Lincoln Burrows trifft. Jenem erzählt er von seinen Ausbruchsplänen...
Man merkt diese Serie hat keine Zeit zu verlieren. Was für ein erstaunlich hohes Tempo gleich zu Beginn vorgelegt wird, ist absolut ungewohnt. Dabei bekommt man nicht das Gefühl, dass irgendwas Wichtiges ausgelassen oder gar übersprungen wird. Nein, die Serie nimmt sich für die Einführung der Hauptcharaktere und die Erklärung ihrer Motive die nötige Zeit, nur alles in Einklang mit einem wunderbaren Gespür für Dynamik. So benötigt „Prison Break" auch nicht lange, um sein Netz aus Affären und Intrigen, welches rund um das Gefängnisgeschehen gewoben wird, zu entfalten und zieht den Zuschauer ohne zu zögern mitten ins Geschehen hinein. Das Spannungspotential, welches die Gefängnis- Location mit sich bringt- seien es Differenzen zwischen Wärtern und Gefangenen oder ebenjenen und anderen Gefangenen-, wird konsequent ausgereizt. Zudem arbeitet die Serie auch formal fast makellos und präsentiert den Gefängnisalltag in technisch einwandfreie Bilder. (8,5/10 Punkte)
Folge 2 (Lügt Lincoln?): Nun erst einmal im Fox River- Gefängnis angelangt, macht sich Michael schon gleich an die ersten Fluchtvorbereitungen. Dazu benötigt er eine Schraube der Sitztribünen im Hof, die nur mit Schwierigkeiten zu ergattern ist. Zudem bahnen sich Rassenunruhen zwischen den schwarzen und den weißen Mitgefangenen an...
Kriselnde Spannung an allen Fronten: Michael gerät während der Beschaffung einer Schraube an die lokale Nazibande, die ein Massaker an den schwarzen Mitinsassen plant. Zum Schein muss er sich auf sie einlassen. Dies sorgt wiederum bei dem Farbigen Benjamin Miles 'C-Note' Franklin, welcher für Michael illegal Insulin- Blocker besorgen sollte, für reichlich Unmut, wittert dieser doch Verrat. Als Dritter im Bunde tritt schließlich noch der Mafioso John Abruzzi an Scofield heran, welcher aus dem Neuankömmling wichtige Informationen herauszupressen versucht.
Es fällt fast schwer, die Geschehnisse- und das bereits nach nur zwei Folgen- adäquat in Worte zu fassen. So viel ist schon passiert. Gesagt sei jedenfalls, dass die zweite Folge dem Pilot in nichts nachsteht. Spannung und Dramatik werden auf konstant hohem Niveau balanciert, sodass man mit Sehnsucht die nächsten Folgen herbeiwünscht!(8,5/10 Punkte)
Folge 3 (Vertrauenstest): Um zu sehen, ob er seinem Zellengenossen Sucre vertrauen kann, beschließt Michael einen kleinen Test durchzuführen. Er verrät Sucre das Versteck eines geschmuggelten Handys und wartet ab, ob ihn dieser bei den Wachen anschwärzt. Das Ergebnis des Tests fällt überraschend aus: Zwar erweist sich Sucre als loyal, doch verweigert er jedwede Teilnahme an Michaels Plänen und lässt sich sogar in einer anderen Zelle einquartieren. Währenddessen gelingen Veronica im Fall „Lincoln Burrows" erste Fortschritte, scheint sie doch eine Entlastungszeugin gefunden zu haben.
Nach den wirklich überaus gelungenen ersten beiden Episoden schaltet der „Vertrauenstest" fast unmerklich einen Gang runter. Es wird ein wenig Tempo aus der Erzählung genommen, doch das ist keinesfalls schlimm. Stattdessen nimmt man sich die Zeit eine Art Grundstruktur für den weiteren Serienverlauf zu legen. So verbünden sich Michael und der Mafioso John Abruzzi, scheinen sie doch schlussendlich erkannt zu haben, dass sie den jeweils anderen ziemlich dringend für ihre weiteren Pläne benötigen. Sicherlich sehr interessant in diesem Zusammenhang ist Abruzzis Art, sich für Michaels abgetrennte Zehen (siehe Ende Folge 2) zu entschuldigen: Er lockt Michaels Feind, den Möchtegern- Nazi „T-Bag", in einen Hinterhalt und lässt ihn vor Scofields Augen auf Eis legen, was diesem natürlich wie gerufen kommt. Doch das wirkliche Highlight der Episode fällt weit weniger actionreich aus, denn es vollzieht sich eine erste zaghafte Annäherung zwischen Lincoln und seinem Sohn, der langsam Gefühlsregungen für seinen Vater zeigt. Emotionalität pur! (8/10 Punkten)
Folge 4 (Veronica steigt ein): Nachdem Veronica auf eine mögliche Entlastungszeugin für Lincolns Fall gestoßen ist, beschleichen sie langsam erste Zweifel an dessen Schuld. Als dann schließlich ebenjene Zeugin wie vom Erdboden verschwindet- und der Geheimdienst seine Finger im Spiel zu haben scheint-, geht ihr endgültig ein Licht auf. Sie beschließt sich Hilfe suchend an die Organisation „Project Justice" zu wenden, doch dort lässt sie der Leiter zunächst abblitzen. Währenddessen hat auch Michael im Gefängnis einige Probleme, seinen gesetzten Zeitplan einzuhalten, denn der neue Zellengenosse, ein psychopathischer Killer, hindert ihn daran, die Arbeiten am Fluchttunnel voranzutreiben.
