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Karloffs “Totentanz” ist ein tickendes Metronom, das dem Mimen seine ablaufende Uhr anzeigt und zugleich befreit von sämtlichen Zusammenhängen ein peinlich billiges Whodunit im Haunted House-Stil zusammenschustert, das sehr mechanisch vorgeht und an größeren Zusammenhängen gar nicht interessiert ist. Hauptsache, die aufs Schloss eingeladenen Erben kriegen ordentlich was geboten für das Geld, das sie bekommen sollen. Dass am Ende im wortwörtlichen Sinne die Hütte brennt, versteht sich sowieso von selbst.

Immerhin kann man soweit gehen zu sagen, dass “Dance of Death” innerhalb der unfassbar dilettantischen, Karloffs Karriere abschließenden Mexiko-Quadrilogie nicht (ganz) den Tiefpunkt darstellt. Den hat nämlich “Alien Terror” inne. Alle vier Filme sind schon alleine von dem Makel betroffen, dass immer die gleichen schäbigen Kulissen zusammenkommen, dass mexikanische Schauspiel-Laien sich um das Karloff-Fossil scheren und scheinbar gar nicht registrieren, was sie da eigentlich machen. Hieraus ergibt sich die Verbindung unter den handlungstechnisch unverbundenen Filmen und das verleiht ihnen den Verve einer billigen Fließbandproduktion, kostengünstig nach provisorischen Drehbüchern abgedreht in den Hinterhöfen Bekannter von Bekannten.

Karloff selbst wird vermutlich auch nicht immer gewusst haben, welchen der vier Filme er da gerade dreht, aber da kommt ihm die Rollenwahl ein wenig entgegen - man lässt ihn einen scheinbar verwirrten Schlossherrn spielen, der sich sehr kurios über eine Leiche äußert, die auf dem Feld mit ausgerissenen Augen gefunden wurde. Das müssten Fische gewesen sein, sagt er... oder Vögel. Schließlich seien Vögel ja dafür bekannt, Menschen die Augen auszupicken. Der Assistent reagiert mit Verwunderung über das wirre Gebrabbel - und stellt damit sogleich die erste Identifikationsplattform für den Zuschauer.

Dann treffen die Gäste ein und blickt man ihnen ins Angesicht, weiß man auf Anhieb, dass einer von ihnen nach dem anderen fesch über die Laufzeit verteilt verschwinden wird. Negerlein, gebt Acht!
Die Dialoge sind dabei köstlich banal und hauptverantwortlich dafür, dass nicht im geringsten zu erkennen ist, was die ganze Chose eigentlich zu bedeuten hat. Vieles stützt sich auf Beschreibungen aktueller Veränderungen oder Schlussfolgerungen der besonders erfrischenden Art, die dem deduktiven Schluss “Alle Menschen sind sterblich - Sokrates ist ein Mensch - Sokrates ist sterblich” verdammt nahe kommen: (“Das bedeutet, dass irgendjemand gleich sterben wird. Gleich kommt der Tod. Nein... Nein! Bitte aufhören! Bitte aufhören!”).

Einen kleinen Bonus verdient sich der Streifen anhand der spaßigen Gimmicks, die das Schloss bereithält. Ein Puppentheater, ein mechanisch angetriebener tanzender Scheich, der außer Kontrolle gerät, eine lebendig gewordene Lakshni-Statue, eine sich selbstständig machende Ritterrüstung, und nicht zuletzt eine bei Gefahr stets spielende Orgel (Frau, panisch: “Hat Matthias die Orgel gespielt? Aber... das ist doch unmöglich! Er war die ganze Zeit hier!” Mann, mit kühlem Kopf: “Vielleicht war es ein mechanischer Auslöser.”). Das entbehrt - sofern man an Filme generell keine Ansprüche stellt - sicherlich nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, obwohl der angestrebte Surrealismus nicht zuletzt durch die billigen Szenenkompositionen und den zusammengematschten Score versaut wird.

Wirklich ansehnlich ist also selbstredend auch “Dance of Death” nicht, aber er verwöhnt Hardcore-Trasher dann doch mit ein paar netten Einfällen in den Katakomben eines kellerartigen Anwesens, in dem aber auch Kulissen vorkommen, die in “Alien Terror” beispielsweise das Innere einer fliegenden Untertasse darstellen mussten. Wer sich mal wieder ordentlich züchtigen will, fängt am besten mit “Dance of Death” an und arbeitet sich dann tiefer vor zu “Alien Terror”, der wirklich, WIRKLICH Schmerzen zufügt.

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