Wer einfach mal wieder was anderes als üblich sehen möchte, kann sich gern mal an „Saint Martyrs Des Damnes“ versuchen, einer kanadischen Produktion, die eindeutig so angelegt wurde, um mit „Twin Peaks“ verglichen zu werden.
Knapp zwei Stunden lang, wird erst mal eine Dreiviertelstunde daran verschwendet, den Zuschauer nachhaltig zu verwirren und das allein ist ja den Versuch schon mal wert.
Da haben wir also einen Revolverblattjournalisten Marke „Von Aliens entführt“, der auf einen letzten Auftrag losgelassen wird, angeblich endlich mal einen realen. In dem titelgebenden Städtchen verschwanden nämlich reichlich Leute, um nie wieder aufzutauchen. Kaum dort angekommen, verschwindet der Fotografenkollege unseres Helden Flavien spurlos und dafür darf er eine Parade schräger Vögel abnehmen. Ein monotoner Graukopf und zwei bizarre Zwillingsomas, die sich an der Rezeption seines Hotels abwechseln, ohne das der eine angeblich von den anderen weiß. Ein wutschnaubender Bürgermeister mit seinen Rockabilly-Aufmischern, eine geisterhafte Braut, die auf Landstraßen umher wandelt. Ein Mädchen, das auf der Kuhweide E-Gitarre spielt. Ein Werkstattangestellter mit Gesichtsmaske. Eine Imbißbesitzerin, die ständig in Strapsen rumläuft, samt ihres mongoloiden Sohnes. Und eine Fabrik, in der unheimliche chirurgische Eingriffe vorgenommen werden und in der ein monströses Ungetüm hockt.
Natürlich kann die zweite Hälfte des Films der ersten nicht Rechnung tragen, man darf aber das Kompliment machen, daß man die Auflösung bei Beginn noch nicht kommen sieht. Der Film mündet in einen soliden Klon-Horror, in den auch die Hauptfigur auf bizarre Art und Weise verwickelt ist und der vom Zuschauer viel Aufmerksamkeit verlangt, damit man die vielen Handlungsstränge auch noch nach zwei Dritteln halbwegs versteht.
Ein Handicap ist leider Hauptdarsteller Francois Chenier, der die vollen zwei Stunden mit demselben Gesichtsausdruck am Ball bleibt, ein Klotz am Bein, den die Dorfbewohner nicht loswerden, der uns aber auch nie so recht das Herz wärmen will. Wenn es dann wirklich mal romantisch wird, dann wirkt das in diesem ausgebleichten Film sofort ungewollt kitschig. Wie überhaupt Tempo kein Stilmittel des Films ist, geradezu aufreizend betulich reiht sich eine seltsame Szene an die nächste.
Für Rätselfreunde sind am Ende noch genug Fragen offen geblieben und das Finale ist kaum dazu angetan, den Film offenherzig durchzuwinken, aber generell ist der Film eine frische Brise am DVD-Markt, Voraussetzung ist und bleibt aber, die französische Machart des Films zu mögen. Robin Aubert ist zwar definitiv kein David Lynch, kann aber den Kreis recht sauber schließen und entläßt alle mit dem Gefühl, mal was anderes präsentiert bekommen zu haben. Ob der Bissen schmeckt, steht auf einem anderen Blatt.
Ich für meinen Teil lade alle experimentierwilligen Zuschauer ein. (6/10)