Folge 4 hält in etwa das Niveau der Vorgängerepisode und strickt die Ereignisse wie üblich nahtlos weiter: Michael hat einen neuen „Mitbewohner", den Psychopathen Haywire, zugewiesen bekommen, welcher für Aufruhr sorgt. Denn als Einzigem ist es ihm möglich, Michaels Tattoos als Plan zu identifizieren. Schade jedoch, dass der Weg mit dem Verrückten nicht konsequent zu Ende gegangen wird, denn die Gefahr, die von Haywires Wissen und seiner Möglichkeit Scofield zu enttarnen ausgeht, wird nicht bis zum Letzten ausgespielt und nimmt daher eher eine sekundäre Rolle ein. Verstärktes Augenmerk wird hingegen auf Veronica gelegt, die beginnt, sich ins Team Scofield- Burrows einzugliedern. Zwar beschreitet sie dabei den legalen Rechtsweg, doch wenn es um die eigene Hinrichtung geht, nimmt man Hilfe schließlich aus jeder Richtung dankend an. (8/10 Punkten)
Folge 5 (English, Fitz oder Percy?): Michael steht vor einem Problem: Seitdem die Agenten Kellerman und Hale herausgefunden haben, dass Lincoln und er Brüder sind, erpressen sie den Anstaltsleiter Pope, Michael in ein anderes Gefängnis zu verlegen. Jedoch ist dies nicht das Einzige, was Michael Kopfzerbrechen bereitet. Die alles entscheidende Frage, welche Fluchtstraße (English, Fitz oder Percy?) die taktisch klügste ist, steht noch zur Beantwortung aus. Deshalb muss Michael in ein Labyrinth aus freigelegten Tunnelschächten vordringen, um im Zuge einer halsbrecherischen Aktion, die richtige Entscheidung fällen zu können.
Zunächst nur ein Wort: Highlight! So und nicht anders lässt sich die fünfte Episode von „Prison Break" betiteln. Manchen Serien gelingt es nicht, halb so viel Spannung über eine komplette Staffel aufzubauen, wie „PB" in eine Folge packt. Da hätten wir zum Beispiel die Geheimdienstagenten Kellerman und Hale, die Lunte gerochen haben und deshalb Michael und Lincoln trennen wollen. Kombiniert wird das Ganze mit einem Subplot rund um den Gefängnisdirektor Henry Pope, welcher erstmals etwas mehr Screentime zugesprochen bekommt und dabei- durch eine sehr mutige Entscheidung- erfolgreich zum Sympathieträger avancieren darf, obwohl er natürlich nach wie vor auf der „falschen" Seite steht. Des Weiteren wird ebenfalls in Bezug auf die „Veronica- Nebenhandlung" kräftig aufs Gaspedal getreten. Scheinbar haben ihre Untersuchungen, die mittlerweile tatkräftig von dem „Project Justice"- Mitarbeiter Nick Savrinn unterstützt werden, endlich Früchte getragen, denn es hat sich ein Manipulationsfehler auf dem belastenden Mordvideo, welches angeblich Burrows bei der Tat zeigen soll, eingeschlichen. Die Verschwörung zieht ihre Kreise und nimmt weiter Kontur an.
Diese beiden „Nebenschauplätze" sind jedoch nichts im direkten Vergleich zu Michaels Versuch, das Verhalten der Wachen und Polizisten bei einem vermeintlichen Fluchtalarm auszuspionieren. Ist Scofield erstmal in dem gegrabenen Loch hinter seiner Zelle verschwunden, springt der Herzschlag des Zuschauers wie bei einem Automatismus auf 180. Und das Schlimme daran: dem Zuschauer wird keine Pause gegönnt, denn die nächste Episode wird den Adrenalinspiegel noch weiter gen Himmel schießen lassen. (9/10 Punkten)
Folge 6 (Lebensgefahr: Teil 1): Um unbeobachtet an dem Fluchtweg weiterarbeiten zu können, provoziert Michael durch Sabotage der Klimaanlage eine Gefängnisrevolte. Die dadurch wegfallenden Zählappelle geben ihm sowohl Möglichkeit als auch Zeit ohne ständige Unterbrechungen, den Durchbruch einer hinderlichen Wand vorzubereiten. Was Michael jedoch nicht einkalkuliert hat: Der Aufstand gerät vollkommen außer Kontrolle, sodass sowohl Lincolns als auch Dr. Sara Tancredis Leben in Gefahr geraten.
Wie soll man „Lebensgefahr: Teil 1" kategorisieren, wenn man bereits der Vorgängerepisode das Prädikat „Highlight" verpasst hat? Nun, konsequent wäre wahrscheinlich nur „Highlight²", gelingt es der 6. Folge schließlich, alles Bisherige ohne jedweden Zweifel in den Schatten zu stellen. Zur Nerven zerfetzenden Spannung gesellt sich nämlich nun noch packende Action, die mit einer Rasanz kredenzt wird, dass es einem als Zuschauer schon leicht anders wird. Dabei darf sich Michaels Erzfeind T- Bag ganz nach seinem Gusto austoben und sowohl seinen sexuellen wie auch gewalttätigen Gelüsten freien Lauf lassen. Einen Großteil ihrer Brisanz bezieht die Folge hingegen ohne Zweifel aus der unmittelbaren Gefahr für Scofields Freunde. Während er durch die Revolte „gefahrlos" am Fluchttunnel arbeitet, muss sich nämlich sein Bruder Lincoln mit einem „Auftragskiller" auseinandersetzen, welcher durch unsere beiden Agenten ins Spiel gebracht wurde. Die Ärztin Dr. Sara Tancredi hingegen sieht sich- eingeschlossen im Arztbüro- einer Gruppe wildgewordener Gefangener gegenüber, die ihr sprichwörtlich an die Wäsche will. Alles in allem die locker verdiente Höchstnote: 10/10 Punkten.
Folge 7 (Lebensgefahr Teil 2): Die Revolte ist im vollen Gange und droht immer weiter zu eskalieren. Was im Gefängnis noch keiner weiß: draußen bereitet man sich unter der Leitung des Gouverneurs (Tancredis Vater) auf eine blutige Erstürmung des Gebäudes vor. Währenddessen schwebt Sara- bedroht von einer Horde Gefangener- weiterhin in Lebensgefahr, bis es Michael schließlich gelingt, sie durch die verwobenen Gang- und Tunnelsysteme in die sichere Freiheit zu manövrieren. Doch ist das eine Hindernis überwunden, erscheint das nächste am Horizont: „T- Bag" und ein Wärter haben Wind von Scofields Fluchtweg bekommen. „T-Bags" Bedingung im Gegenzug für absolute Verschwiegenheit: Er will beim Ausbruch mit von der Partie sein.
