Ooops, I dit it again…schon wieder Leihgebühr für einen Boll entrichtet…
Uwe Boll hat es wieder getan und genug Kohle für seinen dritten Film zusammen gestümpert und auch wenn er zu Promotionzwecken tatsächlich wie angekündigt ein halbes Dutzend Filmjournalisten verkloppt hat (die sich das offenbar als lustigen Werbegag gedacht haben, bevor sie tatsächlich was vor die Glocke bekommen haben) bedeutet das nicht, dass „Bloodrayne“ nun weniger scheiße ist als seine anderen Werke.
Wieder musste eine Videospielverfilmung dran glauben und weil Uwes Vertrauen in seine nicht existenten Fähigkeiten unendlich war, hat er viel eigenes Geld reingepumpt, um das Schiff am Laufen zu halten, denn 20 Millionen Fliegen werden schon die nötigen Pfennige auf dem Videomarkt hereinbringen, um das nächste Epos möglich zu machen.
Hier nun also „Bloodrayne“, die Geschichte einer Halbvampirin, die ihrer Bestimmung entgegeneilt. Weil wir das alles schon hundertmal hatten (u.a. in „Blade“), macht Bolle auf Leistungsschau und präsentiert ein erkleckliches Arsenal an B- und C-Stars bzw. Ex-Stars, die dringend mal wieder Arbeit brauchten oder zufällig am Drehort mit dem Regisseur noch eine Flasche zu leeren hatten.
Seht her, wen er uns präsentiert:
Da wäre als Erstes in der Titelrolle Kristina Loken, die der Welt durch ihre Terminatorenrolle im dritten Teil besagter Filmrolle in Erinnerung geblieben ist. Da brauchte sie nur böse gucken und durch die Gegend stampfen, jetzt muß sie eine vampirische Fighterin sein, kann aber leider kaum das Schwert gerade halten, von Schauspiel ganz zu schweigen.
An ihrer Seite wirkt ein Trio von Vampirbekämpfern, die es in sich haben.
Da ist Michael Paré, der spätestens seit „Straßen in Flammen“ Schwierigkeiten hat, nur noch fürs TV engagiert zu werden. Dann Michael Madsen, die fleischgewordene Lustlosigkeit, dessen aufgeschwemmter Körper hauptsächlich durch gewaltige Alkoholmengen angetrieben wird und der seine Rolle in einer Art unlustigem Wachkoma absolviert.
Und Michelle Rodriguez, die den frühen Ruhm so verarbeitete, dass sie sich als etablierter Filmstar natürlich folgerichtig durch Saufexzesse und Pöbeleien öfters mal auf Polizeistationen mit Nummernschildchen ablichten lässt, so dass man sie sogar aus „Lost“ schnellstens wieder entfernen musste.
In weiteren Kurzauftritten glänzen Geraldine Chaplin als stußverbreitende Wahrsagerin, ein gut abgefüllter Meat Loaf, der sich in einer Aftershoworgie mit rumänischen Nutten und Sonnenkönigsperückchen ablichten lassen durfte; Udo Kier, der vermutlich auch hier etwas gefunden hat, was ihn an einer sinnfreien Rolle als Wächtermönch interessiert hat (ich vermute: der Scheck!); Billy Zane schaut zweimal funktionslos als Rodriguez Vati herein, diktiert einen Brief und verschwindet auf Nimmerwiedersehen aus der Handlung und schlussendlich haben wir noch den Oberbösen, für den man doch tatsächlich Ben Kingsley bekommen hat.
Sir Ben Kingsley, dem sein Adelstitel dermaßen zu Kopf gestiegen ist, dass so ziemlich jeder Regisseur auf diesem Planeten ihm gerne mal den Arsch versohlen möchte, kriegt, so möchte ich annehmen, offenbar gar keine anderen Rollen mehr und spielt den Obervampir als geschminkte Modeltunte mit Pferdeschwänzchen, guckt bierernst durch die Gegend und spricht die Hälfte seines Textes aus dem Off, vielleicht ist er auch Telepath, wer weiß…
Mit diesem gloriosen Team ist natürlich alles möglich, wenn auch sämtliche Mimen offenbar jeweils nur einen Tag am Set waren und unabhängig voneinander ihre Szenen schnell runtergekurbelt haben.
Aber diese allgegenwärtige Unlust gegenüber diesem Stück Film ist verständlich, denn auch auf allen anderen Gebieten ist hier mal wieder ein neuer Tiefpunkt erreicht worden.
Das fängt beim Drehbuch an, das ein paar Dialoge rausholzt, die so fade sind, dass Kleinkinder entsetzt das Sprechenlernen verweigern. Kein Wunder, denn über die ganze Lauflänge passiert so gut wie nichts, was diesen Film rechtfertigt, Sprachlosigkeit allerorten.
Im Wesentlichen geht es darum, dass ein Halbvampir (hier aus unerfindlichen Gründen „Dhampier“ genannt), mit einer Gruppe von Vampirjägern (Brimstone-Vereinigung) gegen ihren bösen Vampirvati kämpft, der alles und jedes unterjocht und noch drei Relikte (Möööönsch, ist das aufregend) dazu braucht, um die totale Macht zu haben.
Andere Filme haben aus dieser platten Chose schon mehr gemacht, nicht so Boll, der sich um Motivationen keinen Deut schert, schließlich muß er filmische Versatzstücke zu einem Großen Ganzen (oder Halben) vereinen, das gibt nun mal Anschlußfehler.
