In seinem Wahn, sich mit deutschen Hollywood-Regisseuren der Marke Roland Emmerich oder Wolfgang Petersen gleichzusetzen, dreht Landsmann Uwe Boll (House of the Dead) munter weiter seine Filmchen nach Videospiel-Vorlage, obwohl viele Menschen der Meinung sind, dass er es sein lassen sollte. Er konnte es nicht sein lassen, und somit hätte man auch Bloodrayne in die Hände eines fähigeren Regisseurs geben sollen, wenngleich der Film immerhin eine Spur besser daher kommt als Alone in the Dark. Wie dort ist mir auch hier die Vorlage völlig unbekannt, weshalb ich keinerlei Vergleiche ziehen kann. Was unser selbsternannter Regiegott hier fabriziert hat, schaut stellenweise zwar recht professionell aus, doch ist das Gesamtergebniss nur ein fehlgeschlagener Versuch mit den Underworld- und Blade-Filmen mithalten zu können.
Im 18. Jahrhundert will sich Rayne (Kristanna Loken) - halb Vampir, halb Mensch - an ihrem Vater Kagan (Ben Kingsley) rächen, der ihre Mutter vergewaltigt und ermordet hat. Zuflucht findet Rayne zunächst in einem Zirkus, doch als sie dort aus Notwehr das Blut eines Menschen trinkt, erwacht ihr Blutdurst und sie verwandelt sich in BloodRayne. Zusammen mit den beiden Vampirjägern Sebastian (Matthew Davis) und Vladimir (Michael Madsen) macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, dem Herrscher der Vampire...
Kristanna Loken (Die Nibelungen) sind wahrlich nicht schlecht aus und ist ein recht knackiges Mädel. Was ihr für eine solche Rolle allerdings fehlt sind eine beeindruckende Präsenz bzw. Ausstrahlung, wie z.B. Kate Beckinsale in Underworld oder Jessica Biel in Blade: Trinity. In der Terminator 3 und auch noch in Die Nibelungen hatte Loken eine solche Präsenz an den Tag gelegt, doch hier sucht man sie vergebens. Immerhin kommt sie mit ihrem Part hier noch am besten weg, denn der Rest agiert alles andere als preisverdächtig. Allen voran Sir Ben Kingsley (Species), der als Vampirlord wenig überzeugen kann und einfach nur da zu sein scheint, weil er halt böse ist. Auch Michael Madsen (Living & Dying) sowie die dauernd angepisst wirkende Michelle Rodriguez (Resident Evil) beckleckern sich nicht gerade mit Ruhm und wickeln ihre Rollen in der gleichen Tour runter, wie in ihren vorherigen Filmen. Madsen schaut einfach nur müde aus und Rodriguez ist halt so drauf, wie sie in fast jedem ihrer Filme drauf ist: angepisst eben. Über den farblosen Matthew Davis (Tigerland) braucht man eigentlich nicht mehr weiter zu reden, da er nur mal mit Loken einen Kerker-Quickie schieben muss und ansonsten kaum was zu tun hat, außer an Madsens Seite die Klinge zu schwingen. Zum Schluss bekommt man noch ein paar Mini-Auftritte von Udo Kier (Blade), Meat Loaf (Fight Club) und Billy Zane (Zoolander) serviert, wovon allerdings nur Zanes Auftritt erwähnenswert ist.
Genau wie in Alone in the Dark will der Uwe auch hier "auf Teufel komm raus" zeigen, dass er mit den großen Jungs spielen kann. Können tut er es zwar immer noch nicht, doch lässt er in Sachen Action ein recht ordentliches Gemetzel inszinieren, das nur unter allzu verkrampft wirkenden und stümperhaft choreographierten Schwertkämpfen zu leiden hat. Wenigstens ist der Bodycount recht hoch und der Kunstblutverbrauch auch nicht zu verachten. Ständig wird irgendwer von irgendwem geköpft, durchbohrt, zerhackt, zermatscht oder gleich komplett zu Hundefutter verarbeitet. Auch auf Leichen, denen die Eingeweide schon rausquillen, wird seelenruhig weiter rumgehackt. Können diese ganzen knacke-blutigen Schlachtsequenzen, trotz fader Umsetzung, noch einigermaßen gefallen, so enttäuscht der finale Kampf Raynes gegen ihren Vati. Obwohl der doch so ein super-dupa-mega-mächtiger Vampirobermotz ist, kann ihm durch einen simplen Bolzenstich ins Herz der Garaus gemacht werden. Da sahen die Vernichtungen der Endgegner in den beiden Underworld-Filmen wesentlich geiler aus. Abseits des blutigen Getümmels will uns der Uwe ja noch eine Geschichte erzählen. Viel zu erzählen scheint er jedoch nicht zu haben. Denn die Story von Bloodrayne ist nur ein 08/15-Rip/Off von Blade, Underworld, Buffy und Konsorten, da Rayne meistens nur um sich kloppt und schlitzt, nach ein paar Artefakten sucht und weiter kloppt und schlitzt. Lediglich die allseits beliebte Verräter-Nummer kommt etwas überraschend daher. Immerhin versucht der Uwe ein einigermaßen anschauliches Set zu präsentieren, was ihm auch größtenteils gelingt, wenngleich viele Bereiche recht steril rüber kommen oder einfach nur amateurhaft gestaltet wurden. Zum Bespiel gestaltet sich alles um das erste Artefakt herum reichlich lächerlich. Die CGI-Klingen, die durch den Kammerboden herumrasen riechen einfach meilenweit nach dem Rechenknecht. Über den simpel umzunietenden Wächter dieses offenbar sauwichtigen Artefaktes hülle ich nur noch den Mantel des Schweigens. Die Kostüme der Protagonisten schauen hingegen recht brauchbar aus und die Vampirfratzen schauen aus wie in Buffy - nur halt billiger. Mit dem Score kann der Uwe anscheinend nicht so recht umgehen, wie er sich das stets so gerne wünscht. Die in Farbfilter getauchten Landschafts- und Tagaufnahmen sollen zudem von so was wie Düsternis zeugen, locken aber nur ein müdes Lächeln hervor. Und die Vision von Rayne samt Rückblicke und so, wo nochmals mächtig das Kunstblut fließt und spritzt, ist auch keine gute Idee von dem Uwe gewesen. Der Zweck der besagten Vision verrät er uns nämlich nicht, scheint es auch selber nicht genau zu wissen.
Versteht mich bitte nicht falsch. Bloodrayne ist kein absolut mieser Film, er ist halt nur nicht so toll geworden, wie sich das der Uwe gerne gewünscht hätte. Fragt sich nur, welches Videogame als nächstes seinem Missbrauch zum Opfer fällt. Prince of Persia wäre doch mal was, oder Uwe? Na ja... wenigstens bekommt man Kristannas Milchtüten zu Gesicht... das ist doch auch was!