„Lebensgefahr: Teil 2" hält ohne Probleme das Niveau der Vorgängerepisode. Die Spannung wird mühelos aufrechterhalten, die Dramatikschraube zudem noch weiter angezogen. Einen Hauptanteil daran bestreitet sicherlich „T-Bag", dessen Dialoge mit dem gefangenen Aufseher direkt unter die Haut gehen. Er (Robert Knepper) beweist erneut durch Mimik und Gestik, dass in ihm ein geradezu perverses Talent für psychopathisch und sexuell gestörte Charaktere schlummert, das nur darauf wartet, in Situationen wie dieser ans Tageslicht zu treten. Des Weiteren weiß Michaels Charakterentwicklung (auf die in einer späteren Folge noch genauer eingegangen wird) zu gefallen. Die selbstlosen Züge, auf welchen im Grunde die komplette Serie basiert, werden durch die Hilfe für Dr. Sara Tancredi noch weiter untermauert- schließlich dürfte seine Rettungsaktion quer durch die Gangsysteme bei zufälliger Entdeckung (und bei Tancredi schließlich ohnehin) die ein oder andere Frage aufwerfen.
Gleichzeitig wird auch die Handlung rund um Veronicas Ermittlungen spannend vorangetrieben, sodass sich schlussendlich neue Puzzleteile zur Verschwörungstheorie hinzufügen. Die Spur, die Nick und Veronica verfolgen, führt die Beiden nach Washington, D.C.- Regierungssitz! der USA (na wer ahnt etwas?). Und dass es nicht im Trüben fischt, wird dem Duo auch auf unangenehmste Art und Weise bestätigt: durch eine Morddrohung! (10/10 Punkten)
Folge 8 (Nur noch 17 Tage): Der Erfolg von Michaels Plan hängt davon ab, in ein spezielles Gebäude zu gelangen. Für John Abruzzi als Chef der P.I.'s eigentlich kein Problem, der Ausbrecherbande dort Zutritt zu verschaffen, zumal es sich bei dem Gebäude nur um einen Lagerraum handeln soll. Doch weit gefehlt: Die Räumlichkeit wurde mittlerweile als Aufenthaltsraum für die Wärter umgebaut, was die Möglichkeit, dort ein Fluchtloch in die Erde zu graben, natürlich drastisch begrenzt. Deshalb gilt es, sich Hilfe bei dem Gefangenen zu verschaffen, der durch jahrelange gute Führung als einziger Zutritt zu dem Areal hat: Charles Westmoreland.
Nachdem die Doppelepisode „Lebensgefahr" gezeigt hat, wo der Hammer hängt, geht es nun wieder ein bisschen ruhiger, aber nichtsdestotrotz genauso fesselnd zur Sache. „T- Bag", welcher in der letzten Episode einen Wärter ermordet hat, sieht seine große Chance und ergaunert sich seinen Weg in die Ausbrechergemeinschaft, was zu heftigen Anfeindungen innerhalb der Gruppe führt. Für zusätzliche Anspannung sorgt zudem Captain Bellicks Suche nach dem Mörder, denn wenn „T-Bag" auffliegt, droht dieser Michaels Fluchtplan an die große Glocke zu hängen. Also ist Vorsicht im Umgang mit dem Störenfried geboten!
Die weitaus interessanteren Aspekte vermag diesmal jedoch die Handlung außerhalb des Gefängnisses zu bieten, denn es werden schwere Geschütze auf Seiten der Verschwörer aufgefahren. Zum einen überleben Veronica und ihr Helfer Nick nur knapp einen Sprengstoffanschlag, zum anderen bekommt Burrows Sohn L.J. von den Agenten Hale und Kellerman tödlichen Besuch. Diese ermorden Mutter und Stiefvater und schieben es ihm in die Schuhe, was Lincoln Junior nun zum gesuchten Verbrecher auf der Flucht macht. Zu allem Überfluss- der Folge zusätzlich äußerste Brisanz verleihend- bekommt Burrows die Informationen über seinen Sohn zugespielt, was ihn- wahrscheinlich für jeden nachvollziehbar und deswegen so mitreißend- an den Rand des Wahnsinns treibt. Des Weiteren wartet die Episode noch mit einem genialen finalen Paukenschlag auf: Es wird enthüllt, wer den Agenten Kellerman und Hale die Instruktionen für ihr Handeln gibt. Nicht ganz überraschend, aber dennoch zweifelsohne prekär. (9/10 Punkten)
Folge 9 (Plan in Gefahr): Aufgrund von Abruzzis Unfähigkeit, für seinen Chef die gewünschten Informationen aus Michael herauszukitzeln, wird ihm der Geldhahn zugedreht, was ungeahnte Konsequenzen für die Fluchtvorbereitungen mit sich zieht. Denn ohne Abruzzis finanzielle Stütze fallen das Schmiergeld für Bellick und somit auch der Sonderstatus des (nun entthronten) Mafioso weg. Folglich: kein Sonderstatus, kein Zugang zu dem benötigten Gebäude und auch keine Flucht, wobei der Gedanke an letzteres besonders an Burrows, welcher um das Leben seines Sohns fürchten muss, nagt.
