Review

Gesamtbesprechung Staffel 1-4

Nachdem ich müde war, ständig neue, meist vom Unterhaltungswert miese, DTV-Veröffentlichungen zu sichten, riet mir mal ein Freund zu "Prison Break". Zugegeben, ich bin nicht wirklich ein Serienfreund, aber jetzt nach allen vier Staffeln bin ich von dieser Serie total begeistert und bin wirklich froh, diese erst jetzt entdeckt zu haben - man fiebert nämlich dermaßen mit und ich will mir gar nicht ausmalen, wie qualvoll es damals bei der Fernsehausstrahlung gewesen sein muss, eine Woche auf die nächste Folge zu warten. So konnte ich mir eine Folge nach der anderen reinknallen und mir fiel es schon schwer, überhaupt ins Bett zu gehen, die acht Stunden auf der Arbeit abzurackern um danach "Prison Break" weiterzuschauen. Mein lieber Scholli...

Zu meiner Reszension: Ich werde diese so schreiben, dass Leute, die diese Serie noch nicht kennen, keinerlei Spoiler oder Ereignisse verraten bekommen.

Der Inhalt sollte bekannt sein: Lincoln Burrows (Dominic Purcell) wird unschuldig zum Tode verurteilt. Angeblich hätte er den Bruder der Vizepräsidentin ermordet. Daraufhin wird Linc in das Fox River Gefängnis gebracht, wo er seine Zeit bis zur Todesstrafe absitzen muss. Doch es soll nie zur Todesstrafe kommen, denn Lincolns Bruder, Michael Scofield (Wentworth Miller), will Linc aus dem Gefängnis holen. Dabei hilft nicht nur der Intellekt, sondern auch der Tätowierte Blueprint des Gefängnisses auf Michaels Körper. Denn das Tattoo ist in Wirklichkeit eine Anleitung für einen Fluchtweg aus dem Gefängnis heraus. So begeht Michael einen Bankraub, um ins Gefängnis zu kommen. In Fox River angekommen bleiben Michael drei Wochen Zeit, Lincoln zu befreien - doch nicht einkalkulierbare Ereignisse machen dieses Unterfangen fast unmöglich.

Staffel 1:

Die erste Staffel ist zweifelsohne die beste Staffel, auch wenn ich wie schon weiter oben erwähnt nicht der Held vom Erdbeerfeld in Sachen Serien anschauen bin, muss ich sagen, dass mich noch nie so das Mitfiebern einer fiktiven Geschichte über eine so lange Laufzeit begeistert hat. Wenn ich die Tatsache auf die Waagschale lege, diese Serie mit den DTV-Veröffentlichungen zu vergleichen, müsste ich meinem Kumpel für diesen Tipp die Füße küssen inklusive Hornhaut ablutschen.

Im Gefängnis werden uns einige Charaktere näher vorgestellt: Michael Zellengenosse Sucre (Amaury Nolasco) der einen Laden überfallen hat, den Kinderschänder und Mörder T-Bag (sensationell gespielt: Robert Knepper), den ehemaligen Soldaten Benjamin Franklin (Rockmond Dunbar), Mafiosi John Abruzzi (Peter Stormare), Charles Westmoreland (Muse Watson), bei dem so keiner weiß, ob er ein gesuchter Millionendieb ist, der junge David "Tweener"  Apolskis (Lane Garrison), der wegen einer Baseballkartensammlung einsitzt und den Schizzo Charles "Haywire" Patoshik, der seine Eltern umgebracht hat.
Auf der anderen Gefängnisseite lernen wir Gefängnisärztin Dr. Sara Tancredi (Sarah Wayne Callies), den hart-aber-fair handelnden Gefängnisdirektor Warden Henry Pope (Stacy Keach) und den sadistischen Chefaufseher Bradley Bellick  (Wade Williams) kennen.

Parallel zum Gefängnisplot geht es draußen um die Verschwörung des vermeintlichen Mords, bei dem wir die "Company" kennenlernen. Die Firma, die hinter allem steckt. Für sie geht der eiskalte Killer Paul Kellerman (Paul Adelstein) auf die Jagd und tötet alles was im Weg steht. Unter anderem macht er auch Jagd auf Lincolns Sohn LJ (Marshall Allman).

