Review

„Point Blank“ versucht als harte direct-to-video-Produktion eine brauchbare „Stirb langsam“ Kopie hinzulegen. Das Ergebnis ist zwiespältig.
Dabei ist der Anfang recht gut: Ein Bus mit zum Tode verurteilten Schwerverbrechern fährt über eine Landstraße, als plötzlich eine Horde von maskierten Männern den Bus und dessen Polizeieskorte unter Beschuss nimmt. Die Polizei ist hoffnungslos unterlegen und kann die Befreiung nicht verhindern. Für eine B-Produktion kann sich die Action schon sehen lassen; sie ist lediglich ein wenig kurz ausgefallen.
Doch dann bekommen wir unseren Helden präsentiert: Ex-Söldner Rudy Ray (Mickey Rourke), dessen Bruder Joe (Kevin Gage) unter den ausgebrochenen Gefangenen ist. Dabei gibt Rourke einen wenig überzeugenden Protagonisten: Mit einem Gesichtsausdruck wie ein dummer Bauer (OK, Rudy ist nach seinem Ausscheiden Farmer geworden, aber so hat ein Actionheld nicht auszusehen) und mit Kunstschweiß bis zum Rande der Selbstparodie eingeölt.

Die Schwerverbrecher übernehmen ein Kaufhaus, in einer von ihnen, Howard (Paul Ben-Victor), sein Büro hat. Hier sollen die Gefangenen für den Ausbruch entlohnt werden. Vordergründig wird das ganze als Geiselnahme mit Fluchtversuch getarnt („Stirb langsam“ lässt grüßen). Während die Polizei das Gebäude umstellt, infiltriert Rudy das Kaufhaus und versucht seinen Bruder zu retten.
Bei „Point Blank“ wechseln sich Licht und Schatten stetig ab, so dass unterm Strich lediglich eine B-Action-Produktion im oberen Durchschnittsbereich herauskommt.
Einen negativen Eindruck hinterlässt das Verhalten von Wallace (Danny Trejo). Auch als Fan blutiger Shoot-Outs kann man es nicht gutheißen, wenn seine Gewaltakte dermaßen zelebriert werden. Denn Wallace schießt einen flüchtenden Zivilisten über den Haufen und in Zeitlupe kullert ein Teddybär aus der Einkaufstüte, richtet Geiseln ohne Grund hin und macht sich an weibliche Geiseln ran (ein Schelm, wer an seine Johnny 23 Rolle aus „Con Air“ denkt?).
Doch von Wallace abgesehen, bietet „Point Blank“ überraschend komplexe Charaktere. Natürlich müssen einige Figuren auch als Kanonenfutter hinhalten (sehr schnell an den Kapuzen zu erkennen), aber auf der Ebene der Charakterzeichnung kann „Point Blank“ wirklich überraschen, egal ob es um die Bruderbeziehung von Joe und Ray oder das vorherige Schicksal eines Schwerverbrechers geht.

So sind die Schauspieler auch annehmbar, für eine Produktion dieser Güteklasse eigentlich sogar sehr gut. Rourke kann zwar eher als Schwachpunkt angesehen werden, doch die Rollen der Schwerverbrecher sind umso besser gespielt. Vor allem Danny Trejo versucht noch das beste aus seiner viel zu übertrieben bösen Rolle rauszuholen.
Die Action geht für ein B-Movie in Ordnung und bietet gute Shoot-Outs und kurze, gelungene Kampfeinlagen. Allerdings wären längere und häufigere Actionsequenzen von Vorteil gewesen, zumal Regisseur Matt Earl Beesley einiges Geschick beim Inszenieren der Actionpassagen beweist.
Großes Lob verdient die Auswahl der Musik: Zeitlose Klassiker der Marke „Knockin’ on Heavens Door“ versüßen den Filmgenuss und bringen sogar ein paar gefühlvolle Momente in den Film bzw. unterstützen die Regie in diesen Momenten.

„Point Blank“ ist ein recht ordentlicher Actionstreifen, bei dem die Vorteile zwar überwiegen, einige der oben beschriebenen Nachteile allerdings zu Lasten des Unterhaltungswerts gehen.

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