Episode 9 ist weitestgehend so angelegt, dass der Zuschauer (endlich) ein paar zusätzliche Informationsbrocken über den sympathischen Helden Michael zur Seite gestellt bekommt. Denn seit seiner Rettungsaktion hat ihn Dr. Tancredi besonders ins Auge gefasst und stellt nun durch ärztliche Kontakte Nachforschungen über dessen Vergangenheit an. Dabei offenbart sich, dass Michael einen ausgeprägten, ja beinahe zwanghaften Helferinstinkt besitzt und zudem über eine extrem hohe Intelligenz verfügt, die oftmals mit Erstgenanntem in Zusammenhang auftritt. Dass ihm diese- prinzipiell- positiven Eigenschaften leicht zum Verhängnis bzw. zur Selbstmarter werden können, zeigt „Plan in Gefahr" nur allzu deutlich. Wurde Michael in einer vorherigen Episode bereits zum hilflosen Zuschauer degradiert, (als „T-Bag" einen Wärter kalt gemacht hat), muss er sich nun für den Selbstmord von Cherry- („T-Bags" Schoßhündchen) verantwortlich fühlen. Dieser hatte Michael um Hilfe gebeten, doch jener wollte keine großen Wellen schlagen und sich von weiteren Konfrontationen vorerst fern halten. Sehr vorsichtig und einfühlsam beleuchtet die Episode in ihrem Verlauf Michaels Charakter bzw. seine treibende Motivation und lenkt- wahrscheinlich eher unbeabsichtigt- von der grundsätzlichen Ausbruchsproblematik etwas ab. (8,5/10 Punkten)
Folge 10 (Zuwachs): Um seinen Chef wieder gnädig zu stimmen, sieht Abruzzi nur eine Chance: er muss Michael dazu bewegen, den Aufenthaltsort des Kronzeugen Fibonacci zu verraten. Nur so wäre es ihnen möglich, weiter an ihrem Fluchtplan festzuhalten, würde die wieder einsetzende finanzielle Unterstützung schließlich den Weg zurück in den benötigten Aufenthaltsraum der Wärter ebnen. Unterdessen hat Burrows Sohn seine Schwierigkeiten die hartnäckigen Verfolger Hale und Kellerman abzuschütteln, was ihm schließlich nur durch Veronicas Unterstützung gelingt.
In „Zuwachs" gerät Michael in seinen bisher größten Gewissenskonflikt. Wie weit würde er gehen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen? Würde er das Leben Unschuldiger opfern, um seinem Ziel ein Stückchen näher zu kommen? Würde er den unschuldigen Familienvater Fibonacci ans Messer liefern, der eigentlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort war? Über diese Fragen liefert die Episode „Zuwachs" Antwort und wartet zudem mit einem interessanten Twist auf, den man vielleicht hätte erahnen können, der aber nichtsdestotrotz seine Wirkung kaum verfehlen dürfte. Zu allem Überfluss gibt es dem Titel getreu noch eine unerwartete Überraschung. Benjamin Miles „C-Note" Franklin, welcher Lunte gerochen hat, kommt dem Ausbrecherteam auf die Spur und erpresst sie, wie einst „T-Bag", um mit von der Partie zu sein; sprich: das Team bekommt erneut Zuwachs.
Währenddessen gelingt es der Episode, auch die Nebenhandlung um den fliehenden L.J. nicht schleifen zu lassen. Allein, auf der Flucht und ohne Freunde wendet er sich an Veronica, die nach dem Anschlag mit Nick irgendwo in der Einöde abgetaucht ist. Gemeinsam können sie Nicks Verfolger abschütteln. „Zuwachs" lässt sich demnach im doppelten Sinn verstehen, denn neben Michaels Neuzugang „C-Note" bekommen auch die Agenten Hale und Kellerman Zuwachs. Ihnen wird der geheimnisvolle Quinn, welcher in den kommenden Episoden noch für ordentlich Spannung sorgen wird, zur Seite gestellt, um die Fehler der Beiden auszubügeln. Konkurrenzdruck und Feindseligkeiten sind an dieser Stelle unvermeidbar. (8/10 Punkten)
Folge 11 (Und dann waren es 7): Ein weiterer Teil aus Michaels Plan fügt sich dem Gesamtwerk hinzu. Er bekommt Besuch von seiner Ehefrau, einer osteuropäischen Dame, welche einen ganz speziellen Gegenstand für ihn ins Gefängnis schmuggeln soll. Währenddessen häufen sich Spannungen in der Ausbrechergruppe, die sich um „T-Bag" und den Neuzugang „C-Note" fokussieren. Außerhalb der Knastmauern ist es dem Killer Quinn gelungen, Veronica, Nick und L.J. in ihrem Versteck aufzuspüren.
Die Fluchtvorbereitungen gehen langsam in die heiße Phase und wieder einmal rückt Zwischenmenschliches ins Zentrum einer Episode. Michaels für alle überraschend auftauchende (Schein-) Ehefrau schmuggelt eine Zugangskarte für bestimmte Gefängnisbereiche hinter die Mauern. Und wer muss natürlich Wind von diesem Treffen bekommen? Dr. Tancredi, deren Interesse für Michael sich mittlerweile nicht mehr verhehlen lässt. Dementsprechend verletzt fällt auch ihre Reaktion Michael gegenüber aus, welchem sie fortan nur noch auf beruflicher Ebene begegnen will.
Derweil haben Veronica, L.J. und Nick mit Problemen von ganz anderem Kaliber zu kämpfen. Der skrupellose Quinn hat ihren Aufenthaltsort herausgefunden und versucht nun in Erfahrung zu bringen, wer alles in die Verschwörungstheorien der Ermittler eingeweiht wurde. Dabei fällt ein Satz, der noch jede Menge Spannung in Aussicht stellt und die Figur Nick Savrinn in ein gänzlich anderes Licht rücken lässt.
Etwas störend in „Und dann waren es 7" sind diesmal stärker auffallende Ungereimtheiten, die vom Drehbuch weniger erfolgreich kaschiert wurden. Hinzu kommt, dass Charles Westmoreland, welcher ursprünglich überhaupt nichts mit Michaels Fluchtplan zu schaffen haben wollte, durch einen relativ einfallslosen Kniff (weil in Variation so bereits bei Sucre verwendet) zum Team dazu stößt.