Die drei Vampirjäger suchen nun also die Loken, greifen sie auf, lassen sie wieder reiten, holen sie wieder ein, reden mit ihr, sie reitet weiter, will woanders hin, tuts doch nicht und immer so weiter. Abgesehen davon, dass sie sich durch einen Wanderzirkus happert, passiert nicht viel, auch wenn Miss Loken an jedem Unterarm ein spezielles Schwert mit sich trägt, dass sie so zögerlich führt, als fürchte sie, sich an diesem offenbar stumpfen Brotmesser zu verletzen. Was „Rayne“ denn nun eigentlich will, wird nicht so ganz klar, denn obwohl sie ihren Vati meucheln möchte, reist sie ziellos in der Gegend rum, sammelt die Artefakte mehr widerstrebend ein und läuft am Ende wie Hein Blöd Kingsley in die Fänge, als wüsste sie, dass im Drehbuch steht, dass ihre Kumpels sie unter Aufgabe ihres Lebens später vom Opfertisch holen. Und so geschieht es auch.
Nichts stimmt hier.
Die Kampfszenen sind zäh und einfallslos, da hilft auch der hektische Schnitt nichts. Zum Glück gibt es auch noch extrem wenige davon. Sobald gesprochen wird, wird es hohl, sinnlos oder pathetisch, es gibt immer wieder Fehler im Plot. Die Kostüme wirken weniger als mäßig und eine absolut überflüssige Fickszene der Hauptdarstellerin geht noch weniger. Gedreht im malerischen rumänischen Hinterland, hatte das Skript offenbar so wenig Inhalt, dass Boll oft minutenlang irgendwelche Reiter durch die Walachei sprengend zeigt, damit die Spielzeit über die Runden kommt.
Und irgendwann sind wir dann endlich im Showdownschlösschen. Hier entspinnt sich ein Kracher vor dem Herrn: erst läuft Rayne dem Bösling mit dem letzten Relikt in die Arme und wird (oh, Überraschung!) eingekastelt. Ihre beiden Kumpels machen es ihr nach und sprengen das Burgtor und werden überwältigt. Aber nicht getötet, weswegen man sie vorsorglich in die Zelle gegenüber sperrt. Obwohl sie nach dem Konsum von zwei Relikten angeblich übernatürliche Kräfte haben soll, merkt man leider nichts davon, die Gute wird mit einem Seil (!) gefesselt und kommt auf den Opfertisch und wird gepiekst, bis ihre Freunde nach ihrem ungemein innovativen Ausbruch den Saal stürmen.
Von der mörderischen Gegnerarmee sind gerade mal ein Dutzend im Saale und der Rest hat auch später offenbar Feierabend. Madsen lässt sich drehbuchgemäß in Zeitlupe abstechen und irgendwann ist der Fiese tot. Toll, Boll!
Ein Blick aufs Zeiteisen verrät: oh, verdammt, das waren ja erst 82 Minuten (abzüglich drei Minuten Vorspann). Also spendiert uns Boll weitere fünf Minuten Material, in denen Loken in Zeitlupe durch den Saal geht, um dann in Gedanken all die ganzen Splatterszenen in Wiederholung noch einmal zu rekapitulieren, die wir längst alle gesehen haben (die waren so teuer, die mussten zweitverwertet werden). Dann reitet sie vom Hof und freut sich über die Abblende. Zeit für weitere 7 Minuten Abspann.
Warum also schauen?
Keine Ahnung!
Das ist ja noch nicht einmal ein ordentliches Trashfest, das ist einfach nur fades und dummes Flickwerk, visuell etwa knapp unter dem Niveau einer durchschnittlichen Xena-Episode (nur sind da die Kampfszenen besser).
Blut?
Ja, Blut spritzt, reichlich!
Olaf Ittenbach tut sein Möglichstes und produziert auftragsgemäß Kehlenschnitte und Fontänen en gros, nur leider muß er dazu dermaßen große Blutpacks verwenden, dass alle zu sterbenden Statisten aussehen, als hätten sie eine Wampe vom Saufen.
Die Tricks sind okay, aber leider auch nicht überragend, aber das Rumgematsche ist noch das Beste vom Ganzen. Mein Lieblingsszene ist die mit der total zerstückelten Leiche am Boden (überall suppt es rot…) und vier rumänische Knallchargen tätscheln absolut unmotiviert mit ihren Plastikschwertern auf den zuckenden Überresten herum – pure Emotion!
Eigentlich also alles beim Alten. Boll, der Ed Wood jr des neuen Millenniums, dreht auch weiter euphorisch einen Haufen Hundescheiße nach dem nächsten zusammen und lacht uns abends dann daheim aus, weil wir alle auf diese Nichtskönnermasche reinfallen.
„Bloodrayne“ reiht sich in die Werkreihe Bolls auf jeden Fall tadellos ein, nur wo „Alone in the Dark“ einfach doof und einfallslos war, ist „Bloodrayne“ auch noch langweilig.
Wo Gamerkids hier noch Qualitäten finden, ist mir ein Rätsel, aber PC-Spiele sollen ja abstumpfen, da hat man keine Ansprüche mehr. Wer seine sechs Sinne noch beisammen hat, spart bitte die Leihgebühr. (2/10)