Nach einigen Jahren Pause ist eine Fortsetzung der amerikanischen Gefängnisausbruchs-Serie prison break erschienen: Staffel 5 mit 9 Teilen, abgedreht 2016 und ausgestrahlt im Frühjahr 2017. Was den Ausschlag dafür gab, nach 6 Jahren eine weitere Staffel zu drehen, nachdem die Serie 2010 nach 4 Staffeln plus einem Abschlußfilm eigentlich definitiv beendet war, mag verstehen, wer will.
Rekapitulieren wir also nochmals kurz, was bisher geschah: Die erste Staffel, die die Vorbereitungen bis zum finalen Ausbruch am Ende thematisiert, basierte noch auf der soliden Idee, daß ein Bruder sich ins Gefängnis werfen läßt, um seinen älteren Bruder, der dort unschuldig im Todestrakt sitzt, zu befreien mittels eines eintätowierten Bauplans des Gefängnisses. Mit einigen Längen recht spannend inszeniert, waren die Erwartungen für die 2. Staffel groß - und sie wurden ziemlich enttäuscht. Die 2. Staffel strotzte nur so vor Logiklöchern und Ungereimtheiten, bestes Beispiel war T-Bags (völlig unmotiviert) abgetrennte Hand, die er sich von einem indischen Tierarzt nach Feierabend wieder voll funktionsfähig annähen ließ: Au weia! Dabei war T-Bag (Robert Knepper) noch jener Darsteller, der durch sein vielfältiges Mienenspiel und seine Wandlungsfähigkeit die Serie vor dem Abkippen bewahrte. In einem zähen Marathon über 22 Folgen mußten von den 8 Ausbrechern dann jene den Serientod sterben, von denen man es ohnehin schon erwartet hatte. Immerhin wurde die Klientel der Verschwörungstheoretiker bedient: eine ominöse company, die alle Geschicke der USA in ihrem Sinne beeinflußt, hatte es letztendlich auf die Scofield-Brüder abgesehen. Ach so. Weil das den Drehbuchschreibern mittlerweile auch zu dünn wurde, kam das Erfolgsrezept der 1. Staffel dann in Staffel 3 wieder zum Zuge: Erneut ein Gefängnis, diesmal in Panama, von den Häftlingen selbst verwaltet und alle vorgeblichen Klischees bedienend. Die Idee war natürlich aus MadMax3 (Stichwort Bartertown) geklaut, mehr schlecht als recht umgesetzt und dauerte diesmal gottseidank nur 13 Folgen lang: Am Ende konnten Scofield & Co. erneut türmen - eine Riesenüberraschung, wer hätte das gedacht. In der anschließenden 4. Staffel ging es dann der company endgültig an den Kragen, erneut wurden viele neue Charaktäre eingeführt, deren Verbleib nur von kurzer Dauer war und die die Story kein bißchen weiterbrachten. Immerhin war ein hoher Bodycount zu verzeichnen und am Ende war die company zerschlagen, Superhirn Michael Scofield, der sich seiner Tätowierungen mittlerweile entledigt hatte (ja, das geht so flott und problemlos wie Haare waschen) hatte über das Böse triumphiert. Es folgte dann Anfang 2010 noch ein anderthalbstündiger Film, in dem Michael Scofield zwar am Ende stirbt, die Seinen jedoch gut versorgt weiß und auch für Nachwuchs mit Sara gesorgt hat. Ende gut, alles gut?
Nun also, nach einer langen Pause, eine Fortsetzung mit Staffel 5. Hauptproblem dabei: die ohnehin recht merkwürdigen, um nicht zu sagen teilweise völlig an den Haaren herbeigezogenen Handlungsstränge der letzten Staffel wieder aufdröseln, um eine neue Story zu generieren. Hauptdarsteller ist natürlich wieder Wentworth Miller als Michael Scofield. Moment, war der nicht gestorben? Achso, er war doch nicht gestorben. Ah ja. Nein, Michael ist nicht tot, sondern durfte weiterleben, wenn er dafür als Top-Agent des US-Geheimdienst in aller Welt Spezialaufträge ausführt. Derzeit sitzt er in einem berüchtigten Gefängnis im Jemen und läßt dies über einen Kassiber seinem Bruder mitteilen. Sein Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) macht sich also auf den Weg, ihn zu befreien. Ist das ein guter Aufmacher für die neue, 5. Staffel? Naja.
