Es gibt wohl kaum einen Regisseur der (vor allem) im Internet so gehasst und verschmäht wird wie Dr. Uwe Boll.
Seine Videospielverfilmungen, angefangen bei „House of the Dead“ und „Alone in the Dark“ bis hin zu „Bloodrayne“ landen in nahezu allen Worst-Movie Listen in den obersten Rängen und versanden in regelmäßigen Abständen an den Kinokassen (um sich dann jedoch, in den Videotheken, wie der Phoenix aus der Asche zu erheben). Der Deutsche, der in einigen Filmmagazinen auch schon als „neuer Ed Wood“ bezeichnet wird, erntet für jeden seiner Filme, oft schon vor dem Erscheinen, nur die miesesten Kritiken.
Videospielfans, auf der einen Seite, werfen ihm vor, jedes erfolgreiche Spiel zu adaptieren ohne Atmosphäre, Geschichte oder Charaktere der Grundlage, auch nur in kleinster Weise zu würdigen.
Filmkritiker, auf der anderen Seite, kreiden ihm ganz allgemein Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und vor allem Talentlosigkeit an.
Trotz alldem dreht der ehemalige Boxer einen Streifen nach dem Anderen, scheint über „Tischlein deck dich“ Geldgeber zu verfügen und bringt es immer wieder fertig ein Starensemble um sich zu versammeln, das anderen Regisseuren die Freudentränen in die Augen treiben würde.
An dieser Stelle muss ich jedoch einen Stab für Dr. Boll brechen.
Seinem kranken Hirn ist zwar noch kein Meisterwerk entschlüpft, aber auch noch kein Streifen, der qualitativ unter dem üblichen Horrordurchschnitt dahin vegetieren würde.
Um Unklarheiten zu vermeiden sei gesagt, dass ich erstens kein großer Spielefreak bin und somit die jeweiligen Filme nur vom Gesichtspunkt eines „normalen“ Verbrauchers aus betrachte und zweitens gewalttätige Horror- und Splatterfilme liebe und bei solchen oft extrem billigen Produktionen, auch beide Augen vor den unterirdischen Darstellerleistungen, miesen Effekten und den Drehbuchlücken verschließen kann, sollte irgendetwas anderes mein Interesse wach halten.
Im Falle von „Bloodrayne“, um zum Thema zurückzukommen, waren das auf der einen Seite Kristana Loken, die in ihrer Lederkluft und mit ihren beiden Schwertern bewaffnet zum Anbeißen aussieht und auf der anderen Seite die überzeichneten und übertrieben gorehaltigen Kampfszenen.
Man soll mich an dieser Stelle aber nicht daran festnageln, ob es bei diesem Streifen Ähnlichkeiten zum Spiel gibt, die Darsteller sich alle unter Wert verkaufen, die Kostüme, wie Verkleidungen einer Gruppe Schulkinder zu Halloween aussehen, die Requisiten mehr an Kasperltheater als an Mittelalter erinnern oder die Blutfontänen zu übertrieben dargestellt wurden à Ich habe mich einfach köstlich amüsiert.
Die Story um einen „guten“ Vampir, der an der Seite der letzten Menschen gegen einen „bösen“ (meist verwandten) Vampir kämpft und diesen nach gewissen Rückschlägen, (Menschen-)opfern und der Aneignung einiger, über weite Landstriche verstreute, Artefakte in einem finalen Kampf besiegt, ist nichts Neues.
Das gab es in ähnlicher Konstellation und weitaus besser umgesetzt auch schon bei Blade, (entfernt) bei Near Dark, dem Frühwerk von Bigelow, und anderen Vertretern des Genres.
Im Fall von Bloodrayne ist der semigute Vampir jedoch eine hübsche Frau (Kristana Loken), die Unterstützung besteht aus einem quasi Vater-Sohn Gespann (Michael Madsen, Matt Davis) und das Szenario spielt nicht in der Gegenwart sondern in der Vergangenheit.
Zugegebenerweise sind einige Ideen von Dr. Video so schlecht, dass man vermuten könnte ihnen seinen einige Flaschen Wodka und mehrere Päckchen Marihuana vorausgegangen.
Zu diesen Geistesblicken zählen einerseits der Einfall einen, von einem Menschen geborenen, Vampir "Dumpir" zu nennen und auch noch die Unverfrorenheit zu besitzen, diesen verfluchten Namen alle paar Minuten im Film zu benutzen und andererseits der Frevel, Ben Kingsley als anscheinend geistig und geschmacklich behinderten Vampir zu besetzen.
Der ehemalige Oscarmime (Ghandi) spielt so inferior, dass mir sogar das schadenfrohe Lachen im Hals stecken geblieben ist.
Auch Matt Davis verdient sich mit seinem Auftritt keinesfalls Lorbeeren und auf gar keinen Fall die Sexszene mit Kristana Loken.
Dieser Name ist die perfekte Überleitung zu den positiven Seiten des Films.
Kristanas Körper, Kostüm und augenzwinkernde Darstellung der unerfahrenen Vampirin, der hohe Blutgehalt, die „herrlichen“ Dialoge, die „ittenbachschen“ Kampfszenen (übrigens auch am Film beteiligt) und die "stimmige" Atmosphäre retten den Film vor der Unterdurchschnittlichkeit.
Fazit:
Ein idealer Film für einen feuchtfröhlichen Männerabend ohne Niveauansprüche und tiefgründige Unterhaltungswünsche.
Die Bereitschaft über schlechte Dialoge und Darstellerleistungen zu lachen und/oder hinwegzusehen muss das jeweilige Kritikbedürfnis übertreffen.
(Eine Flasche Wodka hilft dabei ganz ausgezeichnet).