Das Ende der Episode bereitet schließlich den zentralen Konflikt der nächsten Folge vor, denn es ist ein Mitglied zuviel im Team, um die Flucht erfolgreich und vor allem zeitgerecht über die Bühne zu bringen. Wie man sich Abhilfe verschaffen will, zeigt „Einer muss gehen". (7,5/ 10 Punkten)
Folge 12 (Einer muss gehen): Michael hat durchgerechnet, dass es mit sieben Mann unmöglich sein wird, den Ausbruch erfolgreich über die Bühne zu bringen. Deshalb steht fest: ein Mitglied des Teams muss zurückbleiben. Schnell macht sich unter den Mitgliedern Anspannung und Misstrauen breit, denn jeder könnte der unerwünschte Auserwählte sein. Währenddessen versucht sich zumindest „T-Bag" gegen alle Eventualitäten abzusichern und weiht aus diesem Grund einen Verwandten als Rückversicherung ein. Abruzzi nimmt sich des Problems an und verursacht so ungewollt eine Katastrophe.
Der Titel ist Programm und gibt den zentralen Konfliktpunkt der aktuellen Episode preis. Doch ganz selbstverständlich will niemand der Auserkorene sein. Eine Situation wie geschaffen für Streitigkeiten und Missgunst. Hierbei machen sich besonders „C-Note" und „T-Bag" den Titel des größten Anstifters gegenseitig streitig, versuchen sie schließlich das Feuer des Misstrauens im Team immer wieder von neuem zu entfachen. Doch obwohl in ebendiesem Konflikt sicherlich das größte Spannungspotential liegen sollte, bezieht für mich „Einer muss gehen" seine Anziehungskraft aus einer anderen Quelle. Sinneswandel und Reue sind die Stichworte, welche hier gleich bei zwei Charakteren durchbrechen und den wahren Reiz der Episode ausmachen. Sowohl Mafioso John Abruzzi als auch Agent Daniel Hale vollziehen eine spannende Wandlung, die zwar von Charakter zeugt, aber nichtsdestotrotz fatale Folgen für sie haben wird. Final gibt es dann noch zwei überraschende (bzw. erschreckende) Wendungen, die für den weiteren Verlauf der Serie nicht ohne Bedeutung bleiben werden. (8/10 Punkten)
Folge 13 (Jetzt oder nie!): Nur noch 36 Stunden bis zur Hinrichtung von Lincoln Burrows, welcher seit dem Angriff auf einen Wärter die letzten Züge seines Lebens in Einzelhaft verbringt. Ein unüberwindbares Hindernis, was vor allem „T-Bag" und „C-Note" zur Erkenntnis bringt, dass die Flucht auch ohne Burrows eine Alternative wäre. Hoffnung hingegen kommt aus ganz anderer Richtung: Veronica und Nick scheinen einen Zeugen- Agent Daniel Hale- aufgetan zu haben, der die Unschuld von Burrows zu beweisen im Stande wäre.
Die Flucht könnte so schön glatt verlaufen, wäre Lincoln nicht ausgerechnet jetzt in einer Einzelzelle gelandet. Schlecht für ihn, gut für den Zuschauer, denn der Serie gelingt es dadurch erneut, ungeheuere Spannung in die Geschichte zu bringen und den Nervenkitzel ordentlich zu steigern. Es kriselt wieder mal an allen Fronten. Neben Michaels Sorge um seinen Bruder verbreitet sich zunehmend eine Gleichgültigkeit seitens der anderen Mitglieder gegenüber Burrows Schicksal. Spannung ist somit vorprogrammiert, denn Michael kann und wird seinen Bruder nicht aufgeben. Er improvisiert einen neuen Plan, nur um dann erschreckt feststellen zu müssen, dass ein ausgetauschtes Rohr der Flucht ein jähes Ende bereiten soll.
Zudem sorgt ein (für Hale final tödliches) Treffen mit Veronica für ein Wechselbad der Gefühle beim Zuschauer, war sie doch nah wie nie (ja, hatte es sogar schon beinahe in den Händen) an entlastendem Material für den Mordfall Steadman/ Burrows. (8,5/ 10 Punkten)
Folge 14 (Im Schatten die Ratten): Alles Menschenmögliche wurde probiert und doch scheint für Burrows der Gang auf den elektrischen Stuhl unausweichlich. So bleibt für alle Beteiligten nur noch eins: Abschied nehmen! Doch so ganz will sich Michael mit der Endgültigkeit des Kommenden nicht abfinden und beschließt deshalb ein letztes Mal, die Initiative zu ergreifen. Er bittet Sara Tancredi, deren Vater der Gouverneur des Bundesstaates ist, um Hilfe.
Die große Stärke dieser Episode liegt eindeutig in ihrer Emotionalität begründet. Es stehen über lange Strecken nicht wie in vielen vorherigen Episoden Hochspannung und Action, sondern eher Gefühl evozierende Szenen im Vordergrund. Besonders hervorzuheben ist dabei natürlich das Aufeinandertreffen von Lincoln, Michael und Veronica genauso wie das Telefonat zwischen Burrows und seinem Sohn. Da kommt sicherlich kein Zuschauer dran vorbei, ohne nicht mindestens ein Mal stark zu schlucken. Zum Ende der Episode setzt „Im Schatten die Ratten" schließlich doch noch auf Bewährtes: Spannung pur. Kann Lincolns Gang zum Henker noch in letzter Minute gestoppt werden? Wird der Gouverneur auf die Durchführung der Todesstrafe verzichten? Im Dickicht dieser Fragen bekommt der Zuschauer zusätzlich einen kurzen Blick darauf, wie weit die Verschwörung bereits ihre Kreise gezogen hat! Äußerst delikat...(9/ 10 Punkten)
Folge 15 (Totgeglaubte): Rettung in letzter Sekunde. Schon auf dem elektrischen Stuhl sitzend und somit dem Tod nah wie nie unterbricht ein richterlicher Anruf Lincolns Hinrichtung. Es sind neue, anonym eingereichte Beweise aufgetaucht, die vielleicht Burrows Unschuld bestätigen könnten. Deshalb wird seiner Hinrichtung zwei Wochen Aufschub gewährt, um die Hinweise hinlänglich zu prüfen. Genug Zeit für Michael einen Plan- B auszuarbeiten, der in die rettende Freiheit führen soll! Derweil scheint Lincoln stärker mitgenommen als allgemein angenommen. Er phantasiert, seinen lang verschollenen Vater während der Hinrichtungsvorbereitungen im Zuschauersaal hinter Michael und Veronica gesehen zu haben.