Mit von der Partie sind auch die aus früheren Staffeln bekannten Sympathieträger Benjamin Miles „C-Note“ Franklin (Rockmond Dunbar), Fernando Sucre (Amaury Nolasco) und natürlich der unverwüstliche Theodore „T-Bag“ Bagwell (Robert Knepper). Leider nicht dabei ist Agent Alexander Mahone (William Fichtner), der einzige Darsteller der ganzen Reihe, der eine halbwegs nachvollziehbare Charakterwandlung vom eiskalten company-Killer zum verläßlichen Mitstreiter der Scofields durchgemacht hat. Schade! Auch nicht dabei: Gretchen Louis Morgan (Jodi Lyn O’Keefe), ebenfalls eine mit mindestens neun Leben ausgestattete ex(?)-Killerin.
Dafür gibt es - wie schon in den vorhergehenden Staffeln - neben vielen cliffhangern und grenzenlosen Logiklöchern wieder ein paar neue Gesichter, die die Geschichte in die Länge ziehen und doch bald wieder abtreten, niemand den man sich merken könnte oder sollte; für das obligatorische Killerpärchen hat man zwei physisch wirklich häßliche Darsteller ausgesucht, aber auch deren Visagen bleiben nicht haften. Keine plot-twists, keine Ideen.
Immerhin geht es temporeich los, schon am Ende der 1. Folge gibt es ein Wiedersehen der beiden Brüder Linc und Michael hinter jemenitischen Gefängnismauern, und - haltet euch fest - Michael ist schon wieder volltätowiert (jaja, wir wissen inzwischen, wie leicht das geht). Um einen zeitgeschichtlich aktuellen Bezug herzustellen, hilft Michael gerade einem IS-Terroristenführer beim Ausbruch, natürlich auf Geheiß seines undurchsichtigen Geheimdienst-Chefs. Zu unser aller großen Überraschung gelingt Michael dann auch tatsächlich der Ausbruch aus diesem Gefängnis in der Wüstenstadt. Hätte man es doch dabei bewenden lassen! Denn bis zu diesem Punkt, der etwa die ersten 4 Folgen der 5. Staffel umfasst, ist es zwar eine konstruierte, aber durchweg temporeich inszenierte Story mit einem eindrucksvollen setting (das alte Gefängnis). Leider jedoch muß man sich durch weitere 5 Folgen quälen, die haarsträubend unlogisch aufgebaut sind und dennoch absolut vorhersehbar dahinplätschern.
Sara Tancredi, nach Michaels vorgeblichem Tod zunächst alleinerziehende Mutter ihres gemeinsamen Sohnes, hat dann doch wieder geheiratet. Obwohl sie ihrem Sohn von seinem verblichenem Vater oftmals vorschwärmt (groß, schlank, sportlich, intelligent, warmherzig, allen überlegen) hat sie dann doch das genaue Gegenteil geheiratet: Einen kleinwüchsigen, kraushaarigen, unsportlichen, häßlichen Bürohengst (Mark Feuerstein als Jacob Anton Ness), der als Ersatzpapa fungieren darf. Wie dieses Paar jemals zusammenkommen konnte, bleibt rätselhafter als alle Tätowierungen Michael Scofields. Noch unglaubwürdiger allerdings (ja, das geht) wird es, als sich sehr schnell herausstellt (noch vor Staffelmitte), daß dieser Bürohengst Ness (der in jeder familientauglichen Vorabendserie besser aufgehoben wäre) gleichzeitig der ominöse Geheimdienst-Chef ist, der Michael Scofield weltweit für Spezialaufträge einsetzt. Ob Scofield am Ende wieder gewinnt? Nein, das werde ich ganz bestimmt nicht verraten.
3 Punkte, "for hardcore-fans only"
PS: Es gibt schon Gerüchte über eine 6. Staffel, was durchaus als Drohung aufzufassen ist.