Schon fast vergessen im Reich der „stylishen“ Horrorfilme ist Tony Scotts Debut „The Hunger“ aka „Begierde“, den er vier Jahre vor Top Gun ins Rennen schickte.
Was man da präsentiert bekommt, ist optisch und schnitttechnisch sicherlich ein Highlight, aber erzählerisch fällt der Film in ein derart finsteres Loch, daß man den Grund gar nicht sehen kann.
Trotzdem glänzt die Produktion mit schicken Bildern und tollen Namen, was aber der Langeweile keinen Abbruch tut.
Wir haben also Franko-Import Catherine Deneuve, die hier als jahrtausendalte ägyptische Vampirin ihre Liebhaber immer mit ihrer Lebenskraft und Blut speist, bis die regelmäßig nach 200 Jahren den Geist aufgeben und rasend schnell alternd zur Mumie werden, um dann in einer Kiste vor sich hinvegetierend auf dem Dachboden zu landen. Als ihr letzter Lover, in Gestalt von David Bowie, noch schnell eine Progenie-Ärztin aufmerksam machen kann, verliebt sie sich in die Gute und nimmt einen Blutaustausch vor, so daß selbige ihr verfällt.
Erst widerstrebend, dann jedoch dem Hunger verfallend, fällt der eigene Mann ihr zum Opfer, doch dann dreht sie den Spieß um...
Das Problem ist, daß hier einfach zu wenig passiert. Die Bilder sprechen für sich oder sollen es zumindest, doch das provoziert nur erzählerische Löcher. Es ist halbwegs originell, daß man nie Vampirzähne sieht (man schlitzt mit einem Dort Halsschlagadern auf und verbrennt die Leichen im Hochofen), aber sonst wirkt der Film bedrückend anämisch, wenn auch schick aufgemacht.
Die Figuren bleiben leere Hüllen, die nur ihre Funktion in der Bilderflut erfüllen. Über die Deneuve erfahren wir fast nie etwas, Bowie scheidet viel zu schnell aus der Handlung aus und auch Susan Sarandon ist ein reines Abziehbild.
Dafür gibt’s einen Bilderrausch par excellence. Gleich zu Beginn zaubert Scott ein Stakkato zur besten Bauhaus-Single, in dem die beiden jeweils ein Opfer finden. Nachtclubszenario im New-Romantic-Style, viel Schminke, blaues Licht, Zigarettenrauch, sich gegen den Hintergrund doppelt so stark abhebend.
Das Haus der Vampire dann ebenso im modischen Halbdunkel, gefiltertes Licht, gelbe, rote und blaue Zonen. Die Zeit wirkt eingefroren, überholt. Die immer wieder gebrauchte opulente Bettstatt ist mit allerlei flatternden Tüchern verhängt, der Dachboden ebenso. Und die Tüchlein wedeln uns nun fast ständig vor Augen.
Unter dem Dach dann ein Lichtkegel rund um lauernder Finsternis, dazwischen immer wieder Blut, effektvoll in Szene gesetzt: rot auf weiß, der Verlust der Unschuld, das sinnliche Erwachen. Aufgeschlitzte Hälse, rote Rinnsale aus Mundwinkeln, befleckte Laken.
Dennoch wirkt das alles unendlich langsam und zäh, kleine Szenen dauern halbe Ewigkeiten und die Highlights bleiben zwar im Gedächtnis, verlangen uns dennoch irre Geduld ab.
Bemerkenswert neben dem Anfang sicher die Szene, in der der gealterte Bowie in wahnsinniger Verzweiflung einen Teenager, der zur Geigenstunde kommt, niedermacht, das würde sich heute keiner mehr trauen.
Bewundernswert offen auch die lesbische Liebesszene, bei der sich die Sarandon mondo topless präsentiert.
Überlang und hohl jedoch der Schluß, der bar jeder Erklärung die Gefangenen auf dem Boden einen Aufstand machen läßt, während die Deneuve plötzlich all ihre Kräfte verliert und rasend alternd durch das Treppenhaus stürzt. Optisch wieder top, doch ihre permanente Schreierei und die zeitlupenhaften Bilder (allerdings schnell geschnitten) machen das Ding zur Geduldsprobe. Man kann nur mutmaßen, daß die Sarandon dank ihres Opfers oder ihres Blutdurstes für dieses Finale verantwortlich war, aber belegen kann man es nicht vollständig.
Wer also mal eine Mini-Geschichte in absoluten Maxi-Bildern präsentiert bekommen will, der muß bei „Begierde“ zugreifen. Optisch wirklich knackig durchkomponiert, zerrt der Erzählfluß (fast ausgetrocknetes Flußbett) jedoch denkbar an den Nerven, weil höchstens alle fünf Minuten mal jemand was sagt. Eine visuelle Geduldsprobe, ähnlich „Blade Runner“, nur mit noch weniger Action (4/10)