Ohne Frage : Nicholson einmal wieder in Hochform.
Er porträtiert Aufstieg und Fall des umstrittenen Präsidenten der "International Brotherhood of Teamsters" (IBT), der LKW-Fahrer- und Transportarbeiter-Gewerkschaft, James Riddle Hoffa, um dessen mysteriöses Verschwinden 1975 sich mindestens so viele Mythen ranken, wie um das Attentat auf Präsident John F. Kennedy in Dallas.
30. Juli 1975 :
Hoffa und seine (fiktive) rechte Hand, Bob Ciaro (Danny De Vito) erwarten auf dem Parkplatz eines Restaurants in Detroit eine Kontaktperson des „Mafioso“-Milieus zu einer Aussprache, die aber niemals stattfinden wird.
Narrativ ist der Film als episodenhafte Retrospektive aufgebaut:
Der Film beginnt mit den harten Anfängen der Gewerkschaftsbewegung in den USA der 30er Jahre.
In immerwährenden Streiken wurde der erbitterte Kampf um die Rechte der Arbeiter mit Brechstangen und Schlagstöcken auf der Straße ausgetragen und konnte mitunter in bürgerkriegsähnliche Zustände ausarten.
Die Arbeitgeberschaft unterdrückt jegliche Sympathie mit den gewerkschaftlichen Forderungen nach Veränderung der rechtlichen Situation der Fahrer und Arbeiter, kooperiert neben der Polizei mit kriminellen Syndikaten, welche den Konzernen das Personal an "Streikbrechern" stellen, um jeglichen Ansatz von Opposition gewaltsam im Keim zu ersticken.
Hoffa und die Ortsgruppe Detroit der „Teamsters“, der er vorsteht, erweisen sich als nicht weniger militant und schrecken vor Anschlägen auf Firmen, die die Gewerkschaften boykottieren, nicht zurück.
Schließlich sichert sich James Hoffa durch einen Kuhhandel die Unterstützung des organisierten Verbrechens und erwirbt die Gunst des zwielichtigen Unterweltkönigs Carol D`Allessandro (Armand Assante),
woraus in der Folge eine unsägliche Zusammenarbeit resultiert.
D`Allessandro gewinnt Hoffa schließlich für die Einrichtung einer gewerkschaftlichen Pensionskasse, welche ihm als Geldmittel zu Spekulationszwecken zur Verfügung gestellt werden soll, während Hoffa im Gegenzug an den eingehenden Gewinnen beteiligt wird.
Mit Gründung eines eigens einberufenen Komitees unter Senator John McClellan und dem späteren Justizminister Robert F. Kennedy (Kevin Anderson) setzen die staatlichen Ermittlungen gegen Hoffa und die Geschäftsbeziehungen der „Teamsters“ zur organisierten Kriminalität ein.
Die Voruntersuchung vor dem Senat 1957 bildet den Auftakt einer Reihe von Verfahren, welche gegen den Gewerkschaftsaktivisten fortan angestrengt werden (Gelungene Wortgefechte im Film, bei denen Hoffa/Nicholson immer die Oberhand behält!)
1960 avanciert James R. Hoffa schließlich zum Vorsitzenden der IBT, baut sie zu einem Machtfaktor aus, indem sie landesweit Arbeiter sämtliche Bereiche des Transportwesens vertritt und organisiert.
Fortwährend steht Hoffa im Zuge seiner weiteren Karriere im Kreuzfeuer der Kritik und ist dem regelrechten "Rachefeldzug" der Kennedys mit Anschuldigungen aufgrund von Betrug, Bestechung und Verletzung des Postgeheimnisses ausgesetzt. Die diversen eingeleiteten Verfahren endeten mit Freisprüchen.
Robert Kennedy hat sich geradezu in die Idee verbissen, die Machenschaften aufzudecken um damit Hoffa endlich zu Fall zu bringen und schließlich ist sein Streben auch von Erfolg gekrönt :
1964 werden James R. Hoffa, Bobby Ciaro und andere aufgrund der Aussage eines abtrünnigen Teamster-Aktivisten der Zweckentfremdung von Geldern des Pensionsfonds überführt, zwei Monate darauf noch der Bestechung von Geschworenen angeklagt und verurteilt.
Der Gewerkschaftsführer tritt eine dreizehnjährige Haftstrafe an, wird aber 1971 auf Initiative Präsident Nixons vorzeitig entlassen, allerdings unter der Auflage, sich nicht mehr politisch und gewerkschaftlich zu betätigen.
Sein Amtsnachfolger und ehemaliger Vertrauensmann Frank Fitzsimmons (J. T. Walsh) hat die Abwesenheit Hoffas inzwischen weidlich dazu genutzt, dessen Position bei der IBT zu unterwandern und ihn weitgehend kaltgestellt.
Immer schon skrupellos in der Wahl seiner Mittel setzt James R. Hoffa zum letzten Gegenschlag an und verscherzt es sich nach mißlungenem Anschlag auf Fitzsimmons fatalerweise auch mit dem einzig verbleibenden Verbündeten, der kriminellen Unterwelt.
Die Problematik des Films besteht meines Erachtens darin, dass De Vito als Regisseur und bekennender Sympathisant James R. Hoffas die Geschichte des Mannes zu einem reinen Heldenepos umzumünzen bestrebt ist.
In den verschieden Stationen seines Werdegangs erweist sich Hoffa hier als der heroische Vorkämpfer der Arbeiterbewegung, volksnaher Demagoge, gewiefter Gewerkschaftsführer, befähigter Organisator und brillanter Taktiker.
(Insgesamt eine außer Zweifel schauspielerische Meisterleistung von Jack Nicholson).
In einem Interview umschrieb De Vito die titelgebende Figur des Films als einen „Mann, der jede Stunde seines Lebens Menschen gewidmet hat, die recht und mittellos waren. Und er hat dafür gesorgt, daß diese Hungerleider in die Klasse des amerikanischen Mittelstandes aufsteigen konnten.“
Dies dürfte stimmen, scheint mir alledings nur eine Seite der Medaille zu sein.
Aber unter dieser Prämisse versteht es sich von selbst, daß mit den kriminellen Verstrickungen Hoffas in De Vito`s Porträt offenkundig kulant verfahren wird.
Die dargestellte kurze Episode bspw. , in welcher der Journalist der „Detroit News“ ankündigt, eine in Anbetracht der bevorstehenden Wahl des IBT-Vorstandes für Hoffa überaus unvorteilhaften Artikel zu veröffentlichen und einige Tage darauf abgetrennte Genitalien im Einmachglas als Präsent erhält („Thinking of you!“), geht im Film als ein „Kavaliersdelikt“ von vielen unter.
Der Film vermittelt insgesamt den Eindruck, daß Hoffa – auf Freundes-, wie Feindesseite - nur von Mißgünstlingen, Verrätern und Neidern umgeben ist.
Und wenn es dem ehrgeizigen Emporkömmling und Hauptkontrahenten Robert F. Kennedy schließlich doch gelingt, Hoffa zu überführen, dann nur, weil der Gewerkschaftsführer, der Kennedy selbstredend immer wieder hoffnungslos überlegen ist, aus den eigenen Reihen, durch den abtrünnigen Peter Connelly (John C. Reilly) hintergangen wird.