Nachdem er bereits in der „Sonnenallee“ am Thema „ehemalige DDR“ herumgewerkelt hat, präsentiert uns Regisseur Leander Haußmann mit „NVA“ eine weiter DDR-Dramödie, die – wie der Titel bereits vermuten lässt – die letzten Tage der Nationalen Volksarmee thematisiert.
Ende der 80er Jahre: Der junge Henrik (Kim Frank) findet sich gemeinsam mit anderen Wehrpflichtigen in der Fidel-Castro-Kaserne zum 18monatigen Wehrdienst ein. Neben der Ausbildung an der Waffe steht Unterricht über das verheerende Gedankengut des Klassenfeindes auf dem Ausbildungsplan. Außerhalb von Manöverübung und SED-Propaganda verliebt sich Henrik – ausgerechnet in Oberst Kalts Tochter…
Haußmann begeht mit seiner „NVA“ eine Gratwanderung zwischen Drama und Komödie, bei der die komischen Momente zumindest in der ersten Hälfte des Filmes stark überwiegen. Da wird den Rekruten erklärt, dass „Ein Bett im Kornfeld“ eine „Verklärung der Obdachlosigkeit beim Klassenfeind“ ist oder darüber gestritten, wie eine graue Wand wieder neu zu gestalten ist. Schon beinahe episodisch fängt Leander Haußmann so den Charme dieser kleinen Armee ein, die allenfalls zur Verteidigung der heimischen Nadelwälder zu gebrauchen war und dokumentiert die Einstellung gegenüber der eigenen und der feindlichen Ideologie vom kleinsten bis zum größten Zahnrad der Maschinerie „Nationale Volksarmee“. Da man jedoch daraus nur schwerlich einen abendfüllenden Film hätte machen können, strickt Haußmann eine Liebesgeschichte mit ein. Das streckt die ganze Sache, bringt etwas Abwechslung in die militärische Handlung und lässt so auch die weiblichen Zuschauer etwas zufriedener dreinschauen. Parallel zur Entwicklung dieser Romanze werden weitere Erzählfäden gesponnen, von denen die Geschichte des Soldaten Krüger die wohl dramatischste Entwicklung nimmt und der daher auch neben der Liebesgeschichte zunächst eine zweite, tragende Bedeutung zukommt.
Und dann kommt das Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Die Mauer ist gefallen, die ganze Welt weiß darüber Bescheid und feiert. Nur in der Fidel-Castro-Kaserne versucht man, die Neuigkeiten vor den Rekruten geheim zu halten und so weiter zu verfahren wie bisher… die dritte dramatische Komponente dieses Filmes bedeutet zugleich das Einläuten des Endes. Des Endes der Nationalen Volksarmee und zugleich des Filmes. Zuvor haben wir ca. 90 Minuten ordentliches, deutsches Kino gesehen, das sich auf seiner Gratwanderung zwischen Drama und Komödie geschickt ausbalanciert hat und so für durchgehend gute Unterhaltung sorgen konnte.
Mit „NVA“ ist es Leander Haußmann nach „Sonnenallee“ erneut gelungen, das Thema „DDR“ auf unterhaltsame Art und Weise in die Kinos der Nation zu bringen; Spaß hat’s gemacht, aber so langsam ist’s dann auch mal genug mit der komödiantisch angehauchten Betrachtung dieses Kapitels der deutschen Geschichte. 7 von 10 Punkten!