Vielleicht erinnerten sich Produzent Jerry Bruckheimer und das Studio Buena Vista an den gemeinsamen Box-Office-Erfolg von „Gegen jede Regel“, als sie „Spiel auf Sieg“ in Angriff nahmen, wieder ein historischer Sportfilm, wieder über die Nachwehen der Rassentrennung in den USA – dieses Mal allerdings ohne Glück an der Kinokasse.
Die historisch verbürgte Geschichte von Basketball-Coach Don Haskins (Josh Lucas) wird auch hier im Großen und Ganzen wahrheitsgetreu wiedergegeben, allerdings mit einigen filmischen Zuspitzungen, um die Story noch knalliger zu erzählen. So feiert Haskins auch hier erst Erfolge als Coach beim Damen-Basketball, weshalb er vom Texas Western College in El Paso als Trainer für deren Basketball-Team angeheuert wird. Dort übernahm der reale Don Haskins 1961 drei schwarze Spieler von seinem Vorgänger – im Film sieht es so aus, als käme er erst 1965 dort an und finde ein rein weißes Basketball-Team vor. Die sportfilmgewordene These „Weiße Jungs bringen‘s nicht“ galt damals anscheinend noch nicht.
Andere Sportarten haben am Texas Western College mehr Prestige und mehr Budget, weshalb Haskins nur eine rotte Turnhalle und kaum Budget für die Rekrutierung von Spielern hat. Also steckt er seine eigene Kohle in die Suche nach neuen Spielern und wirbt mit Stipendien in erster Linie schwarze Jungs aus verschiedenen Teilen der USA an, sieben Stück insgesamt. Ein damals gewagter Schritt, vor allem in den Südstaaten: Im Basketball hatte es bis in die 1950er noch eigene Ligen für schwarze Spieler gegeben, mit dem Civil Rights Act von 1964 und dem Voting Rights Act von 1965 die Gleichstellung schwarzer und weißer Menschen in den USA vorangetrieben, die Rassentrennung erst 1968 für unvereinbar mit der US-Verfassung erklärt.
Der Coach ist ein harter Hund, zu seinen weißen wie zu seinen schwarzen Spielern, die erst miteinander klarkommen müssen. Doch auch rivalisierende Teams und andere Gegenden sind dem Team gegenüber nicht freundlich eingestellt, als es die College-Basketball-Saison 1965/1966 startet…
Der Triumph der Western Texas Miners in jener Saison, mit einer Bilanz von 23 Siegen und einer Niederlage, schrieb im Basketballbereich Sportgeschichte, die außerhalb der USA und vielleicht sogar außerhalb von Basketballkreisen wenig bekannt ist. Insofern wirkt die Adaption der Geschehnisse wie ein Sportfilm unter vielen, wozu sowohl der generische deutsche Titel „Spiel auf Sieg“ als auch der generische Originaltitel „Glory Road“ beitragen. Wieder einmal trägt das Team der Underdogs den Sieg davon, wieder werden Widerstände von innen und außen durch ein gutes Mannschaftsklima, einen harten, aber fairen Coach und sportliche Höchstleistungen überwunden. Einige Texteinblendungen am Ende und Interviews mit den realen Protagonisten während des Abspanns orten die Ereignisse und deren Bedeutung historisch ein, doch letzten Ende wirkt „Spiel auf Sieg“ wie ein Sportfilm nach Schema F. Dazu gehören auch gewisse Kniffe, die dramaturgisch und inszenatorisch althergebracht sind, etwa wenn die Miners ein Spiel vermeintlich verlieren, aber der Linienrichter doch noch ein Foul sieht, durch das die letzten zwei Punkte des Gegnerteams abgezogen werden.
Nun können auch Sportfilme nach Schema F durchaus etwas für sich haben, bei „Spiel auf Sieg“ liegt das Problem jedoch darin, dass sich der Film auf nichts genau konzentrieren kann. Mal geht es um den Coach, mal um einzelne Spieler des Teams, mal um den Rassismus, mit dem sie konfrontiert werden. Doch all das wird nur halb erzählt, nichts davon so richtig. Die Jungs schleichen sich raus und machen Party, mal nur die Schwarzen, mal das gesamte Team – letzteres führt zu besserem Verständnis untereinander. Der eine hat Herzprobleme, die ihn vom Feld fernhalten können, der andere ist an den Black Panthers und politischem Widerstand interessiert. So erfährt man über jede Figur ein bisschen, sodass man alle versteht und sympathisch findet, aber kein Charakter kann das Interesse so wirklich binden. Selbst bei Coach Haskins bleibt man außen vor: Der lebt für Basketball, hat Frau und Kinder, ist hart, aber gerecht – aber all das sind Plattitüden. Er predigt das Prinzip des defensiven Basketballs, gibt seinen schwarzen Spielern irgendwann mehr Freiheiten in deren Spielweise, aber auch hier dringt der Film nicht in die Tiefe, kann nicht verdeutlichen, was das eine oder das andere so wirklich für die Teamleistung bedeutet.