Mir ist es ein Rätsel, wie es der aktuellen Episode gelingt, während der ersten 10 Minuten dermaßen viel Nervenkitzel zu erzeugen, denn es müsste eigentlich jedem klar sein, dass bei 7 noch ausstehenden Episoden, Linc nicht mittendrin einfach hingerichtet wird. Aber nichtsdestotrotz schafft es „Totgeglaubte" die Nerven der Zuschauer einer harten Zerreisprobe zu unterziehen, so als wäre das Ende nun wirklich nahe.
Hauptaugenmerk liegt im weiteren Verlauf- neben Michaels üblichen Fluchtvorbereitungen- auf Lincolns Behauptung, er habe seinen Vater bei der Hinrichtung entdeckt. Was von Dr. Sarah Tancredi als Stresssymptom abgetan wird, bekommt für Lincoln aber alsbald gänzlich andere Dimensionen. Kleinere Hinweise und Erinnerungen bekräftigen ihn in seinem Verdacht und schließlich wird sogar noch eine Querverbindung zwischen den Verschwörern und Lincolns Vater aufgebaut. Man darf gespannt sein, wie sich die Hintergrundgeschichte weiter entwickeln wird... (8,5/ 10 Punkten)
Folge 16 (Lebenswege): Es wurde höchste Zeit, dass „Prison Break" seinen Charakteren mehr Hintergrund verleiht. Nun haben wir das Leben der Inhaftierten um Michael, Lincoln und Co. bereits über 15 Episoden verfolgt und doch wissen wir kaum etwas über sie, was nicht unmittelbar mit ihrem Gefängnisleben in Verbindung steht. Da kommt die Folge „Lebenswege" gerade recht- für meinen Geschmack sogar vielleicht ein bisschen zu spät-,denn diese gibt höchst interessanten Aufschluss über die direkten Vorgeschichten der Akteure und verleiht den Personen, die wir als Zuschauer lieben und verachten gelernt haben, schärfere Konturen als durch die reine Gefängnisgeschichte je möglich gewesen wäre. Deshalb ist „Lebenswege" gegenüber allen vorherigen Folgen ein willkommener Stilbruch, der frischen Wind in die Serie zu bringen vermag. Denn wer hätte gedacht, dass Sara Tancredi eine Junkie- Vergangenheit hinter sich hat, dass „C- Note" ein zu unrecht entlassener Soldat ist oder dass „T- Bag" im Begriff war, seine bösen Dämonen zu besiegen? Sicher, dass ein oder andere- hauptsächlich bezüglich Michael- wurde in früheren Folgen schon angedeutet, ohne jedoch jemals so detailliert und intensiv zu Werke zu gehen wie hier. In diesem Zusammenhang hätte ich mir ein Vorgehen wie bei „Lebensgefahr Part 1+2" gewünscht, denn genug Stoff für eine Doppelepisode wäre bestimmt drin gewesen! Man kann vielleicht monieren, dass „Lebenswege" nicht das hohe Spannungspotential wie viele der anderen Episoden besitzt, aber bei genauerem Hinsehen wird man diese Fehleinschätzung schnell revidieren. Sicher, es handelt sich um eine Art von Spannung, die aus einer völlig anderen Quelle resultiert, aber im Endeffekt nichtsdestotrotz dieselbe Suchtgefahr für den potentiellen Zuschauer liefert. So greifen geschickt konstruierte Verwebungen von Absicht und Zufall ineinander und paaren sich mit einer hohen Dosis Dramatik, die hier für die richtige Würze sorgt. In meinen Augen zweifelsohne eine erstklassige Episode, die zum einen das Prädikat „Highlight" und zum anderen eine glatte 10er- Wertung verdient!
Folge 17 (Puzzleteile): Dass Michaels Begegnung mit dem glühenden Heizungsrohr noch Konsequenzen nach sich ziehen würde, schien keine Frage zu sein. Zum einen bringt ihn jetzt Gefängnisleiter Pope in arge Bedrängnis, weil jener von einer Misshandlung seitens der Wärter ausgeht und von Michael nun den Namen des Verantwortlichen wissen will. Zum anderen fehlt durch die verbrannte Hautstelle genau der Teil des Fluchtwegs, der sich als essentiell herausstellt. Zu allem Überfluss wird Michael wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft von Pope in Einzelhaft gesteckt, was die ohnehin schon komplizierte Lage noch weiter verschärft.
Nach der Flashback- Folge „Lebenswege" geht es von nun an mit „Puzzleteile" wieder konventioneller zu. Das Gefängnisgeschehen hat den Zuschauer wieder und auch neue Probleme lassen natürlich nicht lange auf sich warten. Der -zugegebenermaßen ungewollte- Auslöser hierbei ist Dr. Tancredi, welche in Michaels verbrannter Wunde Überreste von einer Wärteruniform vorgefunden hat. Mit dieser Entdeckung bringt sie Michael in sichtliche Bedrängnis, will doch nun auch Pope wissen, woher die Brandwunde stammt. Michael, welcher natürlich nicht zugeben kann, dass er des Nächtens durch das Gefängnis geschlichen ist, weiß zunächst keinen Rat und landet in Einzelhaft. Doch jeder der „Prison Break" bisher verfolgt hat, dürfte wissen, dass Scofield stets ein Ass im Ärmel hat. Und so kann auch „Puzzleteile" mit einem gelungenen Twist aufwarten, welcher überraschend einen alten Bekannten wieder zu Tage fördert.
