Leander Haußmann ist wieder da.
Nach dem umjubelten „Sonnenallee“ und dem stimmigen Geheimtip „Herr Lehmann“ widmet er seinen nächsten Film nun ausgerechnet der Nationalen Volksarmee der DDR in den letzten Tagen ihres Bestehens, also den Jahren 1988/89.
Haußmann schickt den gerade mal volljährigen Heidler in die Hölle des Wehrdienstes, wo er zwischen verstaubte sozialistische Kommissköppe und andere Militärtrottel leninistisch-marxistischer Couleur gerät, eine Liebe verliert und eine neue findet, mit seinen Kollegen Komisches und nicht so Komisches erlebt, sich mit den Alteingesessenen zurecht finden muß, sprich erwachsen wird. Ein wenig zumindest.
Es fällt nicht schwer, Heidler als Haußmanns alter ego zu sehen, nachdem der Regisseur selbst zugegeben hat, daß die NVA ihm 18 Monate seines Lebens gestohlen hat, aber wie es sich mit persönlichen Projekten nun mal oft verhält, geraten diese meistens nur so gerade eben.
„NVA“ wandelt einen ganz schmalen Grat entlang, dafür wird ihn das Publikum weitestgehend lieben (weil es etwas zu lachen hat) und die Kritik hassen (weil der Film so zerfahren wirkt).
Denn am Ende ist der Film alles und nichts: eine Nummernrevue, bestehend aus kurzen Szenen, wie sie sich alte Veteranen jedes Wehrdienstes, Ost oder West, eben gern Jahre später abends in der Kneipe erzählen. Es sind Anekdoten, kleine Szenen, wie man sie kennt und erwartet. Es sind die Mühlen der Bürokratie, des Buckelns und Tretens, der Widersinnigkeit jeder Armee. In ihnen steckt der Keim der Klamotte, wie ihn jeder „Eis am Stiel“-Film auch besaß und das Potential zur einer komischen Dramödie, wie man sie von Haußmann gewohnt ist.
Es ist ein Rundumschlag gegen die alten Kader, aber der Witz bleibt flach und eingängig, nirgendwo kommt die nötige Schärfe hoch, die so ein Thema vielleicht verlangt hätte.
Und weil alle so beschäftigt waren, auch ja alles reinzupacken, was einen früher vielleicht mal aufgeregt oder amüsiert hat, wollen sich die Zutaten des Rezepts auch nicht richtig verbinden.
Da ist irgendwo eine Liebesgeschichte versteckt, aber sie entwickelt sich nie. Heidler liebt die Tochter (natürlich) seines Kommandanten, aber die wartet still den ganzen Film, bis zu einer plötzlichen Liebesszene ganz am Ende auf einem Wachturm. Und dabei macht sich auch noch das größte Logikloch auf, denn sie schmuggelt sich schwerfällig durch allerlei Kontrollen, um später durch ein Loch im Zaun zu flitzen, daß sich genau unter dem Turm befindet. Naja, wir brauchten sie halt für einen Joke.
Da ist Heidlers bester Kumpel, der Unruhestifter Krüger, den man schließlich in einem Straflager bricht und zum Soldaten umformt. Doch Private-Paula-ähnliche Dimensionen gibt es hier nicht – es genügen ein paar Hüftschwünge seiner Angebeteten und die Tränen fließen wieder. Alles auf Anfang.
Genau dieser Umgang mit dem Material läßt den Film so ausgefranzt und uneinheitlich wirken, obwohl er fast permanent lustig ist und mit teilweise sehr guten Darstellern glänzt.
Es gibt keinen richtigen roten Faden, nur Sequenzen. Es gibt keine detaillierte Hauptfigur, obwohl Heidler uns per Off-Kommentar begleitet, ist er in der Handlung kaum präsent.
Dazu trägt leider auch Ex-„Echt“-Sänger Kim Frank bei, der zwar hinreichend niedlich aussieht, aber schauspielerisch leider eine komplette Niete ist. Mimisch schon ein Ausfall, ist sein weiches Stimmchen aus dem Off ein Totalausfall.
Dagegen macht Oliver Bröcker als Krüger so ziemlich jeden Punkt, der zu holen ist. Ein Gesicht, dem ich jetzt schon mal eine große Karriere zusprechen möchte. Neben dem wie üblich bizarr-komischen Detlev Buck und der charmanten Jasmin Schwiers sticht vor allem noch Ignaz Kirchner als der verschrobene Offizier Futterknecht ins Auge, der aus jeder seiner Szenen das Maximum herausholt. Hier verbinden sich DDR-Kritik und Komik mal zu einer gelungenen Melange.
Ansonsten wirkt der Film amüsant (streckenweise sehr), aber doch auch zu platt und abgeschmackt für den sonst so feinsinnigen Haußmann. Das Publikum wird es vielleicht nicht so stören, denn hie und da ein kleiner ernster Zwischenton macht es erträglicher, aber der NVA wird das nicht gerecht. Und schon gar nicht einer Komödie über die NVA.
Bittebitte, Herr Haußmann, machen sie sich jetzt an die Verfilmung von Sven Regeners „Neue Vahr Süd“! Noch ist Christian Ulmen jung genug dazu! (6/10)