Die erste Staffel ist unglaublich dicht, der Gefängnisalltag nicht geschönt und sehr hart gezeichnet. Es bleibt keine Atempause, da auch der Zeitraum wegen der bevorstehenden Todesstrafe von Lincoln begrenzt ist. Nach und nach werden uns neue Charaktere vorgestellt, die Michael´s Plan durchkreuzen und er alternative Fluchtmöglichkeiten planen muss. Was phänomenal ist, ist was für eine unglaubliche Tiefe sämtliche Charaktere des Prison-Break-Universums bekommen, Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Gut und Böse vermieden wird und man selbst mit so ekelerregenden Kotzbrocken wie T-Bag Mitleid empfindet/empfinden kann. Zeit zum Durchschnaufen für den Zuschauer bleibt keine, der Adrenalinspiegel ist permanent auf höchstem Niveau. Die genialste Folge ist zweifelsohne im Schlussdrittel zu finden, als plötzlich der Erzählstrang unterbrochen wird und man einen Sprung in die Vergangenheit macht, und die Hauptcharaktere noch mehr zu durchleuchten.
Das Finale endet furious, aber leider werden wir feststellen, dass es nicht das bestmöglichste Finale für Happy Endings ist, weiteres möchte ich dazu nicht sagen. Für alle Zuschauer wird auf jeden Fall die Tatsache grausam sein, dass während dem absoluten Höhepunkt die erste Staffel zu Ende ist und man seine Klientel schmoren lässt.
Ein krasser Logikfehler hat mich jedoch sehr verärgert. Jeder, der schon mal mit Beton gearbeitet hat, dürfte mir da zustimmen.

10/10

Staffel 2:

Ich denke, es dürfte kein Spoiler sein, wenn ich sage, dass sich diese Staffel mit der Flucht beschäftigt. Man führt FBI-Agent Mahone (William Fichtner) ein, der hochintelligent aber auch genauso skrupellos ist nach dem Motto: Ich schnappe mir die Ausbrecher: Tot oder tot! Was begeistert, ist das Katz- und Mausspiel zwischen Scofield und Mahone, und was sich schon im Finale der ersten Staffel angekündigt hat im Bezug auf Happy Endings, wird hier noch deutlicher: Anfangs wird direkt eine Sympathie-Figur aus dem Rennen genommen, damit auch der Letzte geschnallt bekommt, dass hier keiner vor dem Serientod sicher ist.
Auch diese Staffel kommt wieder auf 22 Folgen. Ich will nicht sagen, das sie Durchhänger in Sachen Spannung besitzt - ich will es mal so ausdrücken: Man tritt hier und da mal zu lange auf der Stelle und kommt nicht vorwärts im Plot. Das nervt, hängt aber letztlich mit den eigenen Erwartungshaltungen zusammen, da man wissen will, wie es aus-/ bzw. weitergeht. Was hier noch besser zur Geltung wie in der ersten Staffel kommt, ist dass jeder Charakter nicht nur eine gute bzw. böse Seite besitzt. Sympathieträger nimmt man manche Handlungen krumm und auch der größte (vermeintliche) Kotzbrocken bekommt durchaus auch mal Sympathie zugesprochen.
Das Finale ist noch explosiver geraten wie in der ersten Staffel. Jedoch hätte man hier einen Schlussstrich ziehen können und diese Serie mit alternativen Ende enden lassen.

10/10

Staffel 3:

Diese Staffel ist mit 13 Folgen die kürzeste. Daher gibt es auch hier keinen Spannungsverlust zu melden. Der Chef der Company General  Krantz (Leon Russom) und ein neuer, weiblicher Bösewicht namens Gretchen Morgan (Jodi Lyn O´Keefe) sowie der mysteriöse James Whistler (Chris Vance) werden eingeführt. Im Gegensatz dazu muss wieder eine Sympathiefigur sterben. Die Location ist etwas ungewöhnlich und auch schwer zu glauben, dass  das so alles möglich ist. Das interessante ist, wie sich die Figuren weiterentwickeln, aber leider bröckelt zum ersten Mal die Fassade der Glaubwürdigkeit. Manche Teamwork-Arbeiten will man nicht glauben oder passen einfach nicht zusammen. Das tut dem Gesamtergebnis jedoch keinen Abbruch und auch hier endet das Finale wieder hochexplosiv.