Neben der Gefängnis- Storyline kann auch die Verschwörungsgeschichte mit weiteren netten Einblicken aufwarten. „Die Company", welche bereits durch den geheimnisvollen Quinn in Folge 10 ins Spiel gebracht wurde und zudem maßgeblich an dem Burrows- Komplott beteiligt ist, bekommt weitere Konturen verliehen. So stellt sich heraus, dass Lincolns Vater Mitarbeiter dieser mysteriösen Organisation, welche die politischen Fäden in den USA zu ziehen scheint, war und die dortigen Verantwortlichen in vollem Bewusstsein dessen Sohn Lincoln als Opfer auserwählt haben. (8/10 Punkten)
Folge 18 (Hoch gepokert): Nach seinem durch die Einzelhaft bedingten Kollaps findet sich Michael nun in der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses wieder. Dort trifft er auf seinen ehemaligen Zellengenossen Haywire, mit dessen Hilfe er das fehlende Stück seines Plans zu komplettieren versucht. Unterdessen droht in Michaels leerstehender Zelle die Entdeckung des Ausbruchslochs, will doch der Wärter Geary den ungenutzten Raum meistbietend an andere Insassen versteigern.
Bevor sich das Ende der ersten Staffel zu nähern beginnt, schaltet „Prison Break" mit der Episode „Hoch gepokert" verhältnismäßig noch mal einen Gang zurück- scheint Kräfte zu sammeln, um den finalen Episoden die Bühne vorzubereiten. Im Wesentlichen durchziehen zwei Handlungsstränge die aktuelle Episode. Da hätten wir zum einen Michael, welcher durch einen genialen Einfall in der Psychiatrie auf seinen ehemaligen Zellengenossen Haywire gestoßen ist. Zum anderen dreht sich „Hoch gepokert" um „T-Bags" und „C-Notes" verzweifelten Versuch, Geld für die anstehende Ersteigerung von Scofields Zelle (Sucre befindet sich in Einzelhaft, Michael in der Psychiatrie) zu organisieren. Hier verschenkt die Episode leider einiges von ihrem Spannungspotential, scheint doch von der ausstehenden Entdeckung des Fluchtlochs nicht die erwartete Gefahr auszugehen. Einiges wieder wett machen dahingegen Michaels genial eingefädelte Rückkehr in den normalen Zellenblock und ein überraschendes Ende, das Burrows unerwartet auf freien Fuß setzt. Man darf gespannt sein, wie's weiter geht... (7/10 Punkten)
Folge 19 (Opfer der Wahrheit): Lincoln Burrows bekommt überraschend Freigang gewährt, um seinen wegen Mordes inhaftierten Sohn L.J. zu sehen. Auf dem Weg dorthin ereignet sich ein Unfall, den Lincoln nur schwer verletzt überlebt- ein erneuter Mordanschlag der Verschwörer, ausgeführt von Agent Kellerman. Während Burrows auf freiem Fuß nun um sein Leben kämpfen muss, steht Michael vor einem gänzlich anderen Problem: Er benötigt für die finalen Vorbereitungen den Schlüssel zur Krankenstation, den Dr. Tancredi stets bei sich trägt.
Die Episode „Opfer der Wahrheit" ist der Auftakt zu einem grandiosen Staffelfinale. Der Zuschauer bekommt einmal mehr das geboten, was „Prison Break" über weite Strecken definiert: überraschende Wendungen, hoch brisante Aufdeckungen und Spannung, Spannung, Spannung. Eines der beiden Highlights ist sicherlich die unerwartete Rückkehr von John Abruzzi. Scheinbar geläutert gesellt sich der von „T-Bag" einige Folgen zuvor schwer verletzte Mafiaboss wieder zur Ausbrechergruppe, die er mit einer neuen, gottesfürchtigen Einstellung zu überraschen vermag. Doch Vorsicht ist besonders für seinen Attentäter „T-Bag" geboten, denn es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Abruzzi als Wolf im Schafspelz auftritt.
Das zweite Highlight der Episode ist das unerwartete Aufeinandertreffen von Lincoln und seinem verschollen geglaubten Vater, welcher Brisantes über die Hintergründe der Verschwörung zu berichten weiß. Als abtrünniges Mitglied der „Company", welche die Fäden hinter dem Komplott um Burrows zu ziehen scheint, gibt er sich als Grund für Lincolns derzeitige Misere zu erkennen. Der Plan, der hinter all dem steckt: Die „Company" versucht über Lincoln an den untergetauchten Vater heranzukommen, weil dieser nach seinem Aus bei dem einstigen Arbeitgeber pikante Firmengeheimnisse hat mitgehen lassen. Ein Puzzleteil fügt sich nun ans andere und langsam beginnt der Zuschauer einen (vermutlich immer noch kleinen) Bildausschnitt des Gesamtwerks zu erahnen. Dafür gibt es verdiente 9/10 Punkten.
Folge 20 (Keine Zeit mehr): Mit Hilfe seines Spitzels „Tweener" entdeckt Bellick das Ausbruchsloch im Pausenraum der Wärter. Der Fluchtversuch scheint somit endgültig zum Scheitern verurteilt, wäre nicht glücklicherweise Westmoreland zugegen, der Bellick noch in letzter Sekunde überwältigen kann. Durch die Entdeckung des Lochs gezwungen den Plan komplett über den Haufen zu werfen, sieht Michael nur eine letzte Chance: die Flucht muss vorverlegt werden- auf diese Nacht!
