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Der bereits in jungen Jahren für einen Hungerlohn schuftende Lagerarbeiter Jimmy Hoffa war schon bald zu einem einflußreichen Gewerkschaftsfunktionär aufgestiegen, ein in den USA der späten Dreißger Jahre durchaus gefährlicher Job, der mit zahlreichen Prügeleien und Verhaftungen bei den obligatorischen Streiks verbunden war. Dennoch kämpfte Hoffa (Jack Nicholson), der mit seiner Gewerkschaft, den Teamsters, die Fernfahrer vertrat, stets an vorderster Front, sprach die Fahrer während ihrer Schicht an und versuchte sie so für seine Sache zu gewinnen. Auf diese Weise lernte er auch den Fernfahrer Bobby Ciaro (Danny DeVito) kennen, der später zu seiner rechten Hand wurde.
Bei einem der stets mit Ausschreitungen einhergehenden Streiks kontaktierte ihn Mafia-Boss Carol D'Allesandro, mit dem er schließlich ein Gentlemens Agreement traf: die - bisher immer auf Seiten der Arbeitgeber intervenierenden - Mafioso hielten sich zurück und Hoffers Gewerkschaft gewann mehr und mehr Mitglieder. Der Preis dafür waren ganze Wagenladungen an Gütern, die das organisierte Verbrechen dafür unbehelligt einkassieren dürfte. Hoffas Popularität tat dies keinen Abbruch, auch als er - schon als Vizepräsident der Teamsters - in diversen Niederlassungen Mafiosi platziert hatte und Abgeordnete zu bestechen versuchte, genoß der Arbeiterführer, der persönlich Tarifverhandlungen führte und an vorderster Front bei den Streiks mitmischte, immer noch hohes Ansehen bei den Fernfahrern, deren Einkommenssituation er entscheidend verbessert hatte.
Dies änderte sich auch nicht, als später unter J.F.Kennedy dessen Bruder Robert Justizminister wurde und gegen das organisierte Verbrechen entschieden vorging - an Hoffa kam er trotz aller Bemühungen nicht heran. Erst 1967 wurde der redegewandte Hoffa dann tatsächlich verurteilt, jedoch schon wenige Jahre später von Richard Nixon begnadigt. Doch während er sich auf ein Comeback vorbereitet, hat die Mafia, zufrieden mit seinem weichen und nachgiebigen Nachfolger  Frank Fitzsimmons, inzwischen die Weichen neu gestellt. Das unvermeidliche Zerwürfnis führt dann zum Bruch mit dem organisierten Verbrechen und Hoffa verschwindet am 30. Juli 1975 unter bis heute ungeklärten Umständen von der Bildfläche...

Durchaus spannender Stoff für einen Film über das Leben des populären Gewerkschaftsführers, um dessen rätselhaftes Verschwinden sich bis heute zahlreiche Legenden ranken. Betrachtet man sein Lebenswerk, hat Hoffa zwar in der Tat sehr viel für den sprichwörtlichen kleinen Mann geleistet, sich andererseits aber (später) auch selbst am von ihm mitgegründeten  Pensionsfonds bereichert und darüber hinaus der Mafia einen lukrativen Geschäftszweig eröffnet, der mittels Millionen-Darlehen für den Bau von Casinos auch Geldwäsche umfasste. Regisseur Dani DeVito freilich läßt in seinem Monumentalfilm Jimmy Hoffa fast nur den ersten Aspekt gelten und stellt den charismatischen Hoffa als einen sein ganzes Leben lang gegen  Ausbeutung und Ungerechtigkeit kämpfenden Gutmenschen dar, der sich tapfer und wortgewandt gegen Arbeitgeber, Richter und Justizminister genauso wie gegen neidische Konkurrenten durchzusetzen weiß.

Ausgehend vom Warten auf ein entscheidendes Treffen mit dem Mafiaboss D'Allesandro im Sommer 1975 erzählt der Film in zahlreichen langen Rückblenden vom Leben und Streben Jimmy Hoffas, der mit einem furiosen Jack Nicholson in der Titelrolle fast schon auf ein Podest gehoben wird. Im Pre-CGI-Zeitalter sind es neben der starken Präsenz Nicholsons vor allem einige aufwändige Massenszenen von Streiks und Schlägereien, die dem Film eine Aura vom (vermeintlich) gerechten Kampf verleihen. 
Das organisierte Verbrechen dagegen hat nur kurze Szenen, in denen smarte Männer auftreten, die Gemeinplätze äußern oder allenfalls Rechenbeispiele von Geschäftsmodellen ansprechen, die sich mit Millionendarlehen realisieren lassen. Eine einzige Szene (mit einem Paket) deutet deren grundsätzlich gewalttätigen Hintergrund an. Sich selbst hat der Regisseur übrigens als eine Art Capo inszeniert, der Hoffas Verbindung zur Mafia darstellt, doch sind seine Auftritte eher beiläufig und streckenweise fast schon peinlich, wenn er einen Hirsch mit der Pistole erlegt oder einer sehr jungen Prostituierten Sätze wie "Komm bald wieder" und "Von dir nehme ich kein Geld" in den Mund legt.

Während man in der ersten Hälfte des Films also eher erstaunt die Straßenschlachten zur Kenntnis nimmt (in den USA war es seinerzeit tatsächlich üblich, daß sich die selbstverständlich ohne rote Fahnen Streikenden auf der einen und Arbeitgeber und Streikbrecher auf der anderen Seite Schlägertrupps "anmieteten", um ihre jeweilige Sichtweise durchzusetzen - bei uns in Europa schlicht undenkbar) dominiert in der zweiten Filmhälfte Hoffas geschliffene Redetechnik, wie er bei Pressekonferenzen und Interviews stets die Lacher auf seiner Seite hat und z.B. einen jungen Robert Kennedy wie einen dummen Schulbuben aussehen läßt.

Zum Schluß hin entscheidet sich der stets Zigaretten rauchende oder im Mund spazierentragende DeVito dann immerhin für eine  der eher glaubhaften, wenngleich bis dato unbewiesene Variante des Verschwindens seines Hauptprotagonisten und läßt ihn von einem Hitkommando erschießen und beseitigen. Fazit: obwohl Jimmy Hoffa zu keiner Zeit an Meisterwerke wie z.B. Casino heranreicht und eher mit The Irishman zu vergleichen ist, stellt er einen durchaus interessanten Film über eine der schillerndsten politischen Persönlichkeiten der US-amerikanischen Geschichte dar. Historisch zwar keineswegs ausgewogen, durch die starke Leistung Nicholsons jedoch durchwegs sehenswert: 7 Punkte.

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