Review

Hat sich schon mal jemand gefragt, warum der Job bei der Mafia kein Traumjob ist ?

Mal abgesehen vom persönlichen Gewissen bietet diese Verbindung doch nur Vorteile. Hervorragendes Einkommen, viele enge persönliche Kontakte und immer ausreichend Schutz vor der Polizei....

Vielleicht liegt es ja daran, daß die höchste Pflicht eines Mitglieds ist, Respekt zu erweisen und der Familie Ehre zu machen. Nun sind das ja keine eindeutigen Begriffe, der Eine kann etwas als sehr ehrenvoll empfinden, was der Andere im Gegenteil als Verlust der Ehre ansieht.

Deshalb gibt es eine Vielzahl an Nuancen und Verhaltensregeln zu beachten, um möglichst Niemandem auf die Füße zu treten, ein Außenstehender ist da schon von vornherein verloren....

Nun ist Charlie Pattana (Jack Nicholson) kein Außenstehender, sondern der Patensohn des Mafiabosses. Trotzdem wirkt er auch immer ein wenig nervös. John Huston gelingt in seinem Film immer eine Atmosphäre der Ungewissheit, der Unsicherheit, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Man darf nie die Aufmerksamkeit verlieren, denn der äußere Schein ist selten das Sein....

Wenn man die beherrschende Melodie im Film, die auch immer wieder zwischen den Szenen angespielt wird, nicht für irgendein „italienisches Gedudel“ (Zitat Vincent Vegas in seiner Review) hält, sondern weiß, daß es sich um die Grundmelodie aus der Oper „Gianni Schicchi“ von Puccini handelt, dann ist dieser Grundgedanke des Filmes schon klar.

„Gianni Schicchi” handelt von einer Familie, deren reiches Oberhaupt verstorben ist bevor es ein ordentliches Testament für die gierige Verwandschaft machen konnte. Da außerhalb der Familie noch keiner von dem Tod erfahren hat, übernimmt Gianni Schicchi die Rolle des verstorbenen Paten und macht sozusagen kurz vor seinem Ableben noch ein richtiges Testament. Nur was ist richtig? – Jeder hat natürlich eigene Interessen und versucht den Anderen zu seinen eigenen Gunsten auszuspielen...

Der Film beginnt mit einer großen Hochzeit. Huston läßt das „Ave Maria“ komplett singen, um die handelnden Personen vorzustellen. Während der Messe sieht Pattana zum ersten Mal Irene Walker(Kathleen Turner), in die er sich sofort verliebt.

Er bemüht sich sofort um sie und erfährt, daß sie ebenfalls eine Killerin ist, die von der Mafia beauftragt wurde, einen „Hit“ während der Hochzeitsmesse zu machen, um damit allen Familienmitgliedern ein sauberes Alibi zu verschaffen. Leider hatte sie zuvor auch schon einen Job gemacht, der der Prizzi-Familie geschadet hatte. Als Pattana sich darum kümmern soll, bekommt er Gewissensbisse, denn er müßte sie umlegen. Sie überzeugt ihn davon, daß sie nichts dafür kann und er heiratet sie darauf hin.

Allerdings befragt er zuerst Maerose Prizzi um ihre Meinung. Vor 4 Jahren hatte Pattana nicht wie geplant sie ,seine Jugendliebe und Enkelin des Paten, geheiratet. Daraufhin wurde Maerose Prizzi (Anjelica Huston) von der Familie verstoßen, da sie ihre Ehre verloren hatte.

Obwohl sie ihn noch immer liebt ,rät sie Pattana zu der Hochzeit mit Irene Walker, denn dadurch erhält sie ihre Ehre zurück und kann wieder Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen.

In einer der wichtigsten Szene des Films, in der sie ihren Vater anlügt, indem sie behauptet Pattana hätte sie vergewaltigt, untermalt John Huston die Szene mit der berühmtesten Arie aus „Gianni Schicchi“. Mit dieser Arie versucht auch in der Oper die Tochter ihren Vater („Mio Babbo“) zu beeinflussen. Und man merkt schnell, daß Maerose Prizzi selbst ihre Ehre noch nicht wiederhergestellt sieht und deshalb beginnt, einen Plan auszuführen...

Anjelica Huston hat zu Recht einen Oskar für die beste Nebenrolle bekommen, denn sie ist der am wenigsten eindeutige Charakter. Man weiß nie genau was sie fühlt oder was sie vorhat und man unterschätzt auch ihre Position.

Huston gelingt ein sehr unterhaltsamer Film, der aber niemals eine Komödie sein will. Trotz vergnüglicher Szenen ist dem Film immer seine Ernsthaftigkeit und Intelligenz anzumerken.

Dabei schafft es Huston mit einer absoluten Leichtigkeit zu zeigen, wie sehr die Regeln der „Familie“ seine Mitglieder beherrschen und wie unfrei im Grunde der Einzelne ist. Der Film hält dabei auch jederzeit seine Spannung aufrecht, da sich niemand seiner Sache sicher sein kann und irgendwie verliert der Job bei der Mafia dadurch auch ein wenig von seiner Attraktivität (9/10).

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