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Los Angeles, 1948: Jake Gittes verdingt sich immer noch als Privatdetektv und wird von dem wohlhabenden Immobilienunternehmer Jake Berman beauftragt, Beweise für die Untreue von dessen Ehefrau Kitty zu beschaffen und eines ihrer Schäferstündchen mit ihrem Liebhaber in einem Motel-Zimmer auf Tonband aufzuzeichnen. Als Berman wie besprochen auftaucht und die beiden in flagranti erwischt, zückt dieser jedoch ganz überraschend eine Pistole und schießt seinen Nebenbuhler über den Haufen. Als sich später herausstellt, dass es sich bei dem Toten um Bermans Geschäfts-Partner Mark Bodine handelt, scheint es so, als wäre Gittes das Opfer einer Intrige geworden und hätte seinem Klienten unwissentlich dabei geholfen, sich dessen Firmen-Anteile mit einem Wert in Millionenhöhe unter den Nagel reißen zu können und für den Mord aufgrund mildernder Umstände mit einer geringeren Strafe davonzukommen. Eine Bemerkung, die Bodine in dem Motel über Katherine Mulwray, die Tochter von Gittes' früherer Geliebten Evelyn Mulwray (siehe "Chinatown") hat fallen lassen, bringt den Schnüffler dazu, in der Angelegenheit tiefer zu graben und es dauert nicht lange, bis einige zwielichtige Gestalten auftauchen, die die Tonband-Aufnahme der Tat ebenfalls in die Finger kriegen wollen... Verspätete Legacy-Sequels gibt es doch tatsächlich nicht erst seit den letzten "Indiana Jones"- und "Ghostbusters"-Streifen oder "Top Gun: Maverick": Bereits 1990 hat Jack Nicholson da persönlich mit "Die Spur führt zurück" eine Fortsetzung zu Roman Polanskis 1974er-Detektivfilm-Klassiker "Chinatown" abgeliefert, die allerdings kurioserweise im Laufe der Zeit allem Anschein nach ein wenig in Vergessenheit geraten ist... was verwundert, wenn man sich vor Augen hält, dass der Vorgänger ja tatsächlich als einer der ganz großen Meilensteine des 70er Jahre-Hollywood-Kinos - und damit wohl auch der Filmgeschichte selbst - gehandelt wird. Egal, wie man über "Chinatown" nun selbst denkt (ich persönlich finde ihn gut, aber ein wenig überschätzt) oder diesen ob seiner legendären Schluss-Szene nun für besonders fortsetzungswürdig erachtet (tu' ich eigentlich nicht), so muss man doch zugegeben, dass Jack Nicholson, der nicht nur erneut in seiner Rolle als Jake Gittes auftritt, sondern nach viel Heckmeck im Vorfeld der Produktion auch das Regie-Ruder übernommen hat, die Doppel-Belastung vor und hinter der Kamera gut gehändelt hat. Dem fertigen Ergebnis merkt man die Jahre in der Entwicklungs-Hölle Hollywoods nicht unbedingt an, denn einerseits ist Nicholsons Inszenierung da mehr als nur stilbewusst, zum anderen sorgt Drehbuchautor Robert Towne dafür, dass die Tonalität des Polanski-Streifens da weitestgehend erhalten geblieben ist. Die über mehr als zwei Stunden ziemlich unaufgeregt erzählte Geschichte entpuppt sich da schnell als komplexer, als es zunächst den Anschein hat, und die inhaltlichen Verweise und Throwbacks auf den ersten Film werden nicht ungeschickt eingewoben, ohne eine schlichte Kopie des Vorgängers zu sein. Als wunderbar fotografierter Ausstattungsfilm, der überzeugend die späten 40er Jahre wieder auf die Leinwand bringt, ist "Die Spur führt zurück" zudem auch ziemlich augenschmeichelndes Kino, das aber über seinen edlen Look die Handlung nicht schleifen lässt und dem Publikum abverlangt, aufmerksam am Ball zu bleiben... und zudem auch eine Kenntnis des Originals für das völlige Verständnis der Story unbedingt voraussetzt. Der Vorwurf, dass der Regisseur Nicholson den Schauspieler Nicholson da etwas zu sehr in den Mittelpunkt des Interesses rückt und das Ganze dadurch zur Personality-Show verkommt, ist übrigens nicht haltbar, denn einerseits kleben solche Neo-Noir-Thriller ja immerzu an ihren Detektiv-Figuren und andererseits ist die übrige, namhafte Darsteller-Riege durch die Bank nicht minder sehenswert. So ist die Angelegenheit im Grunde genommen auf allen denkbaren Ebenen mehr als engaging geraten, zumal es Nicholson ja erneut gelingt, seinen Jake Gittes als vielschichtigen Protagonisten zu zeichnen, unter dessen rauer Schale immer wieder ein zutiefst menschlicher und mitfühlender Kern zum Vorschein kommt. Schade, dass das Ganze damals am Boxoffice so hart gefloppt ist, dass Pläne für eine weitere Fortsetzung direkt mal verworfen wurden. Eventuell ist es also an der Zeit, "Die Spur führt zurück" - dem ja trotz allem viel alter Erzählkino-Glanz anhaftet, wie man ihn bei heutigen Hollywood-Produktionen gänzlich vermisst - als den grundsoliden Krimi, der er ist, wiederzuentdecken und entsprechend zu würdigen.

8/10

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