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Tony Scotts „Begierde“, nach dem später die TV-Serie „The Hunger“ (übrigens auch der Originaltitel) entstand, ist sein erster bekannter Film.
John (David Bowie) und Miriam Blaylock (Catherine Deneuve) sind Vampire. So wird erst in der Disco zu den Klängen von Bauhaus getanzt, ein junges Pärchen aufgegriffen und mit nach Hause genommen. Doch dort lässt man seiner wahren Natur freien Lauf, verknuspert die beiden und entsorgt sie im heimischen Brennofen. Der Anfang ist ziemlich stilsicher geraten, vor allem weil man nie explizit die typischen Vampirgesten sieht, z.B. sind keine spitzen Zähne irgendwo im Film zu finden.
Doch auch das Pärchen der Vampire hat ein Problem: Miriam ist die eigentliche Vampirin, die sich ihre Gefährten und Gefährtinnen aussucht – wie auch John. Doch diese werden nach einer Weile von einem unglaublich schnellen Alterungsprozess dahingerafft, um schließlich auf ewig dahinzuvegetieren. Für den Alterungsprozess Bowies haben die Maskenbildner wirklich erstklassige Arbeit geleistet, denn das Ergebnis sieht top aus.

In einer Klinik, in der die Wissenschaftlerin Dr. Sarah Roberts (Susan Sarandon) einen Weg sucht, den Alterungsprozess bei normalen Menschen und Tieren aufzuhalten, fragt er nach Antworten doch wird erst nicht beachtet. Erst als Sarah sein rapides Altern erkennt, wird sie neugierig und spürt ihm nach – womit sie in den Dunstkreis der Vampire kommt...
„Begierde“ ist dermaßen auf Hochglanz poliert und gelackt, dass man sich fast darin spiegeln kann. Tony Scott zieht echt alle ästhetischen Register und versucht oft die Bilder für sich sprechen zu lassen – im Gegensatz zu den Figuren, die wenig von sich geben. Doch das ist teilweise arg anstrengend und wirkt ab und zu auch albern, z.B. in den Verführungsszenen, bei denen weichgezeichnet wird bis die Schwarte kracht.
Leider passt die Handlung im Gegenzug auf einen Notizzettel. An sich gibt sie nur Stoff für vielleicht 30 bis 45 Minuten Film her, doch mit Zeitlupe und in die Länge gezogenen Szenen wird der Plot hier künstlich auf ca. 90 Minuten gestreckt, was teilweise langweilt. Zudem sind die Wendungen meist sehr vorhersehbar und der Film ist alles andere als gruselig. Lediglich im Showdown wird es dann noch trotz einiger nerviger Hui-Buh Momente recht spannend.

Dennoch ist „Begierde“ nicht komplett misslungen. Vor allem die Alterungseffekte (in erster Linie bei Bowie) sind wirklich erstklassige Stücke der Maskenbildnerkunst, die sich nicht zu verstecken brauchen. Einige Szenen sind zudem sehr beeindruckend, wie die Blicke aus dem Brennofen heraus oder die Szene mit der Musikschülerin, da in diesen Momenten Form und Inhalt wunderbar harmonieren.
David Bowie hat sicherlich die kleinste Rolle und verschwindet teilweise hinter seinen Make-Up-Effekten, doch er spielt am überzeugendsten. Catherine Deneuve bleibt meist nur unterkühlt und gefasst, was jedoch zu ihrer Rolle passt. So sieht lediglich Susan Sarandon etwas unglücklich aus und kann nur stellenweise überzeugen. Die restlichen Nebendarsteller sind OK, aber kaum zu sehen.

So bleibt alles in allem ein unterdurchschnittliches Vampirdrama, das zwar seine Momente hat und teilweise mit seiner Optik beeindruckt, aber kaum Handlung besitzt und man teilweise in der Bilderflut untergeht.

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