Spätestens seit "Monk" sind sie wieder hoch im Kurs: Detektive und Polizisten mit Macken. Doch während Monks Ticks noch von harmloser Natur sind, so sind sie bei David Creegan, der Hauptfigur aus der US-Serie "Touching Evil", schon etwas deftigerer Natur. Nicht nur dass er durchaus Verdächtige verdrischt, nein er setzt sich auch sonst gerne über die Gesetze hinweg, um seine Fälle zu lösen. Im Pilotfilm zur Serie geht er dabei auf die Jagd nach einem Kinder-Mörder und macht damit Geschmack auf mehr.
"Touching Evil" verfügt über eine knackige Story, die ihren Reiz vor allem in der Hauptfigur und den knackigen Fällen hat. Der Pilotfilm sticht dabei Skriptmäßig wunderbar hervor und hat eine packende Story zu liefern, wie man sie sich bei Kriminalreihen nur wünschen kann. Ein Kindermörder macht die Gegend unsicher und der FBI-Agent David Creegan macht sich daran den Fall zu lösen. Durch einen Anschlag auf sein Leben allerdings, nach dem er über 10 Minuten klinisch tot war, hat er jedwedes Takt- und Scharmgefühl verloren und stößt seinem Gegenüber dabei, nicht nur einmal, gehörig vor den Kopf, egal ob es nun seine Kollegin Branca ist, sein Boss Commander Hank Enright oder eben die Verdächtigen. Doch neben all den Tücken, die diese "Krankheit" mit sich zieht, hat sie auch so manche Vorteile, die Creegan meist schneller ans Ziel bringt, als die konventionelle Methode. Ja, das Skript ist wirklich nur so gespickt mit skurrilen und ungewöhnlichen Einfällen und hält sich auch größtenteils an eine innere Logik. Es steckt wirklich sichtlich viele Mühe hier drin, um den Zuschauer eine wunderbare Mischung aus liebgewonnenen Gewohnheiten und innovationsvollen Neuheiten zu bieten. Und das ist einfach nur lobenswert!
Wie es sich für einen Pilotfilm gehört, wird natürlich ein Hauptaugenmerk auf die Einführung der Charaktere gelegt. Doch wird diese hier nicht nur in den ersten 5 Minuten abgehandelt, wie sonst meist üblich, sondern erstreckt sich über die komplette Spielfilmlänge, die dieser Pilot geht. Schnell wird dem Zuschauer ein spannendes Szenario geboten, in dem ihm die Figuren nach und nach immer näher gebracht werden, ohne dabei in langweilige Streckungen zu verfallen. Und die skurrile Hauptfigur ist dabei wirklich wunderbar durchdacht und mit so vielen schrägen Eigenschaften gezeichnet worden, dass man gar nicht genau weiß, ob man sie nun sympathisch finden soll (Creegan hängt sich teilweise wirklich mächtig in seinen Fall rein) oder unsympathisch (Sein Feingefühl lässt, wie schon erwähnt, zu wünschen übrig). Doch die Sympathie gewinnt zum Schluss definitiv die Überhand. Auch wenn es in der Serie noch einige Ecken und Kanten auszumerzen gilt, manchmal reagiert Creegan mitunter doch noch etwas arg überzogen und unglaubwürdig, so ist seine Einführung, unterm Strich, merklich gelungen.
Aber auch fern ab der Figureneinführung klappt der Pilot gut. Der Spannungsbogen funktioniert prächtig, auch wenn der Täter bereits von Anfang an feststeht. Ähnlich wie bei "Columbo" geht es hier mehr danach, den Täter wirklich dingfest zu machen und um die spannende Sammlung der Indizien, die ihn belasten, als um die Frage "Who does it?". Dabei wird wunderbar mit der Unsicherheit der Zuschauer gespielt, die am Ende dann noch mit einer (anscheinenden) Wendung auf die Spitze getrieben wird. Von Langeweile kann hier jedenfalls zu keiner Minute die Rede sein.
Und wer bei all der Spannung auch gerne mal ein wenig schmunzelt, der darf sich auch über eine hübsch einstreute Prise Humor freuen. Wenn Creegan zum Beispiel in einem vollbesetzten Flugzeug einen Strip andeutet, um damit seiner Partnerin zu beweisen, dass er wirklich keinerlei Scharme-Gefühl mehr besitzt oder die Verhörung des Verdächtigen schon nach einer Minute als beendet erklärt, da der Angeklagte ja eh nur lügt, dann macht sich schon mal ein breites Grinsen auf dem Gesicht breit. Jedenfalls sind diese kurzen Auflockerungen wirklich fabelhaft gelungen.
In punkto Darsteller darf man sich ebenfalls über ein wunderbares Ensemble freuen. Hauptdarsteller Jeffrey Donovan stellt seine Rolle, des "leicht" durchgeknallten Cop, wirklich mit einer Bravour da, so das man ihm zu jeder Sekunde gerne dabei zusieht. Dazu gibt es dann noch die wunderbare Vera Famiga zu sehen und einmal mehr Zach Grenier, der sowieso ein jedes Mal zu überzeugen weiß. Kurzum, die Darsteller fügen sich ideal in den spannenden und interessanten Stoff ein und bringen sicher auch in der Serie diese Bestleistungen zum Vorschein!
Fazit: Spannender und interessant gestalteter Serien-Auftakt, der mit der Einführung seiner wunderbaren Charaktere genauso zu überzeugen weiß, wie mit der interessanten Handlung, die bis zum Schluss Spannung erzeugen kann. Einige knackige Wendungen und "Aha"-Momente versüßen dem Krimifan zudem das schweißtreibende Fernseherlebnis und ziehen ihn nur noch tiefer in die Geschichte mit hinein. Auch wenn es sicher noch einige Ecken und Kanten auszumerzen gibt, so kann man doch sagen, dass dieser Pilot seine Aufgabe wirklich voll und ganz zu erfüllen weiss und den Zuschauer auf "Touching Evil" mehr als nur scharf gemacht hat. So kann es jedenfalls gerne weiter gehen!
Wertung: 7,5/10 Punkte