Die Entdeckung des Fluchtlochs bringt noch einmal ungeheuren Nervenkitzel in die finalen Folgen der ersten Staffel. War die Flucht ehemals erst in drei Tagen geplant, verlangen die jüngsten Ereignisse sofortiges Handeln. Michael sieht sich währenddessen immer noch mit dem Problem konfrontiert, wie er seinen Bruder Linc rechtzeitig aus der Einzelhaft auf die Krankenstation verfrachten soll und greift in seiner Not zu einer äußerst drastischen und direkten Methode. Eines der Highlights von „Keine Zeit mehr" ist dabei sicherlich Michaels Fluchtoffenbarung gegenüber Gefängnisleiter Pope, welcher ein fester Bestandteil in Scofields letzten Vorbereitungen ist. Neben jenem Aspekt fokussiert sich die Episode ebenfalls auf die zärtlich aufkeimende Beziehung zwischen Sara Tancredi und Michael. Seine Bitte an Sara die Tür der Krankenstation offen zu lassen, stürzt die junge Ärztin in eine tiefe Krise, sieht sie sich doch in der äußerst unangenehmen Position, zwischen ihren (noch leicht unklaren, aber nichtsdestotrotz vorhandenen) Gefühlen gegenüber dem charismatischen Sträfling und der Pflichterfüllung bzw. der Verhinderung einer nicht unbeträchtlichen Straftat zu entscheiden. „Keine Zeit mehr" vermittelt jenes Gefühlschaos auf eine sehr einfühlsame, zugleich musikalisch wunderschön untermalte Weise und liefert so einen weiteren dramatischen Höhepunkt. Nicht weniger ergreifend ist eine kurze Collage, die die Motivation aller Flüchtlinge in prägnanten Bildern zusammenrafft und verwundert aufmerken lässt, wie sehr einige der Protagonisten (Kollege „T-Bag" vielleicht außen vor) dem Zuschauer über die Zeit ans Herz gewachsen sind- wie sehr man ihnen, den Schwerverbrechern, eine erfolgreiche Flucht bzw. ein glückliches Leben danach wünscht. Selbst eine eigentlich doch sehr finstere Gestalt wie John Abruzzi bildet in diesem Fall keine Ausnahme.
Im Fall einer derart runden, emotional ergreifenden Episode bleibt mir nichts weiter übrig als die Höchstnote zu vergeben. (10/10 Punkten)
Folge 21 (Countdown): Nun beginnt der eigentliche Teil der Flucht. Doch wie es im Leben nun mal spielt, lässt sich nichts bis ins letzte Detail vorberechnen. So hofft Michael auf die Hilfe von Sara, die sprichwörtlich den Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens in ihren Händen hält. An ihr hängt es, dem Ausbrechertrupp Tür und Tor zur Krankenstation offen zu lassen, wo Linc bereits auf seinen Bruder wartet. Währenddessen ahnen die Flüchtigen noch nichts von den weiteren Problemen, die auf sie zu kommen und das Unternehmen erheblich gefährden.
Worauf der Zuschauer ganze 20 Folgen mit Spannung hingefiebert hat, setzt sich nun endlich in Gang. Michaels letzter, von Verzweiflung getriebener Versuch, seinen unschuldigen Bruder zu retten, ist in vollem Lauf. Es gibt für keinen mehr ein zurück, nur noch die Flucht noch vorn in eine ungewisse Zukunft. Hierbei macht es den Eindruck, als ob sich die Ereignisse sowohl innerhalb der Gefängnismauern als auch außerhalb bei Veronica und Nick förmlich zu überschlagen scheinen: Nick nimmt Veronica als Geisel, um seinen Vater vor der Mafia zu retten, während die „Company" versucht am Stuhl der Vize- Präsidentin zu sägen. All dies, obwohl von nicht zu unterschätzender Brisanz (besonders letzteres wird sich noch schwerwiegend auswirken), gerät neben dem Hauptaspekt des Ausbruchs zu Recht ein wenig in den Hintergrund. Alle herzschwachen Zuschauer seien auf jeden Fall gewarnt, während der alles entscheidenden Kletterpartie entlang eines Stromkabels über die Mauer tief Luft zu holen. Es gab bis dato sicherlich spannende Momente zur Genüge, aber wirklich äußerst selten auf diesem Niveau. So gleicht die letzte Einstellung, in welcher die Kamera mit Blickrichtung auf die leere Krankenstation über die Mauer gleitet und man weiß, dass die Flucht (zumindest fürs erste) erfolgreich war, auch einer riesigen, nicht zu verleugnenden Erlösung. Ohne Zweifel oder Umschweife 10/10 Punkten, obwohl der Tod von Westmoreland ein wenig betrübt.
Folge 22 (Todgeweihte): Die Mauern von Fox River sind überwunden. Alles, was zwischen den Flüchtigen und der Freiheit steht, sind einige Kilometer, die noch zurückgelegt werden müssen, um Abruzzis wartendes Flugzeug zu erreichen. Das Problem: die Flucht wurde viel zu schnell bemerkt, sodass sich die Ausbrecher mit einem wütenden Brad Bellick im Nacken gen Flughafen durchschlagen müssen.
Mit „Todgeweihte" gelingt „Prison Break" ein grandioser Hattrick. Die Episode bietet alles, was man sich von einem Staffelfinale erhofft. Viele Fragen werden beantwortet, viele neue aufgeworfen. „Todgeweihte" ist ein einziger großer „Cliffhanger" mit nur einem Ziel: die Zuschauer scharf auf die nächste Staffel zu machen. Äußerst erfolgreich wie man zugeben muss. Erste Fäden in der Veronica/ Nick- Storyline scheinen endlich zusammenzulaufen. Veronica macht den vermeintlich ermordeten Steadman gut versteckt in einem einsamen Haus in Blackfoot, Montana aus, ohne jedoch zu ahnen, dass dies erst der Anfang aller Probleme ist. Währenddessen haben Abruzzi und „T-Bag" nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen und das, obwohl sie eigentlich weitaus größeren Problemen gegenüberstehen. Hochdramatisch geht es auch bei Sara zu. Sich ihrer Tat im Klaren (natürlich hat sie die Tür zur Krankenstation offen gelassen, denn Liebe wiegt nun mal schwerer als alles andere) begeht sie einen Selbstmordversuch. Und als wäre ein Knalleffekt noch nicht genug, hat sich die Episode natürlich das „Beste" bis zum Ende aufgehoben: Der Fluchtjet fliegt den Ausbrechern vor der Nase weg und lässt sie umringt von Polizisten auf dem Airport stehen. Als Zuschauer stockt einem dabei in diesem Moment für eine Sekunde ungelogen das Herz. (10/10 Punkten)