Review

Eine Riege altbekannter Stars, ein ansprechendes Mystery-Cover, eine FSK-18-Einstufung, ein weiterer hochglänzend-gruseliger Vampirkracher also, der uns da wohl erwartet? Könnte man meinen, sieht alles doch recht professionell und vielversprechend aus...aber halt, was lese ich denn da auf dem Einband bei den Credits? Wer bitte ist der Regisseur dieses "Meisterwerkes"? Uwe Boll???? DER Uwe Boll, der schon "Alone in the dark" zu einem "unvergesslichen" Kinoerlebnis gemacht hat? Mir graut es vor dem, was mich da bei "BloodRayne" wohl erwarten wird. Aber der Reihe nach (und jedem seine Chance, auch wenn dies von vorneherein vergebene Liebesmühe ist).

Bleiben wir zunächst mal bei den "Stars" dieses Films. Kristanna Loken ist natürlich erstmal ein Hingucker, wobei sie mir als weiblicher Terminator im zugegebenermaßen insgesamt doch wenig überzeugenden dritten Teil der entsprechenden Saga optisch noch ´nen Tick besser gefallen hat. In "BloodRayne" spielt sie die Titelheldin Rayne, dies allerdings wenig überzeugend und ziemlich lahm, was besonders bei den hölzernen Kampfszenen extrem auffällt. Rayne begibt sich nach erfolgreicher Flucht aus der Gefangenschaft einer illustren Zirkusgruppe, die sie als Halbwesen aus Mensch und Vampir ihrem Publikum zur Schau gestellt hat, auf die Suche nach ihrem Vater Kagan, einem oder besser gesagt DEM Obervampir schlechthin (dargestellt von dem einstmals grandiosen Ben Kingsley). Dieser hat vor Jahren Raynes Mutter vergewaltigt und getötet. Aus diesem Grund hat Rayne Rache geschworen und macht sich nun ihrerseits auf die Suche nach ihrem Vater, um diesen zu töten.
Loken spielt schlecht, sieht dabei auch nur bedingt gut aus in ihrem Latex-/Lederoutfit, und die Kampfszenen sind wie bereits erwähnt eigentlich nicht der Rede wert. Dies gilt übrigens für so gut wie alle Akteure dieses Streifens, da hätte man ruhig etwas mehr Zeit und Liebe in die Choreografien der einzelnen Kämpfe investieren können. 
Insgesamt bleibt die gute Dame auch in jeder weiteren Phase des Films blass, trotz ihrer rot gefärbten Haare.

Gleiches gilt für unseren bereits erwähnten Freund Ben Kingsley. Vom Oscar-Preisträger vergangener Zeiten ist nicht mehr viel übrig geblieben. In regelmäßigen Abständen wirft er schauspielerische Offenbarungseide auf den Markt, um auch ja jedem geneigten Zuschauer zu zeigen, dass Filme wie "Ghandi" oder "Schindlers Liste" in seiner langen Laufbahn als Schauspieler eventuell vielleicht doch eher die Ausnahme denn die Regel gewesen sind. Diese Vermutung unterstützt auch seine Darbietung in "BloodRayne". Selten habe ich ihn uninspirierter und lebloser über die Leinwand stolpern sehen als in diesem Horrorstreifen. Da kann man auch nicht hergehen und behaupten, das minimale Mienenspiel Kingsleys sei Teil des Spiels und durchaus so gewollt - man kann sich nämlich auch alles schönreden. Ich denke, Kingsley hatte aufgrund seiner hier limitierten Möglichkeiten gar keine ander Wahl, als einfach nur äusserst grenzdebil dreinzuschauen. Wirklich schade, gerade in seinem Fall.

Gleiches gilt auch für Michael Madsen ("Reservoir Dogs", "Donnie Brasco", "Sin City"), den ich als Schauspieler immer sehr gerne sehe/gesehen habe und durchaus zu schätzen weiß. Aber auch er macht es mir von Film zu Film schwerer, langsam ist auch sein "Sympathie-Bonus" aufgebraucht. Madsen spielt in "BloodRayne" ehrlich am gelangweiltesten, ihm sieht man quasi in jeder seiner Szenen an, dass er eigentlich gar nicht so genau weiß, was er da gerade veranstaltet bzw. was er an diesem Set überhaupt verloren hat! Klar, ein Uwe-Boll-Film ist prinzipiell nur unter Drogeneinfluss zu ertragen, gerade wenn man noch aktiv daran teilnimmt und den Meister jeden Tag direkt vor der eigenen Nase hat. Dennoch erklärt dies nicht wirklich die miserable Darstellung seiner Figur, des Vampirjägers Vladimir. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Dies gilt grundsätzlich für den gesamten Film. Natürlich ist die Story mehr als dünn. Aber mit den richtigen Schauspielern, besseren Choreografien und mehr witzigen Dialogen hätte man einiges mehr aus dem Thema herausholen können. Oder vielleicht nur mit dem richtigen Regisseur? Because it´s definitely a real Uwe-Boll-movie. Wie schon bei "Alone in the dark" schart er eine Menge mehr oder weniger bekannter Akteure um sich, die dann anhand eines uninspirierten Scripts eine uninspirierte Darstellung ihrer leider auch uninspiriert gezeichneten Figur zum "Besten" geben. In "BloodRayne" tun dies neben den bereits ausführlich oben erwähnten Schauspielern noch Michelle Rodriguez ("Fast and the furoius", "Resident Evil"), Matthew Davis ("Pearl Harbour", "Below") und eine Reihe illustrer "Alt"-Akteure, die ihre besten Zeiten in filmischer Hinsicht wohl schon hinter sich haben (Geraldine Chaplin, Billy Zane, Michael Paré, Udo Kier). Dazu noch der Kurzauftritt eines absolut lächerlichen Meat Loafs als Chef einer Art Freudenhaus, den man sich auch hätte komplett sparen können/MÜSSEN. Manchmal ist weniger eben mehr, dies gilt hier besonders für das Aufgebot der vielen B-Stars, die scheinbar dazu gecastet wurden, um den Film entsprechend medienwirksamer gestalten und nach aussen darstellen zu können. Denn der ein oder andere Name hat nach wie vor seine Fangemeinde, die hier aber durch die Bank weg ziemlich enttäuscht gewesen sein dürfte.

Uwe Boll hat es also mal wieder in grandioser Weise geschafft, eines seiner Filmprojekte gehörig in den Sand zu setzen. Jetzt kann man sagen - das haben wir auch nicht anders erwartet! Und richtig, leider scheint es sich immer mehr zu bestätigen, dass alles das, was Herr Boll so an Projekten anfängt, von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Sicherlich kann man grob sagen, dass "BloodRayne" eine Steigerung zu "Alone in the dark" ist, obwohl der Film im Gegensatz zu "Aitd" nicht in hiesigen Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Dennoch ist der "Sprung" so dermaßen gering, dass man Hochrechnungen zufolge wohl erst im Jahr 2107 mit einem preisverdächtigen, filmischen Meisterwerk aus dem Hause Boll rechnen darf. Und da ist mir die Wartezeit dann doch etwas zu lang.

Bizzy

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