Der damalige Rassismus äußert sich körperlichen Anfeindungen und zerstörten Hotelzimmern, führt zu einer Formdelle bei den schwarzen Spielern und Haskins‘ Entscheidung ein rein schwarzes Team im Finale antreten zu lassen. Der moralische Sieg und der Sieg auf dem Spielfeld gehen miteinander einher, doch gleichzeitig wirkt dies irgendwie banal. So gibt es die eine oder andere unangenehme Szene, vor allem jene, in der ein schwarzen Spieler auf der Toilette eines Diners von ein paar weißen Rowdys zusammengeschlagen wird, wonach der Coach das fluchtartige Verlassen des Ortes im Team-Bus anordnet. Aber das alles wird auch wieder aufgewogen mit kleinen Witzen (etwa der Assistenzcoach, der seiner Kleidung beraubt wird, als er einige Basketballspieler als „farbig“ statt als „schwarz“ bezeichnet) und pathetischen Motivationsreden. Dass ein Finanzier des Colleges seine Unterstützung wegen der schwarzen Spieler zurückziehen möchte, kommt nur in einer Szene vor, später erweist sich dieser als geläuterter Mann, während Vorurteile und Rassismus primär bei Unsympathen wie den Diner-Schlägern und dem rivalisierenden Trainer Adolph Rupp (Jon Voight) verortet werden – alles etwas arg vereinfacht.
Viele Spiele der Miners werden in Montagen oder Berichten abgehandelt, die Schlüssel-Matches der Saison erhalten dagegen deutlich mehr Raum. Regisseur James Gartner, dessen bisher einziger Film der hier blieb, inszeniert „Spiel auf Sieg“ insgesamt solide in einer Optik, welche die 1960er visuell stimmig zum Leben erweckt – zu Hochform läuft das Ganze aber in den Spielszenen auf. Gemeinsam mit Basketball Coordinator Michael J. Fisher sorgt er für schweißtreibende Matches und spannende Spielzüge. Das Blocken von gegnerischen Angriffen, das Dunking, das „Stehlen“ bei gegnerischem Ballbesitz – all das wird dynamisch und gleichzeitig realistisch in Szene gesetzt.
Dass das Spiel hier vielleicht wichtiger war als die Figuren, das zeigt sich vielleicht auch am Casting. Für die meisten Rollen wurden eher unbekannte Darsteller verpflichtet, von denen die wenigsten groß durchstarteten, auch wenn alle einen guten Job machen – es bekommt nur kaum wer genug Raum zum Glänzen. Das gilt für viele Spieler, aber auch für eine reichlich verschenkte Emily Deschanel in der Rolle der Gattin von Coach Haskins. Den Trainer wiederum gibt Josh Lucas ebenfalls recht überzeugend, aber auch ohne das ganz große Star-Charisma oder darstellerische Höchstleistungen. Als größeren Namen verpflichtete man Jon Voight, der sich als Quasi-Antagonist solide durch seine Szenen grummelt, aber auch nicht gerade die Wurst vom Teller zieht.
„Spiel auf Sieg“ ist solide gemacht und sauber inszeniert, vor allem in den dynamischen Basketballszenen, aber der Funke will nicht so recht überspringen. Die Thematisierung von Rassismus im Sport und in der amerikanischen Gesellschaft der 1960er bleibt ebenso wohlmeinend wie oberflächlich, der Plot ist trotz historischer Basis kaum mehr als Sportfilmstandard. Vor allem aber ist es die Tatsache, dass „Spiel auf Sieg“ sich kaum auf eine zentrale Figur einigen kann und zwischen verschiedenen Charakteren und Themen mäandert, welche das Interesse an der Geschichte in Grenzen hält – so ordentlich gemacht die Einzelteile auch sind, ein stimmiges Ganzes kommt hier nicht zusammen.