"Die Ehre der Prizzis" ist sich genau so uneins über seine Intention wie ich es mir über die Beurteilung dieses Filmes bin. Mal tendiert er stark in die Richtung "dramatische Mafia-Milieu-Studie", mal in die Richtung eines seichten Liebesfilmes und ein weiteres Mal entwickelt der Film stark komödiantische Tendenzen. OK, gegen einen gelungenen Genre-Mix ist nichts einzuwenden, doch "Die Ehre der Prizzis" agiert dabei überraschend sprunghaft. Kontrastreich wird der Film dadurch zweifelsfrei, aber wird er dadurch auch direkt besser? Nein, eigentlich nicht. Der Film ist zwar überaus gelungen, doch zu solch herausragenden Mafia-Filmen wie der Pate-Trilogie, "Goodfellas" oder "Donnie Brasco" kann er dann doch nicht aufschließen.
Charlie Patanna (Jack Nicholson) ist Zögling der Mafia-Familie der Prizzis. Als Killer sorgt er dafür, dass die Ehre der Prizzis eingehalten wird. Eines Tages bekommt er den Auftrag, einen Killer unschädlich zu machen, der der Familie Schaden zugefügt hat. Zur gleichen Zeit wird von einer Verflossenen Charlies ein Killer auf Patanna angesetzt: die schöne Irene Walker (Kathleen Turner); die Frau, auf dich Charlie angesetzt ist. Ohne davon zu wissen, dass die beiden ihr jeweils nächstes Opfer sind, verlieben sich die beiden ineinander…
Klingelt's da? Jawoll, ein leicht variiertes "Mr. & Mrs. Smith"-Thema, nur zwanzig Jahre früher, weniger Action, weniger knisternde Erotik, dafür aber mehr Tiefe und verstärkter Focus auch auf "Nebenkriegsschausplätze".
Was die Atmosphäre, den Charme, des Filmes angeht, zieht "Prizzi's Honor" eindeutig den kürzeren gegenüber den alt eingesessenen Mafia-Filmen. Zwar ist der Streifen von Regisseur John Huston ein durchaus ansehnliches Beispiel für einen gelungenen Score, aber allein eine hervorragende musikalische Komponente macht noch lange keinen guten Film aus. Da gehört eine Dichte des Plots dazu, die der hier vorliegende Film nicht durchgehend einhalten kann; da gehört aber auch ein guter Cast dazu. Zumindest damit kann Huston hier aufwarten: sein Töchterchen Anjelica gewann vollkommen zu Recht den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Performance in "Die Ehre der Prizzis"; Jack Nicholson wurde für seine starke Leistung mit einer Oscar-Nominierung in der Kategorie "Best Actor" bedacht und auch die weiteren Cast-Mitglieder sind schauspielerisch voll auf der Höhe. Zur Person Jack Nicholson noch ein paar Worte: Er agiert auf hohem Niveau, keine Frage! Aber dennoch hat er es irgendwie nicht geschafft, den letzten Funken rüberzubringen, der mich vollends überzeugt hätte. Als Mafioso wird er mir niemals so in (guter) Erinnerung bleiben wie als Jack Torrance in Stanley Kubricks "Shining".
Was bleibt unterm Strich? Ein gelungener, unterhaltsamer Film, der mal laute, mal leise Töne anschlägt und vor allen Dingen durch charismatische Darsteller zu gefallen weiß. Filmfreunde, die der Faszination von Filmen wie "Der Pate" verfallen sind, könnten unter Umständen etwas enttäuscht sein. Wer jedoch den Anspruch, eine atmosphärisch dichte und intelligente Studie über die Mafia sehen zu wollen, vollkommen aussen vor lässt, dürfte sich gut unterhalten fühlen. 7 von 10 Punkten!