Hollywood = BOLLywood?
Wieder ein Film von Uwe Boll, wieder mit internationaler Starbesetzung und wieder eine Videospielverfilmung. Nach „House of the Dead” und “Alone in the Dark” hat es der deutsche Boll wieder getan: Er hat geschaft, was den wenigsten deutschen Regisseuren vergönnt ist, er liefert Genre-Kino auf Hollywoodniveau. Es ist schon erstaunlich, wie es der umstrittene deutsche Regisseur immer wieder schafft, aus populären und leichten Stoffen ansehnliche Filme zu erschaffen. Es ist genauso erstaunlich, dass Boll dafür viel Verachtung und Schelte erntet. Während viele B-Filme von (meist) amerikanischen Regisseuren lobende Worte und das Prädikat „Geheimtipp“ einheimsen, werden Boll’sche Filme schon im Vorfeld beschossen. Und dies, obwohl Boll nicht nur für die Regiearbeit (ansehnlich und international auf Genreniveau) verantwortlich ist, sondern auch die Finanzierung und Vermarktung seiner Filme stemmt. Hut ab vor Herrn Boll, kann man da nur sagen.
Auch weil die Stoffe, die er verfilmt eigentlich Filme für die Fans sein müssten. Wie kein anderer schafft er es mithilfe von Videospiellizenzen Nischenkino (viel Gewalt, Gore und nackte Haut) auf hohem Niveau zu erschaffen und dies (in den meisten Fällen) auf der großen Leinwand zu platzieren. „Bloodrayne“ vereint alle genannten Zutaten eines typischen Bolls auf sich. Basierend auf einem Videospiel, liefert der Film eine mittelalterliche Fantasystory, garniert mit gutgemachtem und derben Splatter wie sie vielen Fans schmecken sollte. Neben den tollen, wie handgemachten FX sind es vor allem die internationalen Schauspieler, die die größten Schauwerte in „Bloodrayne“ darstellen. Die sehr ansehnliche Kristanna Loken gibt die Titelheldin dieses Hack’n Slays (eigentlich ein Videospielgenre, aber auch passend bei diesem Film). Sie sieht zwar enorm gut aus, füllt Ihre Rolle aber nicht so sehr mit Charakter, wie sie ihr Oberteil ausfüllt. Dennoch macht sie mit ihren Schwertern so einiges her. Zudem hat Boll Oscar-Preisträger Ben Kingsley verpflichten können, der den Oberbösewicht gibt. Zwar spult Kingsley nur sein Standardprogramm ein wenig lustlos herunter, doch für einen Film dieses Genres reicht diese Leistung schon mehr als aus. Michael Madsen steht ein schwarzer Anzug und eine Wumme eindeutig besser, als ein Schwert und eine Lederkluft. Dennoch macht es Spaß einem solchen Starensemble (komplettiert durch so verschiedene Darsteller wie Michelle Rodriguez, Geraldine Chapman, Meat Loaf, Udo Kier und Billy Zane) beim Metzeln zuzusehen.
Gedreht in Rumänien, kann die Kulisse voll überzeugen. Tolle Locations, wie mittelalterliche Straßen, Burgen und wunderschöne Landschaften warteten nur darauf von Boll genutzt zu werden. Zusammen mit den schon erwähnten tollen Special Effects (übrigens war dafür Horrorspezi Olaf Ittenbach mitverantwortlich) sorgen diese Production Values für einen absolut hochwertigen Look, der z.B. dem netten „Evil Aliens“ weit überlegen ist. Dennoch packt den Zuschauer „Bloodrayne“ nicht so richtig. Dies mag an der faden Story liegen, zu vielen unnötigen (zweifellos interessant besetzten) Charakteren oder auch daran, dass gerade bei der Hauptdarsstellerin Kristanna Loken der Funke zum Publikum nicht so richtig überspringen will. Apropos Rayne: Frau Loken macht zwar optisch mächtig was her, doch ihr Kostüm sieht aus, wie in der fiktiven Mittelalterkollektion bei C&A erworben: sprich, überhaupt nicht authentisch. Dies ist zwar nur ein kleiner Kritikpunkt, doch ein Wermutstropfen, wenn man die ansonsten tolle Optik des Films bedenkt. Zum anderen bemerkt man, dass einige der Darsteller (z.B. Michael Madsen und Michelle Rodriguez) nicht sehr gut mit dem Schwert umgehen können. Gerade wenn sie zu sehen sind, wurde sehr viel geschnitten, um einen halbwegs glaubwürdigen Fight zu erhalten.
Im Endeffekt ist „Bloodrayne“ ein durchaus bemerkenswerter Film von Uwe Boll, kann aber nicht ganz mit „Alone in the Dark“ mithalten. Dieser überzeugte durch eine stringentere Story und einem überzeugenderen Hauptdarsteller. Nichtsdestotrotz weiß „Bloodrayne“ zu unterhalten. Langweilig ist er eigentlich an keiner Stelle. Zudem bekommt der geneigte Genrefan einiges zu sehen. Bevor man über diesen Film richtet, sollte man ihn zumindest gesehen haben und dann die gleichen Maßstäbe ansetzen, wie an Filme anderer Regisseure. Man kann über Uwe Boll sagen, was man will (dies geschah an dieser Stelle ja auch), aber immerhin bleibt er sich und seiner Linie treu. Bedenkt man, dass z.B. Wolfgang Petersen in letzter Zeit vor allem durch substanzlose oder maximal US-patriotische Filme augefallen ist, erfüllen die Boll’schen Filme zumindest die Erwartungen der Genreanhänger. Zur Eingangsfrage: Nein, Hollywood ist (noch) nicht BOLLywood, aber das kann ja noch kommen...
Fazit:
6 / 10