9,5/10

Staffel 4:

Die vierte Staffel kommt bei allen Fans der Serie am schlechtesten Weg - und das zurecht: Nicht nur, dass man unkonventionelle Pfade betritt und "Prison Break" sich in den ersten Folgen wie das "A-Team" anfühlt und somit zum ersten Mal keine echte Hochspannung vorhanden ist (zugegeben spannend ist es immer noch, nur eben nicht mehr auf dem Niveau der anderen Staffeln), sondern dass die Glaubwürdigkeit und Logik hier nicht nur bröckelt, sondern über das Ziel hinausschießt. "Teamplay" ist das Stichwort, dass das Fass zum Überlaufen bringt, denn wenn andauernd neue Zwangskonstellationen sich ans Werk machen, ist das zuviel des Guten. Während bei "den Guten" der Heimatschutzagent Donald Self (Michael Rapaport) und Computer-Spezialist Roland Glenn (James Hiroyuki Liao) ihren Einstand feiern, gibt es wieder einen neuen, ultimativen Auftragskiller (Cress Williams) bei der Company. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass wieder eine Sympathiefigur den Serientod stirbt, was mich zusätzlich verärgert.
Okay, nachdem man sich halbwegs mit dieser Staffel angefreundet hat, diese erstmals auch Längen aufweist, könnte man meinen, dass in der Mitte dieser Staffel alles schon vorbei ist - aber nein, man muss die 22 Folgen voll bekommen. Die darauffolgenden ziehen sich wie Gummi, ehe die Drehbuchschreiber für die letzten knapp 6 Folgen wieder zur alten Höchstform gefunden haben und der Serie ein ehrwürdiges Finale spendiert haben, das an Spannung nicht mehr zu überbieten ist. Als kleines Schmankerl wird noch fünf Minuten lang in die Zukunft geblickt, wie es den Überlebenden geht. Das ist toll und entgültig - jedoch leider nicht das Ende, das ich mir erwünscht hätte. Den Abschlussfilm "The Final Break" werde ich extra zensieren und will nur erwähnen, dass man ihn sehen sollte, da einige offene Fragen (keine wichtigen) dort gelöst werden.
Insgesamt gesehen ist die vierte Staffel mit Abstand die schlechteste. Natürlich ist das aber auch ein Jammern auf hohem Niveau. Denn auch hier fühlte ich mich zum größten Teil unterhalten, mit wenigen Durststrecken, leider vielen Problemen in der Glaubwürdigkeit, aber auch einem über sechs Folgen genialen Finale, so dass ich immerhin noch auf 7 Punkte komme.

7/10



FAZIT VON PRISON BREAK (Staffel 1 - Staffel 4):

Ich habe kein "Lost" oder "24" gesehen (werde dies  mit Sicherheit jetzt nachholen), aber für mich ist "Prison Break" bis dato die beste Serie, die ich je gesehen habe. Und das mit deutlichem Abstand. So lustig die Simpsons sein mögen, so gerne ich Al Bundy gesehen habe oder auch heute mal hier und da "CSI:Miami" oder "Criminal Minds" schaue, keine kann auch nur ansatzweise mit dieser komplexen Serie mithalten.
Die ersten drei Staffeln sind weltklasse, die vierte versaut leider das Gesamtranking etwas - jedoch nicht viel. Denn auch wenn die Logik und die Glaubwürdigkeit etwas leiden, mir (Extrem-) Happy Endings lieber sind, wurde ich über knapp 3500 Minuten Spielzeit bestens unterhalten.
Ich kann Neulingen, wie ich es noch vor drei Wochen war, nur dringend raten, sich alle vier Staffeln direkt zu ordern. Auf DVD/Blu Ray die Folgen hintereinander zu sehen dürfte den Genuss im Vergleich zu der Fernsehaustrahlung (Werbepause, das wöchentliche Warten auf die nächste Folge) zusätzlich aufwerten.

9/10

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